Marktberichte

Dow verliert 20.000 aus dem Auge Dax sinkt in den Vorweihnachts-Schlaf

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Kurz vor den Feiertagen gehen Anleger keine Wagnisse mehr ein.

(Foto: dpa)

Nahe am Jahreshoch, aber dennoch mit einem kleinen Minus geht der Dax aus dem Handel. An positiven Impulsen für den Aktienmarkt fehlt es derzeit. Anleger wollen vor den Feiertagen keine Käufe mehr wagen. Der Euro hingegen macht Boden gut.

Die Stimmung an der deutschen Börse war gut, die Umsätze trotz allem dünn. Für die gute Laune unter Fondsmanagern war die Jahresendrally der vergangenen Wochen verantwortlich. Nach einem ersten Schock über die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten war es dessen angekündigte Investitionspolitik, die die Aktienmärkte befeuerte. Händler rechnen nun aber nicht mehr mit größeren Kursbewegungen vor dem Weihnachtsfest.

Der Dax verlor am Ende 0,1 Prozent auf 11.456 Punkte, schloss damit aber in der Nähe seines Jahreshochs. Beim MDax zeigte sich ein Minus von 0,1 Prozent, er gab auf 22.049 Zähler nach, konnte die gestern erstmals überwundene 22.000er-Marke aber halten. Rund 0,4 Prozent im Minus schloss der TecDax, der bei 1779 Punkten stand. Für den Euro-Stoxx-50 ging es 0,2 Prozent nach unten auf 3265 Zähler.

Schwächste Börse in Europa war Athen mit einem Abschlag von zwischenzeitlich über 1,0 Prozent. Hier belastete, dass das griechische Parlament die von den Gläubigern verlangte Mehrwertsteuererhöhung für die griechischen Inseln verschoben hat. Dazu kommen die bereits beschlossenen Rentenerhöhungen. Damit dürften die Griechenland zugesagten Erleichterungen durch ein besseres Schuldenmanagement nun ebenfalls verschoben werden, was die Stimmung an der Börse belastet.

Im Blick stand zudem weiter der italienische Bankensektor: Der Ausverkauf bei den Aktien der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi setzte sich fort. Die Papiere stürzten zu Handelsbeginn um 6,8 Prozent auf ein neues Rekordtief von 14,71 Euro ab, erholten sich danach aber wieder, schlossen am Ende aber 7,8 Prozent im Minus. Medienberichten zufolge wird sich die Rettung des Geldhauses aus Siena durch den Staat über mehrere Monate hinziehen. Hoffnungen, dass der Staatsfonds von Katar bei einer Kapitalerhöhung neue Aktien zeichnet, zerschlugen sich am Mittwochabend.

Dax: Warten auf die Deutsche Bank

Wenig Spektakuläres hatte der Dax zu bieten. Fresenius standen mit einem Plus von 0,7 Prozent vor Deutsche Post (0,5 Prozent) an der Spitze. Weit hinten im Dax landeten Eon und Linde mit einem Minus von jeweils 1,0 Prozent, schwächer schnitt die Deutsche Börse ab mit minus 1,1 Prozent - nicht unüblich an handelsschwachen Tagen.

Auf der Unternehmensseite warteten die Anleger weiter auf Neuigkeiten der Deutschen Bank zur Beilegung des Streits um Tricksereien mit US-Hypothekenkrediten. Die Aktien des größten deutschen Geldhauses schlossen 1,4 Prozent im Minus und waren damit das Schlusslicht im Dax.

SDax: Hornbach überzeugt mit Zahlen

Die Aktien von Hornbach Holding legten 0,2 Prozent zu. Als "ganz ordentlich" wurden die Neunmonatszahlen im Handel bezeichnet. Während die Umsatzerwartungen leicht übertroffen worden seien, habe der operative Gewinnanstieg etwas überrascht. "Die Kostendisziplin scheint besser gewesen zu sein als erwartet", sagte ein Händler. Die Gewinn- und Umsatzprognosen für das Gesamtjahr wurden bestätigt.

Europa: Nokia-Aktie leidet unter Klage

Die Aktie des französischen Pharmakonzerns Sanofi stieg um 1,2 Prozent. Sie profitierte von der Erleichterung, dass das Unternehmen wohl nicht mehr als Bieter für Actelion infrage kommt. Am Vorabend wurde bekannt, dass sich überraschenderweise doch Johnson & Johnson in exklusiven Gesprächen mit dem schweizerischen Pharmahersteller befinde. Actelion stiegen 3,6 Prozent.

