Marktberichte

Noch 60 Punkte bis zur 10.000 Dax schließt in Reichweite

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Schmale Bewegungen in großer Höhe: Der Dax bleibt zur Wochenmitte in Reichweite der 10.000er-Marke.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Rekordfieber bleibt dem deutschen Aktienmarkt erhalten: Zur Wochenmitte scheut der Leitindex vor dem Sprung über die magische Marke noch zurück. In den letzten Minuten des regulären Handels macht der Dax allerdings reichlich Boden gut.

Die 10.000 Punkte bleiben in Reichweite: Nach einem frischen Allzeithoch am Morgen hat sich der Leitindex Dax zur Wochenmitte nahezu unverändert aus dem Handel verabschiedet. Das prominenteste deutsche Kursbarometer beendete das Mittwochsgeschäft 0,02 Prozent im Minus bei 9939,17 Punkten. Das Tageshoch aus dem Verlauf liegt bei 9957,87 Zählern - es ist der bislang höchste Verlaufskurs in der gut 25-jährigen Geschichte des Dax. Das Tagestief liegt bei 9898,26 Zählern. Der historische Höchststand auf Schlusskursbasis liegt seit dem Vortag bei 9951,90 Punkten.

Nach einem überwiegend bewegungsarmen Börsentag breitete sich die Erholungsbewegung der letzten Handelsminuten auch auf die Nebenwerte aus. Der MDax schloss 0,03 Prozent schwächer bei 16.913,54 Punkten. Der TecDax konnte seine frühen Kursgewinne verteidigen. Hier verzeichnet die Börse einen Schlussstand von 0,47 Prozent bei 1291,75 Punkten.

"Es ist wie beim Marathon: Die letzten Meter sind immer die schwersten", fasste Jens Klatt, Marktanalyst von DailyFX die Lage im Dax mit Blick auf die 10.000er-Marke zusammen. Auch der Eurostoxx50 kam im Mittwochshandel kaum vom Fleck und ging mit einem leichten Plus bei 3246,24 Punkten aus dem Handel. Am Rentenmarkt sorgte die Aussicht auf eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik dagegen dies- und jenseits des Atlantiks für einen Run auf Staatsanleihen. Der Euro reagierte und rutschte erstmals seit Februar unter 1,36 Dollar.

Nach der guten Entwicklung in den vergangenen Tagen hätten die deutschen Standardwerte zunächst eine Pause eingelegt, sagte Marktanalyst Gregor Kuhn vom Broker IG. Rückblickend sprachen Marktbeobachter von einem insgesamt "sehr ruhigen" Handelsgeschehen. Angesichts des bevorstehenden bundesweiten Feiertages ("Christi Himmelfahrt") hätten sich viele Marktteilnehmer bereits in ein langes Wochenende verabschiedet, hieß es.

Schmale Besatzung am Feiertag

Dies zeigten auch die sehr geringen Umsätze. Im Dax wurden am Mittwoch nur knapp 73 Millionen Aktien für 2,5 Milliarden Euro gehandelt. Zum Vergleich: Der 90-Tages-Schnitt liegt bei gut 89 Millionen Titeln für 3,4 Milliarden Euro. Da am Donnerstag feiertagsbedingt viele Anleger fehlen werden, dürfte sich daran diese Woche wenig ändern - obwohl in Frankfurt gehandelt wird.

"An Christi Himmelfahrt dürften die meisten Häuser höchstens mit halber Mannschaft arbeiten", sagte ein Händler. Dies sei allerdings nicht unkritisch: "Bei dem zu erwartend dünnen Volumen morgen dürfte man leicht den Dax nach oben durchjubeln können". Große Volumina seien dazu nicht erforderlich. Solche Bewegungen erzeugten aber nur Volatilität im Markt, da sie meist nicht nachhaltig seien.

Unterstützung steuerten am Vormittag Konjunkturdaten aus Deutschland bei: Die Zahl der Arbeitslosen ist in der größten Volkswirtschaft der Eurozone im Mai leicht zurückgegangen. Sie sank im Vergleich zum April um 61.000 auf 2,882 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,2 Prozentpunkte auf 6,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren 55.000 weniger Menschen ohne Job. Die Frühjahrsbelebung habe sich im Mai abgeschwächt, erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Das sei eine Spätfolge des milden Winters. Insgesamt stehe der Arbeitsmarkt aber gut da.

Herausragende Kursbewegungen gab bei den Einzelwerten. Ab dem späten Vormittag griffen Anleger zum Beispiel bei der Lufthansa zu. Die Ratingagentur Moody's erhöhte den Lufthansa-Ausblick auf "positiv". Die Bonitätsbewertung wurde bestätigt. Die Aktien der Fluggesellschaft rückten bis zu 1,5 Prozent vor und notierten mit 19,64 Euro zeitweise an der Dax-Spitze. Am Abend schloss die Airline-Aktie prozentual wenig verändert bei 19,37 Euro.

