Marktberichte

Wall Street unentschlossen Dax landet im roten Bereich

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Im Landeanflug: Das Handelsvolumen ist dünn. In den ersten deutschen Bundesländern beginnen die Sommerferien.

(Foto: picture alliance / Fred Thornhil)

Der Dax hat sich von seinem Rekordhoch wieder entfernt. Anleger befürchten ein weiteres Abstürzen der Ölpreise. Außerdem sind die Daten aus der Eurozone kein gutes Omen für den Ifo-Index.

Die europäischen Börsen haben ihre Verluste Freitagnachmittag weiter ausgebaut. Für Ernüchterung am Aktienmarkt sorgten die Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone. Zwar ist der Index für das verarbeitende Gewerbe etwas besser als erwartet ausgefallen, dafür präsentierte sich der Service-Index aber überraschend schwach. Die Commerzbank fragt sich bereits, ob die Konjunktur in der Eurozone ihren Hochpunkt überschritten habe.

Der Dax schloss 0,4 Prozent leichter auf 12.733 Punkte. Damit hat er sich wieder weiter von seinem am Dienstag erreichten Rekordhoch von 12.951 Punkten entfernt.

Bezüglich des Ifo-Geschäftsklimaindexes am Montag sollten die Erwartungen nun nicht zu hoch gesteckt werden, warnten Marktteilnehmer. Es gelte zu berücksichtigen, dass der Ifo-Index im Vormonat bereits den höchsten Stand seit Januar 1991 erreicht habe.

Ein weiterer Grund für die Gewinnmitnahmen bei insgesamt dünnem Handelsvolumen dürfte auch die Tatsache sein, die in den ersten deutschen Bundesländern die Sommerferien begonnen haben. In einem solchen Umfeld kann das Handeln einzelner Akteure zu deutlicheren Kursausschlägen führen als sonst.

Der MDax der mittelgroßen Unternehmen gab 0,2 Prozent auf 25.211 Punkte ab. Der Technologiewerte-Index TecDax zeigte sich 0,7 Prozent leichter bei 2268 Zählern.

Für den Euro-Stoxx-50 ging es 0,6 Prozent abwärts auf 3531.

Auch in den USA verliert die Wirtschaft an Schwung. Der Service-Markit-PMI ist im Juni auf 53 von 53,6 gefallen - erwartet wurde ein Rückgang auf 53,5. Der Index für das verarbeitende Gewerbe gab auf 52,1 von 52,7 nach. Hier lag die Prognose bei 53. "Die Wirtschaft hat das zweite Quartal mit einer etwas schwächeren Note beendet", sagte IHS-Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Die Ölpreise, die den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen die Richtung vorgegeben hatten, stabilisierten sich zwar auf niedrigem Niveau. Laut Händlern herrscht am Markt aber trotzdem Unsicherheit über den starken Rückgang der Preise in dieser Handelswoche.

Im Fokus standen weiter Stada-Aktien. Hier ist die Annahmefrist des Übernahmeangebots in der Nacht ausgelaufen. Völlig offen ist derzeit noch, ob die Mehrheit der Anleger das Angebot angenommen hat. Die Aktien notierten zuletzt 0,7 Prozent höher. Erst ab dem Wochenende ist mit einer Klärung zu rechnen.

Gegen den Trend stemmten sich deutsche Immobilienwerte. Die Titel sind gefragt angesichts weiter nachgebender Zinsen an den Anleihemärkten. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fällt 2 Basispunkte auf 0,25 Prozent. Im März stand die Rendite noch bei fast 50 Basispunkten. Seitdem hat sich die Hoffnung auf eine erfolgreiche Reflationierung an den Finanzmärkten verflüchtigt. Einbrechende Ölpreise und Konjunkturdaten, die den Zenit überschritten haben, sprechen für tendenziell nachgebende Inflationserwartungen. Das sind gute Nachrichten für Immowerte: Vonovia gewannen 0,5 Prozent, LEG gaben ihre Gewinne wieder ab und schlossen unverändert, Adler kletterten 0,6 Prozent und Ado 0,4 Prozent.

Commerzbank drehten 0,2 Prozent ins Minus nach der Ankündigung, im zweiten Quartal wegen der Kosten für den Konzernumbau einen Verlust auszuweisen. Die Bank erwartet, noch im zweiten Quartal 2017 Restrukturierungsrückstellungen in Höhe von voraussichtlich rund 810 Millionen Euro zu bilden gegenüber ursprünglich erwarteten jeweils 550 Millionen Euro für die Jahre 2017 und 2018. Allerdings sollen diesen Rückstellungen keine weiteren mehr folgen.

Nach einer Abstufung durch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) büßten die Papiere des Konsumgüterherstellers Henkel 1,0 Prozent ein.

Die Titel des Chemiekonzerns BASF litten mit minus 0,6 Prozent unter einer Verkaufsempfehlung der Privatbank Berenberg. 

