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Taten statt Worte Tsipras muss liefern

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Alexis Tsipras.

(Foto: dpa)

Griechenlands Ministerpräsident Tsipras legt sich mit der Bundesregierung und der Troika an. Lösungsvorschläge? Fehlanzeige. Das ist zwar nachvollziehbar, aber wenig zielführend.

So richtig durchdacht ist die Verhandlungsstrategie der neuen griechischen Regierung nicht. Um einen Schuldenschnitt und Erleichterungen der Sparauflagen zu erreichen, legt sie sich mit Deutschland als wichtigstem Gläubiger an, wirft die Troika aus dem Land, kündigt Zusagen auf - und verlangt dennoch weitere Hilfe. Das Druckmittel: Lässt die Eurozone Griechenland pleitegehen, hätte der Zusammenbruch verheerende Folgen für die gesamte Währungsunion.

Langsam scheint es Ministerpräsident Alexis Tsipras und seinem Finanzminister Yanis Varoufakis aber zu dämmern, dass dieser Erpressungsversuch wohl nicht funktioniert. Sollte die Eurozone Griechenland den Geldhahn zudrehen, wäre das in allererster Linie für das Land eine Katastrophe - die Eurozone würde das überstehen. Oder wie es EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ausdrückte: "Griechenland darf nicht davon ausgehen, dass sich die Gesamtstimmung in Europa so verändert hat, dass die Eurozone ohne Abstriche das Regierungsprogramm von Tsipras übernehmen würde."

Das ist durchaus richtig. Was Tsipras und Varoufakis geflissentlich ignorieren: Nicht nur in Griechenland gibt es einen Wählerwillen, den gibt es auch anderswo - beispielsweise in Deutschland. Und der entspricht nicht dem in Griechenland.

Das mag in Athen zwar auf wenig Verständnis stoßen, ändert aber nichts an der Tatsache. Es war wirklich nicht sonderlich klug von der griechischen Regierung, direkt nach dem Wahlsieg auf Konfrontationskurs zu gehen. Und was reitet die griechische Regierung eigentlich, von Deutschland Reparationen zu fordern? Tsipras verhält sich exakt so, wie er die Bundesregierung sieht: dogmatisch, rechthaberisch, auftrumpfend.

Dieses Auftreten ist ein großer Fehler. Denn es verdrängt, dass die griechische Regierung in zentralen Punkten durchaus Recht hat: Das bisherige Sparprogramm ist zu hart, es trifft vor allem die niedrigen und mittleren Einkommensschichten. Die heftigen Auswirkungen der jahrelangen Rezession sind im ganzen Land zu spüren. Das Krisenland braucht dringend nachhaltiges Wachstum.

Doch statt darüber zu reden und nach Lösungen zu suchen, präsentiert die griechische Regierung Maximalforderungen und verspricht, einen Reformplan auszuarbeiten. Es wäre hilfreich, wenn sie ihn schnell vorlegen würde.

Quelle: ntv.de

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