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Ex-Audi-Chef vor Gericht Rupert Stadler - ein loyaler Kofferträger

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Für den Prozess gegen Stadler sind mehr als 180 Verhandlungstage angesetzt.

(Foto: dpa)

Ex-Audi-Chef Rupert Stadler muss sich von heute an gemeinsam mit drei weiteren Ex-Managern vor dem Münchner Landgericht verantworten. Es geht um manipulierte Abgaseinrichtungen und dreiste Werbelügen. Wurde Stadler seine Loyalität gegenüber früheren Förderern zum Verhängnis?

Wer das wahre Ausmaß der Tragödie um Rupert Stadler begreifen will, der muss wissen, was ihn mit seinen Förderern verband. Denn der frühere Chef der Volkswagen-Tochter Audi stand von jeher im Ruf, sowohl dem einstigen Konzernpatriarchen Ferdinand Piech wie auch dessen über lange Jahre vertrauten Ziehsohn Martin Winterkorn äußerst loyal verbunden zu sein. Anders war der kometenhafte Aufstieg bis an die Spitze von Audi für so manchen Beobachter kaum zu erklären.

Als sich Stadler über Jahre als Piechs Büroleiter in Salzburg bewährt hatte, wurde er Finanzvorstand von Audi, später Vorstandschef, elf Jahre lang. Ein Betriebswirt an der Spitze der VW-Tochter Audi - das war neu. In Piech- und Winterkorn-Zeiten waren Ingenieure die Heros. BWLer waren eher gelitten. Anders bei Stadler. Seine Loyalität hatte sich ausgezahlt. Mehr noch: Die Reibereien zwischen Ingolstadt und Wolfsburg waren damals berüchtigt. So mancher Top-Manager fiel den Machtspielen zum Opfer. Auf Stadler war auch in diesem Punkt Verlass. Mit seiner Amtsübernahme kehrte Ruhe ein.

Die früheren Weggefährten und Förderer sind längst Geschichte. VW-Übervater Piech starb im Sommer 2019. Und Winterkorn trat bereits im Jahr 2015 als VW-Chef ab. Ihm wird im Zusammenhang mit den Diesel-Betrügereien selbst der Prozess gemacht.

Für Stadler geht es um viel

In dem heute beginnenden Verfahren, für das mehr als 180 Verhandlungstage geplant sind, muss sich Stadler gemeinsam mit drei ranghohen Ex-Mitarbeitern von Audi erklären. Es gilt die Unschuldsvermutung. Stadler dient vielen trotzdem als Gesicht der folgenschweren Schummeleien. Es wird unter anderem zu klären sein, ob und was der frühere Audi-Chef wusste. Und wann. Und warum er nicht frühzeitiger eingriff.

Für den heute 57-jährigen Oberbayern, den Weggefährten auch heute noch als sehr sympathisch und fleißig beschreiben, geht es um viel: um seine berufliche Reputation und um sein Vermögen. In seiner Zeit bei Audi bekam er ein Millionengehalt. Im Falle einer Verurteilung würde seine Managerversicherung kaum zahlen.

Gut möglich, dass sich Stadler die Frage stellt, ob seine beruflichen Koalitionen nicht ein folgenschwerer Fehler waren. Frühere VW-Manager tuscheln: In Stadler habe man lange Zeit Piechs und Winterkorns Kofferträger gesehen. Zu klären sein wird, ob Stadler selbst wusste, was er für wen zu tragen hatte.

Quelle: ntv.de