Marktberichte

Wall Street im Abwärtstaumel Dax bricht um fast drei Prozent ein

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein miserabler Handelstag beendet eine unterirdische Handelswoche an der Frankfurter Börse: Arg gebeutelt schleicht sich der Dax mit einem dicken Minus vom Parkett. An den Sorgen um China können auch gute heimische Konjunkturdaten nichts ändern.

Nicht nur steckte der deutsche Leitindex den ganzen Handelstag in der Verlustzone fest - am Ende ging es auch nochmal kräftig runter mit dem Dax, der um fast drei Prozent einbrach. Auslöser für den Ausrutscher zum Handelsende war der Bruch der wichtigen Unterstützungsmarke - der 2000-Punkte-Linie - beim US-Hauptindex S&P-500, nach dem neuer Verkaufsdruck auf deutsche Aktien einsetzte. Kurz darauf konnte sich der S&P-500 jedoch wieder über die 2.000er Marke retten. Der US-Markt spiegelte damit ebenfalls die Sorgen um Chinas Wirtschaftswachstum und setzte damit Europa unter Druck.

DAX
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Zwischenzeitlich hatten in der ersten Hälfte des Handelstages Konjunkturdaten aus Deutschland für eine Erholung gesorgt: Der deutsche Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe war im August auf 53,2 von 51,8 gestiegen. Erwartet wurde ein Rückgang auf 51,5.

Doch zu stark belasteten schwache Wirtschaftsdaten aus China. Der von Caixin veröffentlichte Einkaufsmanager-Index für das verarbeitende Gewerbe war im August auf 47,1 gefallen. Damit notierte er auf dem niedrigsten Stand seit 77 Monaten. Seit Monaten enttäuschen die Wirtschaftsdaten aus China. Die Anleger treibt zunehmend die Frage um, wie viel Chinas Wirtschaft an Schwung verliert. Zudem waren am Morgen bereits die asiatischen Börsen unter Druck geraten - der Leitindex in Shanghai hatten seine Talfahrt fortgesetzt und mehr als vier Prozent an Wert verloren.

Die Deutsche Bank hatte auf die jüngsten Entwicklungen in China reagiert und das Kursziel für den Dax im laufenden Jahr auf 11.300 von 12.000 gesenkt. Das neue Ziel liegt aber noch immer rund zehn Prozent über den aktuellen Niveaus. Der am Markt eingepreiste negative Einfluss der chinesischen Konjunkturabkühlung auf die Unternehmensgewinne der deutschen Konzerne erscheint den Analysten mittlerweile übertrieben.

Griechenland war nur noch Randnotiz. Erwartungsgemäß hat der griechische Regierungschef Alexis Tsipras am Donnerstagabend mit seinem Rücktritt den Weg für Neuwahlen bereitet, um seine Macht zu festigen. Er hat den 20. September als Termin für den neuen Urnengang vorgeschlagen, nachdem ihn eine Parteirebellion seine Mehrheit gekostet hatte. Die EU-Kommission sah in dem Schritt die Chance auf breitere Unterstützung für das neue Rettungsprogramm und seine Auflagen.

Die Athener Börse schien die bevorstehende Phase der Ungewissheit aber zu belasten: Nach dem Kurseinbruch vom Donnerstag ging es mit dem Leitindex zum Wochenausklang abermals nach unten. Der FTSE/ATHEX-Large-Cap-Index verlor 3,0 Prozent auf 187 Punkte. Damit tendiert der Index merklich schwächer als die übrigen europäischen Märkte.

Deutschland: Lufthansa sinken ans Dax-Ende

Lufthansa
Lufthansa 5,62

Der Dax schloss am Ende 2,9 Prozent schwächer und fiel auf 10.125 Punkte. Nach unten ging es auch für den MDax, der 2,7 Prozent auf 19.342 Zähler einbüßte. Beim TecDax zeigte sich ein Minus von 3,6 Prozent auf 1625 Punkte. Verluste auch beim Euro-Stoxx-50, der 2,9 Prozent auf 3255 Punkte fiel.

