Marktberichte

Wall Street leicht im Minus Dax verliert seit Montag fast 300 Punkte

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Fast 300 Punkte hat der Dax in den vergangenen beiden Handelstagen eingebüßt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der deutsche Leitindex setzt seine am Vortag begonnene Talfahrt fort. Zum Handelsschluss geht es rund ein Prozent nach unten. Sorgen um die Weltkonjunktur verursachen Unsicherheit bei den Anlegern. Die Berichtssaison bietet zugleich wenige Lichtblicke.

Im späten Handel startete der Dax einen Befreiungsversuch aus dem Tal der Tränen, doch dieser scheiterte: Überraschend positive US-Konjunkturdaten sorgten nur für vorübergehende Erholung. Am Ende fiel der Dax wieder zurück und schloss mit einem Minus von 1,0 Prozent auf 9828 Punkten. Die am Vortag unterschrittene Marke von 10.000 Punkten rückt damit immer weiter weg. Fast 300 Punkte hat der Dax in den vergangenen beiden Handelstagen eingebüßt. Zuletzt maue Konjunkturdaten aus den USA aber auch aus China haben neue Wachstumsängste geschürt, die weiter keine Kauflaune aufkommen ließen.

Dax
Dax 11.560,51

Ein Sprichwort an der Börse lautet, "Sell in May and go away". Dies bedeutet, dass die Investoren vor den eher ruhigen Sommermonaten erst einmal ihr Risiko reduzieren. Traditionell weist beispielsweise die Wall Street im Sommer eine schwächere Performance als in den Wintermonaten auf. Wer dieses Jahr diese Regel strikt befolgt hat, konnte den Dax noch oberhalb von 10.100 Punkten verkaufen. Damit würde er aktuell bereits einen Verlust von rund drei Prozent vermieden haben.

Bei den Einzelwerten sorgte die Berichtssaison für teils kräftige Kursbewegungen. Mit Siemens, Deutsche Telekom, Heidelbergcement und Beiersdorf legten vier Dax-Konzerne vorbörslich ihre Zahlen vor.

Der US-Auftragseingang war im März um 1,1 Prozent gestiegen, und damit deutlich stärker als mit 0,8 Prozent prognostiziert. Der ISM-Index für den Servicesektor fiel im April mit 55,7 ebenfalls über der Erwartung von 54,9 aus. Der unter den Erwartungen ausgefallene ADP-Arbeitsmarktbericht spielte bei der Kursfindung an den Börsen keine Rolle. "Die Arbeitsmarktdaten sind derzeit für die Anleger von untergeordneter Rolle", sagt ein Händler.

Bei der Entwicklung selbstfahrender Autos arbeitet der Google-Mutterkonzern Alphabet künftig mit Fiat Chrysler zusammen. Fiat Chrysler baut hundert Autos speziell für die Tests selbstfahrender Autos, wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilen. Dafür wird es eine spezielle Version des Minivans Chrysler Pacifica Hybrid geben, in den die Technologie des US-Internetgiganten - also vor allem Computer und Sensoren - eingebaut werden kann. Für Fiat Chrysler ging es nach anfänglichen Gewinnen um 0,7 Prozent nach unten.

Frankfurt: Fast-Übernahme lässt Deutsche-Börse-Aktie hoch fliegen

Der Dax schloss am Ende 1,0 Prozent leichter auf 9828 Punkten. Für den Nebenwerte-Index MDax ging es um 0,6 Prozent nach unten auf 19.921 Zähler. Der TecDax verlor ebenfalls 1,0 Prozent auf 1599 Punkte. Der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50, in dem auch zahlreiche Dax-Konzerne vertreten sind, verlor 1,2 Prozent auf 2940 Stellen.

Deutsche Börse
Deutsche Börse 129,90

Größter Gewinner im Dax waren die Aktien der Deutschen Börse, die 5,8 Prozent zulegten, nachdem die US-Börse ICE überraschend bekannt gegeben hat, kein Konkurrenzgebot für die London Stock Exchange (LSE) abgeben zu wollen. Die ICE begründete den Verzicht auf ein Gebot für die LSE damit, dass die Due-Diligence-Prüfung zu dem Schluss geführt habe, dass die Vorteile für die Aktionäre nicht ausreichten, um eine Übernahme zu rechtfertigen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Deutsche Börse wie geplant mit der LSE fusionieren kann.