Auf der Verliererseite ganz oben standen im Dax die Titel der Deutschen Post, die mit einem Dividendenabschlag knapp 2,9 Prozent nachgaben. Telekom, Bayer und K+S zogen sich um mehr als 0,9 Prozent zurück.

Aktuell fehle es den meisten Dax-Anlegern an Überzeugung, sagte ein Händler. Viele hielten einen Dax-Stand von 10.000 Punkten für nicht gerechtfertigt. Auch die EZB warnte angesichts der Rekordjagd am Mittwoch vor steigenden Risiken für die Finanzstabilität. Für die meisten Börsianer ist es dennoch nur eine Frage der Zeit, wann der Dax die 10.000er Hürde nimmt. Denn für die meisten steht fest, dass die EZB am Donnerstag in einer Woche nicht nur die Zinsen weiter vom derzeitigen Rekordtief von 0,25 Prozent senken wird.

Viele EZB-Vertreter haben in jüngster Zeit klar gemacht, dass es daneben noch ein Maßnahmenbündel geben wird, mit dem der Absturz der Eurozone in eine Deflationsspirale aus fallenden Preisen und rückläufigen Investitionen verhindert werden soll. Nach EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny am Dienstag beteuerte dies am Mittwoch EZB-Direktor Yves Mersch. Auch EZB-Chef Mario Draghi hat sich schon ähnlich geäußert.

An der Wall Street überwog zunächst die Skepsis, so dass leicht fallende Indizes den Dax-Anlegern den Mut nahmen. Zum Handelsschluss in Europa lagen Dow-Jones und S&P aber wieder fast auf den Vortagesschlussniveaus.

Die Spekulationen auf eine Lockerung der Geldpolitik belasten den Euro seit Wochen. Am Mittwoch rutschte er auf ein Drei-Monats-Tief von 1,3591 Dollar ab. Seit der letzten EZB-Sitzung Anfang Mai hat die Gemeinschaftswährung fast vier US-Cent verloren.

Bewegung hinter dem Dax

Auf Unternehmensebene kamen zahlreiche Impulse aus der zweiten Reihe. Der Leuchtmittelhersteller Osram kann wegen des beschleunigten Rückgangs im traditionellen Geschäft seine bisherige Umsatzprognose nicht mehr halten. Das Unternehmen rechnet nur noch mit einem geringen Umsatzwachstum. Die Analysten der UBS und der Citigroup haben in der Folge ihre Kursziele gesenkt. Der Aktienkurs bricht um 6,5 Prozent auf 37,42 Euro ein.

Händler verwiesen zur Begründung für das deutliche Minus der Osram-Aktie aber auch auf "die Art und Weise der Kommunikation" bei der Umsatzwarnung. Das Unternehmen habe auf dem jüngsten "Capital Markets Day" bereits von einem stärker als erwarteten Rückgang im klassischen Lichtgeschäft gesprochen. Bei den schwachen Erstquartalszahlen habe Osram dann jedoch überraschenderweise den Ausblick noch unverändert gelassen. "Jetzt, nur ein paar Wochen später, senken sie den Umsatzausblick. Das kommt bei Investoren nicht gut an", meinte ein Händler.

Der Rüstungs- und Autozuliefer-Konzern Rheinmetall profitiert von einem Großauftrag aus Schweden. "Der Nachrichtenfluss für die europäische Rüstungsindustrie war zuletzt eher negativ", meinte ein Händler. Vor allem die Nachrichten über mögliche Absagen der Bundesregierung an Rüstungsexporte hätten das Sentiment für die Branche und für Rheinmetall getrübt. Am Vormittag bestätigte das Unternehmen dann eine großvolumige Order für geschützte Spezial-Lkw aus Schweden. Die Aktie geht im MDax als stärkster Titel mit einem Aufschlag von knapp 2 Prozent auf 50,11 Euro aus dem Handel.

Die gute Performance der Aktie von Hugo Boss nutzt Großaktionär Permira, um seine Beteiligung an dem Modeunternehmen weiter abzubauen. Seit Jahresbeginn legte die Aktie um gut 2 Prozent zu und schloss am Dienstag bei 105,80 Euro. Mitte Mai wurde zudem eine Dividende von 3,24 Euro je Aktie ausgeschüttet. Red & Black Lux, eine Gesellschaft im Mehrheitsbesitz der Permira Holdings Limited, verkaufte im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens bis zu 3,96 Millionen Aktien. Die Platzierung hat damit ein Volumen von rund 400 Millionen Euro. Nach Aussage mehrerer Händler wurden die Aktien bei 101,50 Euro platziert. Anleger schienen die Platzierung gefasst aufzunehmen. An der Börse verliert die Aktie daraufhin 2,7 Prozent auf 103,15 Euro.