Im Dax gibt es am Ende keine Gewinner mehr. Ganz oben mit den geringsten Verlusten standen Henkel mit einem Minus von 0,4 Prozent, gefolgt von Continental mit bereits 1,2 Prozent weniger.

Die guten Geschäftszahlen und der angehobene Ausblick des US-Wettbewerbers Salesforce stützten SAP nicht. Die SAP-Aktie verlor 2,9 Prozent. Die Lufthansa gab mit einem dicken Minus von 5,7 Prozent am deutlichsten nach. Laut Händlern hat Goldman Sachs die Aktie auf Sell von zuvor Neutral gesenkt.

Im SDax geriet die Aktie von Adler Real Estate mit einem Verlust von 6,2 Prozent heftig unter Druck. "Adler bringt die Quartalszahlen erst am 31. August und damit sehr spät", sagte ein Analyst. Dabei werde das erste Mal Westgrund konsolidiert, dies verunsichere die Anleger. Zudem ging der Analyst davon aus, dass Adler über kurz oder lang mit dem Wunsch einer Kapitalerhöhung an seine Aktionäre herantrete.

USA: Wall Street rutscht ab

Dow Jones
Dow Jones 34.639,79

Die voraussichtlich schlimmste Woche des Jahres für Aktien verschont auch die Wall Street nicht. Nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus China liegen die wichtigsten Indizes in New York deutlich im Minus.

Der Dow-Jones-Index verlor 3,1 Prozent auf 16.460 Punkte. Seit dem Jahreshoch im Mai hat er über 10 Prozent verloren, was der Definition einer sogenannten Korrektur entspricht. Zudem war es beim Dow der höchste Zweitages-Verlust seit der Finanzkrise. Der S&P-500 gab 3,2 Prozent auf 1.971 Punkte nach, der Nasdaq-Composite sogar 3,5 Prozent auf 4.706 Punkte.

Wie zuvor in Asien und Europa ist das bestimmende Thema in den USA die Sorge um die Entwicklung der chinesischen Konjunktur. In dieser Woche fiel die Börse in Shanghai um elf Prozent und der Hang Seng in Hongkong um 7,4 Prozent.

Einige Experten warnen vor einer Überreaktion am Markt. Zwar werde der Handel bis zum Ende des Jahres wohl volatil bleiben, sagt der Chef der Beratungsgesellschaft deVere, Nigel Green. "Aber für die meisten langfristig orientierten Anleger dürfte die Angst vor einer kurz bevorstehenden finanziellen Apokalypse übertrieben sein."

Bei den Einzelwerten stiegen die Aktien von Hewlett-Packard nach Vorlage der Geschäftszahlen um 0,4 Prozent. Der Traditionskonzern will sich in den kommenden Monaten aufspalten.

Der SAP-Konkurrent Salesforce erfreute die Händler mit starken Zahlen und einer höheren Prognose. Der Softwarekonzern liegt nun auf der Weltrangliste der größten IT-Unternehmen auf dem vierten Platz. Die Salesforce-Aktien stiegen um 2 Prozent.

Deere enttäuschte dagegen mit einem Gewinneinbruch von 40 Prozent und einem Absatzrückgang von 20 Prozent. Der Landmaschinenbauer machte eine Schwäche des US-Agrarmarkts für seine Lage verantwortlich. Die Anleger straften die Titel des Unternehmens mit einem Minus von rund acht Prozent ab.

Devisen: Euro knackt die 1,13-Dollar-Marke

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,13

Der Kurs des Euro stieg erstmals seit Mitte Juni über die Marke von 1,13 US-Dollar und notierte bei 1,1363.

Besser als erwartet ausgefallene Daten aus der Eurozone gaben dem Euro laut Händlern Auftrieb. Die Unternehmensstimmung im Euroraum hatte sich im August dank eines starken Dienstleistungssektors überraschend aufgehellt. In Deutschland hatte sich vor allem die Lage im Industriesektor verbessert. Die schwierige Entwicklung in China belastete die Industrie offenbar nicht. Getrübt wurde das Bild nur durch die schwache Entwicklung in Frankreich.