Gut zulegen konnten auch die Aktien von Heidelbergcement. Sie schlossen mit einem Plus von 1,4 Prozent weit oben im Dax. Und warum? Der Bauindustrie-Zulieferer überraschte mit seiner Zwischenbilanz positiv und hob seine Gesamtjahresziele an, was die Anleger offenbar goutieren.

Auch eine andere Aktie legte nach frischen Geschäftszahlen etwas zu: Siemens. 1,4 Prozent nach oben ging es für das Papier. Der Technologiekonzern steigerte dank guter Geschäfte mit Windkraft sowie Einsparungen den Gewinn im abgelaufenen Quartal überraschend deutlich.

Deutsche Telekom
Deutsche Telekom 12,76

Die Aktie der Deutsche Telekom gab dagegen um 2,1 Prozent nach. Die DZ Bank sprach zwar von insgesamt soliden Quartalszahlen, erneut habe aber vor allem das US-Geschäft das Ergebnis angetrieben. In Deutschland seien die Mobilfunktrends aber schwächer ausgefallen als zuletzt.

Bei Beiersdorf sprachen Analysten von Bernstein Research von einem überraschend schwachen Abschneiden des Tesa-Geschäftes. Das Management habe dafür die schwächere Nachfrage aus der Elektronikindustrie in Asien verantwortlich gemacht. Beiersdorf verloren 1,7 Prozent.

Im TecDax hingegen brachen Dialog Semiconductor zeitweise um mehr 14 Prozent ein. Am Ende schloss die Aktie mit einem Minus von 8,6 Prozent. Der Chip-Designer steigerte den operativen Gewinn im abgelaufenen Quartal zwar kräftig, prognostizierte für das Gesamtjahr allerdings einen Umsatzrückgang. Die Fraport-Aktie fiel im MDax um 6,1 Prozent. Die Zahlen lagen laut DZ Bank unter den Erwartungen.

USA: Weitere Verluste an der Wall Street

Dow Jones
Dow Jones 26.519,95

Die US-Aktienmärkte weiteten zur Wochenmitte ihre Vortagesverluste aus. Anleger fürchteten, dass das globale Wirtschaftswachstum mau bleiben könnte, sagten Börsianer zur Begründung der Schwächephase. Zahlreiche neue US-Wirtschaftsdaten zeigten kein einheitliches Bild. Der Dow-Jones-Index schloss mit einem Minus von 0,6 Prozent bei 17 651 Punkten und damit auf den tiefsten Stand seit drei Wochen. Am Dienstag war der Leitindex bereits um 0,78 Prozent gefallen. Der marktbreitere S&P-500 verlor 0,6 Prozent auf 2051 Zähler. Der Nasdaq100 büßte 0,7 Prozent auf 4312  Stellen ein.

Aus den USA kamen durchwachsene Konjunkturdaten: So hatte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor im April überraschend deutlich aufgehellt und die US-Industrie hatte im März mehr Aufträge erhalten als erwartet. Der Arbeitsmarkt zeigte sich laut der Umfrage des privaten Instituts ADP im April aber überraschend schwach. Helaba-Volkswirt Ulrich Wortberg sieht den US-Arbeitsmarkt dennoch weiterhin in einer robusten Verfassung. "Die Indikation für den offiziellen Arbeitsmarktbericht ist per saldo positiv - insbesondere vonseiten der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe", kommentierte er.

Unter den Einzelwerten stiegen die Aktien von Time Warner 1,6 Prozent. Der Medienkonzern hatte dank Zuwächsen im Fernsehgeschäft einen starken Jahresstart hingelegt. Sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn hatte das Unternehmen besser als von Analysten erwartet abgeschnitten. Der Börsenbetreiber Intercontinental Exchange (ICE) gab derweil sein Interesse an der Londoner Börse auf. ICE sieht keinen ausreichenden Nutzen in einer Übernahme. Die Anleger zeigten sich erleichtert und die ICE-Anteilsscheine gewannen mehr als 7 Prozent. Die Aktien von Tesla Motors fielen im regulären Börsenhandel um 4,2 Prozent, nachdem sie bereits am Vortag um knapp 4 Prozent abgesackt waren. Händler werteten dies als Vorsicht vieler Anleger vor der Bekanntgabe der Quartalszahlen nach Börsenschluss.