Wall Street uneinheitlich

Die Anleger haben sich an der Wall Street weiter zurückgehalten. Letztlich büßte der Dow Jones minimale 0,01 Prozent ein auf 21.394,76 Punkte. Seine Bestmarke hatte er am Dienstag bei 21.535 Punkten erreicht, bevor leichte Gewinnmitnahmen einsetzten. Auf Wochensicht trat er damit praktisch auf der Stelle.

Der S&P-500 stieg vor dem Wochenende um 0,16 Prozent auf 2438,30 Punkte. Er hatte seine jüngste Rekordrally bereits am Montag mit einem neuen Höchststand von 2453 Punkten gekrönt. Der jüngst schwächelnde Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 lief am Freitag vorweg: Er gewann 0,40 Prozent auf 5803,11 Punkte. Die Anleger hatten sich zuletzt Gedanken über zu hohe Bewertungen gemacht. In der abgelaufenen Woche erholten sich die Tech-Titel allerdings um über 2 Prozent.

Die von Blackberry veröffentlichten Geschäftszahlen wurden mit Enttäuschung aufgenommen. Die Aktie brach um 12,2 Prozent ein. Das Unternehmen hatte zwar im ersten Geschäftsquartal überraschend einen Gewinn erzielt, dieser war aber der Rückzahlung von fast 940 Millionen Dollar an Lizenzgebühren durch Qualcomm geschuldet, die ein Gericht im Frühjahr angeordnet hatte. Der Umsatz lag unter den Erwartungen des Marktes.

Auch Finish Line hatte mit Umsatz und Gewinn im ersten Quartal die Erwartungen verfehlt. Allerdings bestätigte der Sportschuhanbieter die eigene Prognose und sorgte so für Erleichterung. Die Aktie legte um 7,4 Prozent zu. Die Quartalszahlen von Bed Bath & Beyond verfehlten ebenfalls die Markterwartungen, die Titel stürzten um 12,1 Prozent ab und erlebten den schwärzesten Tag seit Januar 2014.

Der Motorradbauer Harley Davidson spricht mit der Volkswagen AG über den Erwerb der Audi-Tochter Ducati. Die Gespräche befänden sich aber noch in einem frühen Stadium und würden auch nicht exklusiv geführt, berichten drei Informanten. Die Titel sanken um 1,2 Prozent. Synchronoss Technologies schossen dagegen um 33,3 Prozent empor. Die Beteiligungsgesellschaft Siris Capital hatte ein Übernahmegebot für den Cloud-Dienstleister abgegeben. Portola schnellten gar um 46,7 Prozent in die Höhe. Das Pharmaunternehmen hatte eine wichtige Medikamentenzulassung erhalten.

Asien: Schlussrally in Schanghai

Die ostasiatischen Aktienmärkte schlossen überwiegend wenig verändert. Eine Ausnahme machte Schanghai. Dort führte - quasi spiegelbildlich zum Vortag - eine Schlussrally das Börsenbarometer noch in positives Terrain. Der Schanghai-Composite gewann 0,3 Prozent auf 3158 Punkte.

Die längste Zeit des Handels hatte er deutlicher im Minus gelegen - laut Händlern belastet von Verunsicherung, weil die Bankenaufsicht Untersuchungen über das Kreditgebahren im Ausland aggressiv agierender chinesischer Unternehmen begonnen hat. Sie betreffen Unternehmen wie HNA, Fuson, Anbang Securities und Dalian Wanda Group. Die Ermittlungen hatten bereits im Späthandel am Donnerstag die Kurse von Wanda Film und Fosun unter Druck gebracht und auch den breiten Markt noch ins Minus gezogen.

Am Markt hätten darauf Sorgen vor strengeren Regulierungen im gesamten Finanzsektor die Runde gemacht, hieß es. Die Entwicklung erinnere die Markteilnehmer zudem daran, wie groß der Einfluss immer noch sei, den Peking auf den Aktienmarkt ausübe, sagte Handelsexperte Dong Yul Lim von CMC Markets. Die Aufnahme von chinesischen A-Aktien in die Schwellenlandindizes von MSCI am Mittwoch habe derlei Befürchtungen nur kurz in den Hintergrund gedrängt.

Als sich Wanda Film und Shanghai Fosun Pharmaceutical im Spätgeschäft dann deutlicher zu erholen begannen, legten auch die Kurse in der Breite wieder zu. Wanda Film schlossen 3,6 Prozent fester, Shanghai Fosun gewannen 3,3 Prozent und bei HNA Investment reduzierte sich das Tagesminus auf 0,9 Prozent. Wanda und Fosun hatten auf die neusten Vorwürfe mit der Aussage reagiert, die Geschäfte liefen normal. 