Nokia
Nokia 3,59

Mit Abschlägen von 4,9 Prozent reagierte an der Börse in Helsinki die Nokia-Aktie auf die Nachricht, dass der finnische Mobilfunkausrüster Apple in Deutschland und den USA verklagt hat. Apple habe mit seinen Produkten eine ganze Reihe von Nokia-Patenten verletzt, so der Vorwurf. "Fünf Jahre lang herrschte Ruhe zwischen Nokia und Apple. Nun könnte es wieder zu jahrelangen Auseinandersetzungen kommen", sagte ein Händler.

USA: Wall Street schließt leicht im Minus

Die Wall Street hat am Donnerstag eine Verschnaufpause eingelegt. Die Umsätze blieben kurz vor den Feiertagen dünn, Anleger hielten sich mit ihren Engagements zurück. "Die Märkte sind in Urlaubsstimmung, da immer weniger Händler an ihren Arbeitsplätzen sitzen und Investoren Pläne für Silvester machen", sagte Hussein Sayed, Chef-Anlagestratege vom Online-Broker FXTM. Zudem trübten US-Konjunkturdaten die Stimmung etwas. So stiegen die Konsumausgaben - Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft - mit 0,2 Prozent nur halb so stark wie erhofft. Die Frühindikatoren blieben unverändert.

Der Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,1 Prozent tiefer auf 19.918 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,2 Prozent auf 2260 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 0,4 Prozent auf 5447 Punkte. Bei den Einzelwerten sprangen Micron Technologies knapp 13 Prozent in die Höhe. Der Anbieter von Speicherchips für PC hatte zuvor einen Quartalsgewinn über Markterwartungen vorgelegt. Bed, Bath & Beyond brachen dagegen um mehr als neun Prozent ein. Der Quartalsumsatz des Händlers für Haushaltsartikel und Einrichtungsgegenstände ging überraschend zurück.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 720 Millionen Aktien den Besitzer. 1242 Werte legten zu, 1694 gaben nach und 161 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,56 Milliarden Aktien 998 im Plus, 1874 im Minus und 204 unverändert.

Die US-Kreditmärkte ließen kurz vor den Feiertagen leicht Federn. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 3/32 auf 95-6/32. Die Rendite stieg auf 2,553 Prozent. Der 30-jährige Bond sank 6/32 auf 95-1/32 und rentierte mit 3,133 Prozent.

Asien: Fehlende Impulse

Vor den Feiertagen haben Gewinnmitnahmen die Börsen in Asien belastet. "Es wurden keine bedeutenden börsenrelevanten Daten veröffentlicht", sagte Jennifer Vail, Analystin bei US Bank Wealth Management. "Deswegen nehmen die Märkte wohl eine Auszeit."

Der Handel war dünn, viele Investoren blieben dem Markt fern. In Japan bleiben die Börsen am Freitag wegen eines Feiertages geschlossen.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 0,1 Prozent tiefer bei 19.428 Punkten. Die Börse in Schanghai schloss 0,1 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Schanghai und Schenzen verlor 0,2 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel um 0,5 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreise schwanken

Die Ölpreise zeigten sich abermals volatil. Nach anfänglichen Verlusten ging es am späten Nachmittag leicht nach oben. Belastungsfaktor ist weiterhin der überraschende Anstieg der wöchentlichen US-Lagerdaten vom Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 61 Cent auf 53,10 Dollar. Für Brent ging es um 73 Cent auf 55,19 Dollar nach oben.

Devisen: US-Daten lassen Euro steigen

Schwache Konjunkturdaten aus den USA haben den Kurs des Euro beflügelt. Die europäische Gemeinschaftswährung stieg zwischenzeitlich bis auf fast 1,05 US-Dollar. Zuletzt wurde sie mit 1,0482 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0444 (Mittwoch: 1,0421) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9575 (0,9596) Euro.

Am Nachmittag profitierte der Eurokurs von enttäuschend ausgefallenen Konjunkturdaten aus den USA. So blieb die Entwicklung der Einkommen und der Ausgaben der privaten Haushalte hinter den Erwartungen zurück. Die Inflation hatte sich zudem schwächer entwickelt als erwartet. Dies könnte den Druck auf die US-Notenbank Fed mindern, die Zinsen weiter anzuheben.

In der Eurozone scheint der Inflationsdruck hingegen anzuziehen. So waren die Einfuhrpreise in Deutschland im November erstmals seit vier Jahren im Jahresvergleich wieder gestiegen. Sollten jetzt auch die Verbraucherpreise in der Eurozone stärker anziehen, dann könnte dies den Druck auf die EZB erhöhen, über einen Ausstieg aus ihrer sehr lockeren Geldpolitik nachzudenken. Entsprechende Spekulationen könnten den Eurokurs stützten. Bisher will die Notenbank ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm aber bis mindestens Ende 2017 fortführen.

Quelle: ntv.de, kst/chr/DJ/rts