Marktberichte

Flucht in sichere Anlagen Boeing reißt Dow Jones vom Rekordthron

Die US-Börsen gingen erhobenen Hauptes in das lange Feiertags-Wochenende - und kehren nun auf Hiobsbotschaften-geplagtes Parkett zurück. Längere Flugverbote für Boeing und die Angst vor ökonomischen Konsequenzen des eingeschleppten Coronavirus drücken auf die Stimmung.

Die Furcht vor einer gefährlichen Coronavirus-Pandemie hat auch die US-Börsen erfasst, wobei sich die Kursverluste aber meist in Grenzen hielten. Die Boeing-Aktie geriet derweil mit neuen Hiobsbotschaften zum derzeit mit einem Flugverbot belegten Flugzeugtyp 737 Max heftig unter Druck.

Belastet von der schwergewichteten Boeing-Aktie gab der Dow-Jones-Index am ersten Handelstag nach dem langen Feiertagswochenende um 0,5 Prozent nach auf 29.196 Punkte. Der S&P-500 verlor 0,3 Prozent und der Nasdaq-Composite 0,2 Prozent. Allerdings hatten die drei Indizes am vergangenen Freitag Rekordstände erreicht.

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Boeing 168,69

Boeing fielen um 3,3 Prozent. Der Flugzeughersteller bestätigte, dass die Maschinen vom Typ 737 Max wohl noch bis zum Sommer am Boden bleiben müssen. Zuvor hatte CNBC unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, dass Boeing nicht vor Juni oder Juli mit einer Aufhebung des Flugverbotes für das Modell rechne. Transportwerte gehörten mit durchschnittlichen Abgaben von 1,9 Prozent zu den größten Verlierern. Gesucht waren dagegen defensive Aktien aus den Segmenten Immobilien und Versorger, die im Schnitt um 1,1 und 0,8 Prozent zulegten.

Angst vor chinesischem Virus geht um

Unterdessen breitet sich ausgerechnet während der Reisewelle anlässlich des chinesischen Neujahrsfests das neuartige Coronavirus in der Volksrepublik sprunghaft aus. Und auch in den USA gibt es einen ersten Fall. In Seattle sei das Virus bei einem Mann festgestellt worden, der aus China eingereist sei, teilten die zuständigen US-Gesundheitsbehörden mit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will sich am Mittwoch in einem Krisentreffen mit der neuartigen Krankheit befassen.

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"Die ökonomischen Konsequenzen könnten extrem besorgniserregend werden", warnte Rajiv Biswas, Chefvolkswirt für die Region Asien-Pazifik von IHS Markit. Der internationale China-Tourismus boome und die Risiken einer Epidemie, die an jene mit Sars erinnere, seien ungleich größer. Auch der internationale Warenverkehr sei unter Umständen gefährdet. Doch es gab auch beschwichtigende Töne: So erklärt ein Händler die moderaten Abgaben mit dem Umstand, dass die Ängste vor Sars und Ebola in der Vergangenheit übertrieben gewesen seien. Dies könnte nun auch der Fall sein.

Konjunkturhoffnung und -sorge

Händler erinnerten in diesem Zusammenhang an die am Vortag leicht gesenkte Wachstumsprognose des IWF für die Weltwirtschaft, aber auch für die Vereinigten Staaten. Das Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump dürfte hingegen wenig Einfluss auf die Finanzmärkte haben. Solange die Republikaner im Senat hinter Trump stünden, habe die Initiative keine Erfolgsaussichten, hieß es im Handel. In Davos auf dem Weltwirtschaftsforum lobte Trump indes die Fassung der US-Konjunktur, ließ sich darüber hinaus aber nichts Neues entlocken. Etwas Unterstützung für die Wall Street kam von Fondsverwaltern: Umfragen belegen, dass diese so optimistisch zum Wirtschaftswachstum gestimmt sind wie seit rund zwei Jahren nicht mehr.

Mit der Befürchtung einer Pandemie in Asien war der vermeintlich sichere Hafen des US-Rentenmarkts gesucht. Steigende Notierungen drückten die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um 5,6 Basispunkte auf 1,77 Prozent. Auch die Bonitätsabstufung der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong durch Moody's stützte US-Renten etwas.

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Neben US-Renten waren auch andere Fluchtanlagen gefragt, der japanische Yen zog zum Dollar an. Der Goldpreis profitiert indes nicht von den Sorgen. Da China einer der wichtigsten Absatzmärkte für das gelbe Edelmetall in physischer Form sei, müsse mit Nachfrageeinbußen gerechnet werden, sollte sich das Virus weiter ausbreiten, hieß es im Handel. Die Feinunze verbilligte sich um 0,2 Prozent auf 1.560 Dollar.

Konjunktursorgen im Zuge des China-Virus dämpften auch die Stimmung am Ölmarkt. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 0,3 Prozent auf 58,34 Dollar je Barrel, europäisches Referenzöl der Sorte Brent ermäßigte sich um 0,9 Prozent auf 64,59 Dollar. Selbst ein verringertes Angebot aus Libyen, wo fünf Verladeterminals wegen der Bürgerkriegswirren geschlossen wurden, stützte Erdöl nicht.

Am Aktienmarkt waren die Titel von Fluggesellschaften von den Virussorgen besonders betroffen: American Airlines und Delta Air Lines verloren 4,2 bzw. 2,7 Prozent. Halliburton gewannen 0,8 Prozent, nachdem der Ausrüster der Erdölindustrie Quartalszahlen vorgelegt hatte. Diese seien leicht positiv, urteilten die Analysten von Evercore ISI.

Stärkster Wert im Dow waren Intel mit plus 1,6 Prozent. Die Analysten von Jefferies hatten die Titel auf "Hold" von "Underperform" hochgestuft. Morgan Stanley büßten dagegen 2,8 Prozent ein, nachdem die Citigroup die Aktien der Bank auf Neutral zurückgestuft hatte.

Quelle: ntv.de, mra/DJ