In Tokio zeigte sich der Nikkei-Index mit 20.133 Punkten gut behauptet, auch in Sydney behaupteten sich die Kurse. Der Kospi in Seoul profitierte etwas davon, dass der neue Staatspräsident Moon Jae-in auf China zugehen will, damit Peking die gegen sein Land verhängten Wirtschaftssanktionen aufhebt. China hatte sie aus Verärgerung über die Installation eines US-Raketenabwehrsystems in Südkorea vor einigen Wochen erlassen. Einzelwerte wie Hyundai Motor profitierten etwas stärker von der Entwicklung und legten um 1,2 Prozent zu.

Unter den Einzelwerten zeigten sich Takata nach ihrem über 50-prozentigen Absturz am Donnerstag um 45 Prozent erholt. Große Autobauer wie Honda, Toyota und Nissan hatten dem offenbar unmittelbar vor einem Insolvenzantrag stehenden Airbag-Hersteller mitgeteilt, basierend auf den abgeschlossen Verträgen die Geschäftsbeziehungen aufrechterhalten zu wollen und ihn finanziell zu unterstützen. Honda hatte am stärksten unter fehlerhaften Airbags von Takata gelitten und deswegen die meisten Fahrzeuge zurückrufen müssen. Die Wochenbilanz für die Takata-Aktie ist trotz der Erholung verheerend: Gegenüber Freitag der Vorwoche hat die Aktien zwei Drittel an Wert verloren.

Toshiba rutschten um 4,4 Prozent ab, nachdem das wegen Problemen bei der US-Kraftwerkstochter in eine Krise geratene Unternehmen mitgeteilt hatte, dass seine Aktien ab dem 1. August nur noch in der zweiten Sektion der Tokioter Börse gehandelt werden. Das könnte zur Folge haben, dass einige Investoren der Aktie den Rücken kehren, wegen der dort von der Hauptsektion abweichenden Selbstverpflichtungsregeln.  Australische Bankenaktien weiter im Steuerstrudel

Für China Unicom ging es in Hongkong um 1,9 Prozent nach oben. Hier stützten Nachrichten, wonach die beiden Technologieriesen Alibaba und Tencent Beteiligungen an dem staatlich kontrollierten Mobilfunkunternehmen eingehen könnten. Hintergrund sind Bestrebungen Pekings, bislang staatlich dominierte Unternehmen mit mehr privatem Kapital auszustatten. Im konkreten Fall sei von rund 10 Milliarden Dollar die Rede, hieß es.

Devisen: Pfund legt zu

Das Pfund wertete von 1,2680 Dollar am Morgen auf in der Spitze 1,2738 auf, nachdem Kristin Forbes, die noch bis kommende Woche dem geldpolitischen Rat der britischen Notenbank angehört, gegen das Aufschieben einer Zinserhöhung Position bezogen hat. Dafür sprächen "zwingende" Gründe. Forbes hatte zuletzt in dem Gremium noch zwei Kollegen auf ihrer Seite, so dass sich drei von acht Mitgliedern dafür aussprachen, auf der Juni-Sitzung der britischen Notenbank eine Zinserhöhung zu beschließen.

Analyst Jeremy Cook von World First hält aufgrund der Forbes-Aussagen die Chancen für gestiegen, dass es kurzfristig zu einer Zinserhöhung kommen wird. Diese dürfte dem Pfund einen leichten Impuls geben. Grundsätzlich sei der Spielraum für eine Aufwertung aber begrenzt angesichts der Ungewissheit rund um den Brexit.

Der Dollar gab auf breiter Front nach, vor allem aber zum Euro. Die Gemeinschaftswährung werde von den insgesamt soliden Konjunkturdaten aus der Eurozone gestützt, hieß es. Die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone lagen zwar leicht unter den Erwartungen, verharrten aber auf hohem Niveau. Das produzierende Gewerbe der Eurozone verbuchte die beste Entwicklung seit sechs Jahren. Für einen Euro wurden zuletzt 1,1197 Dollar gezahlt - im Tagestief waren es 1,1145 Dollar gewesen.

Rohstoffe: Spannung vor COT-Report

Die Ölpreise zeigten sich hoch volatil und erholten sich letztlich erneut ganz leicht. Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte WTI stieg um 0,6 Prozent auf 43,01 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent um 0,7 Prozent auf 45,54 Dollar. Damit endete die die fünfte Woche in Folge mit Abschlägen. Es gab Hinweise darauf, dass sich die großen Ölproduzenten an die vereinbarten Förderkürzungen halten, doch befand sich der Ölpreis nach wie vor in einem Bärenmarkt. Allerdings stieg in den USA die Anzahl der aktiven Erdölförderanlagen trotz des jüngsten Preisverfalls erneut, was die Bemühungen um Förderkürzungen konterkarierte.

Der Goldpreis erholte sich weiter, was Beobachter auf den etwas schwächeren Dollar zurückführten. Die Feinunze stieg im späten US-Geschäft um 0,5 Prozent auf 1.256 Dollar. Auch die schwachen US-Daten und die Unsicherheit über die nächste Zinserhöhung stützten.

Quelle: ntv.de, ddi/mbo/dpa/DJ/rts

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