Wachsende Sorgen um China belasteten zudem den US-Dollar. In der Nacht zum Freitag war bekannt geworden, dass chinesische Unternehmer ihre Lage so schlecht bewerten wie seit März 2009 nicht mehr. Die Krise in China könnte die US-Notenbank nach Einschätzung von Analysten dazu verleiten, die bisher für September erwartete Leitzinsanhebung zu verschieben. Eine Fortsetzung der Nullzinspolitik würde den Dollar für Anleger weniger attraktiv machen. Bereits in den vergangenen Tagen hatten Turbulenzen an den chinesischen Märkten die US-Währung unter Druck gebracht.

Rohstoffe: Ölpreise gehen weiter runter

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 70,43

Getrieben von Sorgen um die wirtschaftliche Lage Chinas sanken die Ölpreise weiter. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Oktober fiel zwischenzeitlich unter 40 Dollar je Barrel, ein Niveau, das zuletzt im Februar 2009 gesehen wurde.

Es war die achte Woche in Folge mit Verlust - zuletzt gab es eine derart lange Serie 1986, als es zehn Wochen lang abwärts gegangen war. Neben den Sorgen um China drückten auch neue Daten zu den aktiven Ölförderanlagen in den USA, die die fünfte Woche hintereinander gestiegen sind. Zum Settlement verlor das Barrel WTI 2,1 Prozent auf 40,45 Dollar.

Die Ölpreise befinden sich bereits seit Anfang Juli mehr oder weniger stark auf Talfahrt. Ursache ist ein zu hohes Angebot auf dem Weltmarkt. Vor allem die hohen Fördermengen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und die Schieferölproduktion in den USA sorgen für die Ölschwemme.

Die Feinunze Gold kostete 1.159 Dollar, ging im Tageshoch aber auch schon mit gut 1.165 um, verglichen mit einem Wochentief von 1.110. Gold verzeichnete den größten Wochengewinn seit Januar.

Asien: Shanghai Composite tiefrot, Nikkei mit dickem Minus

Der wirtschaftliche Abschwung in China schickte die Börsen in der Region Ostasien auf Talfahrt. Parallel war die vermeintliche Sicherheit von Gold, Yen und Staatsanleihen gesucht. Ein äußerst schwacher Einkaufsmanagerindex untermauerte die ohnehin weit verbreiteten Wachstumssorgen um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Das Epizentrum der Baisse lag in Shanghai, wo der chinesische Leitindex auf den tiefsten Stand der jüngsten Marktkapriolen seit den Junihochs abstürzte. Der Shanghai-Composite schloss mit einem Abschlag von 4,3 Prozent bei 3.508 Punkten nur einen Wimpernschlag über dem Tief von Anfang Juli.

Hongkong meldete Verluste des HSI von 1,5 Prozent. Taipeh auf Taiwan fiel um 3 Prozent auf ein Zweijahrestief, in Tokio sank der Nikkei-225 auf den niedrigsten Stand seit sechs Wochen und markierte zugleich den höchsten Wochenverlust des Jahres. Der japanische Leitindex büßte auch belastet von der Yen-Stärke 3,0 Prozent auf 19.436 Zähler ein. In Sydney ging es auf ein Achtmonatstief nach unten.

Unter den Einzelwerten standen Exportwerte unter Druck - vor allem in Tokio. Titel des Reifenherstellers Bridgestone und des Elektronikanbieters Alps Electric fielen um 3,2 bzw. 7,0 Prozent.

Nippon Kayaku drehten mit der Schwäche des Gesamtmarktes um 1,2 Prozent ins Minus. Gestützt wurde der Wert von Berichten, wonach Toyota den Automobilzulieferer um ein Hochfahren der Produktion gebeten haben soll.

Quelle: ntv.de, rpe/wne/DJ/rts/dpa

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