Asien: Minus in China, kein Handel in Japan

Shanghai Composite
Shanghai Composite 3.269,24

In Asien entpuppt sich die überraschende Zinssenkung nicht als nachhaltige Stütze der regionalen Aktienmärkte. Vielmehr fordern Wachstumssorgen und der Ölpreisverfall ihren Tribut - es dominieren die negativen Vorzeichen. Händler rufen die schwachen China-Daten des Vortages in Erinnerung, die kaum geeignet seien, die Wachstumssorgen unter Anlegern zu zerstreuen, heißt es. "Der Markt konzentriert sich wieder auf das schwache globale Wachstum und sieht in den fallenden Ölpreisen einen Gradmesser dafür", sagt Gavin Parry, leitender Händler bei Parry International Trading.

Der Shanghai-Composite büßt im späten Geschäft 0,2 Prozent auf 2986 Punkte ein, die Börse in Hongkong baut ihre Vortagesverluste weiter aus, und in Japan ruht der Handel noch bis einschließlich Donnerstag. In Australien ist die Vortageseuphorie über die unerwartete Zinssenkung schon wieder weitgehend verpufft, denn mit 1,0 Prozent verliert der S&P/ASX-200 in Sydney besonders üppig.

Dort wie auch in Hongkong stehen wegen des Ölpreisverfalls besonders Energiewerte unter Abgabedruck. Allerdings wird der Gesamtmarkt auch von der Baisse bei BHP Billiton belastet. Nach der Giftschlammkatastrophe im November fordert Brasilien eine Entschädigung von 43,4 Milliarden US-Dollar von den Bergbaukonzernen Vale und BHP. Die Aktie von BHP bricht daraufhin um 8 Prozent ein.

Rohstoffe: Ölpreise legen wieder zu

Die Ölpreise zogen am späten Nachmittag wieder leicht. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli lag bei 45,11 Dollar. Das sind 14 Cent mehr als am Dienstag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni stieg um 9 Cent auf 43,74 Dollar.

Seit Freitag haben die Ölpreise wieder nachgegeben, nachdem sie sich seit Anfang April deutlich erholt hatten. Am Nachmittag könnten die mit Spannung erwarteten Zahlen zu den Rohöllagerbeständen in den USA für neue Impulse sorgen. Experten rechnen mit einem Anstieg auf ein neues Rekordniveau. Allerdings werden neben den Lagerbeständen derzeit vor allem auch die Zahlen zur US-Ölförderung beachtet, die zeitgleich veröffentlicht werden. Die Förderung war zuletzt auf den tiefsten Stand seit Oktober 2014 gesunken.

Der Goldpreis reagierte auf den ADP-Bericht mit Gewinnen von etwa 8 Dollar auf 1288 Dollar. Das zinslos gehaltene Gold profitiert unter anderem von den mutmaßlich weiter niedrigen Zinsen. Ähnliches gilt für die US-Anleihen, ihre Kurse ziehen etwas an, die Renditen sinken also leicht.

Devisen: Euro unter 1,15 Dollar

Der Euro hat sich zur Wochenmitte schwer getan, eine klare Richtung einzuschlagen. Im Tagesverlauf pendelte die Gemeinschaftswährung um 1,15 US-Dollar. Am Mittwochnachmittag lag der Kurs bei 1,1490 Dollar. Die Schwankungsbreite war mit einem halben Cent nicht groß. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1505 (Dienstag: 1,1569) Dollar festgelegt.

Obwohl am Mittwoch einige wichtige Konjunkturdaten anstanden, konnten sie dem Handel zwischen Euro und Dollar keine nachhaltigen Impulse verleihen. In der Eurozone hatte die Stimmung im Dienstleitungsgewerbe auf vergleichsweise hohem Niveau stagniert. In den USA hatte sie sich dagegen spürbar aufgehellt. Dagegen enttäuschten Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt.

Quelle: ntv.de, kst/wne/DJ/dpa/rts