Für die Aktie von Südzucker läuft es momentan nicht rund. Die Aktie fällt per 30. Mai nicht nur aus dem Benchmark-Index von Morgan Stanley, sondern nun auch aus dem Stoxx-600-Index. Die Anteilsscheine von Südzucker und auch von Aurubis verlassen den europäischen Aktienindex mit Handelsbeginn am 23. Juni 2014. Die Südzucker-Aktie verliert 2 Prozent auf 15,07 Euro, Aurubis geben 0,6 Prozent nach auf 40,30 Euro.

Optisch unter Druck standen am Berichtstag eine ganze Reihe bekannter Namen: Dividenabschläge drückten - abgesehen von der Deutschen Post - auch bei GfK, Wacker Neuson und Porsche auf die Kurse.

Portugal atmet auf

Einen Lichtblick erkannten Beobachter auf europäischer Ebene: Die zuletzt arg gebeutelte Lissabonner Börse verzeichnet zur Wochenmitte deutliche Kursgewinne. Der Leitindex stieg zeitweise um bis zu 2 Prozent auf 7198 Punkte. Am Nachmittag notierte er noch gut 1 Prozent höher. Zum Vergleich: Der EuroStoxx lag derweil 0,1 Prozent im Minus.

Händler machten für die Rückkehr der Anleger an die Börse die Entwicklung in der Bankenbranche verantwortlich. Eine Bank hat mit der Rückzahlung von Staatshilfen begonnen, eine andere reibungslos eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Seit Monatsbeginn hatte die Lissabonner Börse über 5 Prozent verloren, während der Dax 3 und der EuroStoxx 1,4 Prozent zulegten.

Die zweitgrößte Bank des Landes Millenium BCP, hatte am Dienstagabend bekanntgegeben, dass sie 400 Millionen Euro an den Staat zurückgezahlt hat. Dies musste von der portugiesischen Zentralbank genehmigt werden und wurde von Börsianern als Vertrauensbeweis gewertet.

"Es zeigt, dass BCP in einer guten Lage ist", sagte Andre Rodrigues, Analyst bei Caixa Banco de Investimento. Offenbar gingen die Notenbanker von einer genügenden Kapitalisierung der BCP aus. Die Aktien von BCP stiegen um bis zu 5,4 Prozent auf 0,2027 Euro. Die Bank hatte während der Finanzkrise insgesamt drei Milliarden Euro an Staatshilfe bekommen. Zudem erhöhte Portugals größte Bank Espirito Santo BES ihr Kapital um 1,045 Milliarden Euro. Die Aktien der Bank legten bis zu 6,8 Prozent auf 1,007 Euro zu und waren damit im PSI20 der größte Gewinner.

Am Rentenmarkt hinterließen die Spekulationen um eine deutliche Lockerung der EZB-Geldpolitik deutliche Spuren. Europaweit zogen die Kurse deutlich an, so dass die Renditen auf Talfahrt gingen. Sowohl die deutschen Bundesanleihen als auch die Staatspapiere Italiens, Spaniens, Frankreichs und Portugals waren gefragt. Der Bund-Future stieg um 63 Ticks auf 147,03 Punkte, die Future auf die französischen und italienischen Staatsanleihen zogen ebenfalls um jeweils mehr als einen halben Punkt an. Selbst der US-Rentenmarkt konnte sich der Entwicklung nicht entziehen: Die Kurse der US-Treasuries folgten den Bundesanleihen steil nach oben.

Die zehnjährigen Bundesanleihen warfen am Nachmittag nur noch 1,285 Prozent Zinsen ab, nach 1,339 Prozent am Vorabend. Die entsprechenden US-Treasuries rentierten mit 2,44 Prozent ebenfalls deutlich niedriger als noch am Vorabend mit 2,52 Prozent. "Deutschland macht derzeit den Ton zur Musik, und wir reagieren nur", erklärte David Keeble, Rentenstratege bei der Credit Agricole in New York. "Da ist nichts amerikanisches an dieser Rally."

Tatsächlich stehen in den USA angesichts der Konjunkturerholung die Zeichen eher auf eine Zinserhöhung denn auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik wie in der Euro-Zone. Hierzulande gehen die meisten Börsianer davon aus, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung am 5. Juni die Zinsen senken und weitere Lockerungsmaßnahmen beschließen wird.

Die südeuropäischen Anleihen waren ebenfalls gesucht, allen voran die Bonds Portugals. Die Rendite der zehnjährigen Anleihen ging auf 3,571 von 3,701 Prozent zurück. Auch die italienischen und spanischen Pendants waren gefragt, die Rendite der spanischen Bonds sackte sogar auf ein Rekordtief von 2,802 von 2,894 Prozent ab. Als Auslöser der Käufe machten Händler neben neuen Aussagen von EZB-Vertretern zur Entschlossenheit der Notenbank zum Kampf gegen die Deflation deutsche Konjunkturdaten aus. So war die Zahl der Arbeitslosen im Mai bereinigt überraschend gestiegen.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/dpa/rts

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