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Markt ist "schwankungsanfällig" Börsianer lauern auf Konjunkturdaten

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In nur sechs Wochen stieg der deutsche Leitindex um 2750 Punkte.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ende Februar setzt der Dax zu einer rasanten Talfahrt an. Der deutsche Leitindex büßt bis Mitte März rund 40 Prozent ein. Seitdem erlebt er eine beeindruckende Erholung. Doch der Schein könnte trügen.

Angesichts der beeindruckenden Erholungsrally nach dem Corona-Crash dürften die Anleger zu Beginn des neuen Börsenmonats Mai wieder vorsichtiger werden. Zwar sollten die Lockerungen der Wirtschaftseinschränkungen mit sinkenden Infektionszahlen weiter voranschreiten, doch in der neuen Woche werden auch wieder frische Konjunkturdaten die Märkte erreichen.

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Am Donnerstag zogen die Anleger vor dem langen Wochenende die Reißleine. Nachdem der Dax im frühen Handel die Marke von 11.200 Punkten übersprungen hatte, bereiteten insbesondere warnende Aussagen der Europäischen Zentralbank der Kauflaune ein Ende. Der Dax beendete den letzten Tag der verkürzten Handelswoche mit minus 2,22 Prozent mit 10.861,64 Punkten. Das Wochenplus beläuft sich damit immer noch auf rund fünf Prozent. Im gesamten Monat April hat sich der deutsche Leitindex um etwas mehr als neun Prozent erholt, nachdem er während des Corona-Crashs um bis zu 40 Prozent eingebrochen war.

Insbesondere die US-Arbeitsmarktdaten für April dürften Beachtung finden und einen in der jüngeren Geschichte beispiellosen Einbruch widerspiegeln. In Deutschland wird vor allem die Industrieproduktion im März zeigen, wie stark dieser wichtige Wirtschaftszweig unter den virusbedingten Einschränkungen gelitten hat. Mit Spannung warten Anleger zudem auf die Exportzahlen - wegen der Pandemie ist der Welthandel in Teilen schwer beeinträchtigt. "Der Schrecken der Konjunkturdaten wird sich in der Berichtswoche fortsetzen", sagte Christian Apelt, Experte bei der Helaba. "Daher wächst der Druck auf die Finanzpolitik, neben den bisher dominierenden Krisenhilfen zusätzliche, konjunkturstimulierende Maßnahmen zu ergreifen."

Auch Unternehmen spüren die Krise. Wie schwer die Schäden ausfallen, dürfte aus den Quartalszahlen hervorgehen, die in der kommenden Woche vorgelegt werden. Unter anderem öffnen die Autobauer BMW und Fiat Chrysler, die Münchener Rück, Infineon und Siemens ihre Bücher.

"Der Markt wird weiterhin extrem schwankungsanfällig bleiben", erwartet nicht nur Ludwig Donnert, Portfoliomanager beim Investmenthaus Alpha Sherpa Capital. "Die meisten Unternehmen geben für 2020 keine Prognose mehr ab und sind extrem vorsichtig", kommentiert er die wegen der Covid-19-Krise zahlreich zurückgezogenen Ausblicke und Kürzungen oder sogar Streichungen von Dividenden und Aktienrückkäufen. Die Rally der vergangenen Tage sei zudem von "geringer Qualität" gewesen. Die Börsenumsätze seien nicht besonders hoch gewesen, und die Marktteilnehmer stünden eher nervös an der Seitenlinie und "warten auf die nächste Korrektur".

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"Schrecken verbreitenden Konjunkturdaten"

Nachdem der Dax in einer rasanten Talfahrt Ende Februar bis Mitte März rund 40 Prozent eingebüßt hatte, erlebt er seither eine ähnlich beeindruckende Erholung. Seit seinem Tief bei rund 8250 Punkten ist der deutsche Leitindex in nur sechs Wochen bereits wieder um ein Drittel oder 2750 Punkte gestiegen.

Eine der größten Gefahren in der Covid-19-Krise sind erneut steigende Zahlen von Infektionen oder gar eine zweite Infektionswelle. Dies könnte der vorsichtigen Wiederbelebung der Wirtschaft einen weiteren herben Stoß versetzen. Immerhin wird in Europa zunehmend darauf gehofft, dass die für Mai geplante vollständige Aufhebung der Abschottungsmaßnahmen in Österreich eine Blaupause für andere Euro-Staaten sein kann.

Sollte sich andererseits die akute Coronavirus-Krise weiter entschärfen, desto mehr dürften die Folgen in den Fokus rücken, wie Helaba-Analyst Christian Apelt schreibt. Die spiegeln sich zunehmend in "Schrecken verbreitenden Konjunkturdaten" sowie den Unternehmensberichten wider. "Die Stimmungsindikatoren sind im freien Fall, nun folgen die harten Daten", so Apelt.

Quelle: ntv.de, Claudia Müller, dpa-AFX