Marktberichte

US-Börsen schwach im Minus Trump schüttelt Dax vor Ostern durch

03e7e4220ab6d3a5fd352395f2a9e1ef.jpg

Gedrängel im Gründonnerstagshandel an der Nyse: Trump löst neue Kursturbulenzen aus.

(Foto: REUTERS)

Ist der Dollar zu stark, wie US-Präsident Trump behauptet? Am letzten Handelstag vor Osten müssen sich Börsianer mit höchst ungewöhnlichen Impulsen auseinandersetzen. Die Kurse geben nicht nur in Frankfurt nach. Wie geht es nach Ostern weiter?

Der letzte Handelstag der verkürzten Karwoche hält für Anleger am deutschen Aktienmarkt noch einmal unangenehme Wendungen bereit: Die Kurse gaben nach, der Dax rauschte im Tagestief unter die 12.100er Marke. Händler werteten die jüngsten Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump als Hauptgrund. Er äußerte sich etwa zum in seinen Augen "zu starken" Dollar. Das löste eine Kettenreaktion an den weltweiten Aktienmärkten aus. Auch an der Wall Street fielen die Kurse. Aber auch hier hielten sich die Verluste in Grenzen.

Der Dax verlor 0,4 Prozent auf 12.109 Punkte. Das Tagestief markierte er bei 12.090 Zählern, das Tageshoch bei 12.148 Stellen. Am Mittwoch war mit einem Mini-Plus aus dem Handel gegangen, am Montag und Dienstag hatte er Verluste zu verkraften. Der MDax schloss nahezu unverändert mit 24.273 Punkten. Der TecDax legte 0,1 Prozent auf 2023 Stellen zu. Am Karfreitag bleiben die Aktienmärkte hierzulande geschlossen. Auch an der Wall Street wird nicht gehandelt.

USA: Anleger wittern Kriegsgefahr

Die New Yorker Börsen verabschiedeten sich mit Verlusten in das verlängerte Osterwochenende: Der Dow-Jones-Index verlor am Gründonnerstag in einem weitgehend ruhigen Handel 0,67 Prozent auf 20.453,25 Punkte. Er rutschte damit erstmals seit Ende März wieder unter die Schwelle von 20.500 Punkten und verlor auf Wochensicht rund 1 Prozent. Für den sehr viel breiter aufgestellten S&P 500 ging es um 0,68 Prozent auf 2328,95 Punkte abwärts. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 zog sich um 0,44 Prozent auf 5353,59 Punkte zurück.

Angesichts der geopolitischen Risiken im Zuge der Konfrontation zwischen den USA und Russland in Syrien oder der drohenden Eskalation im Konflikt mit Nordkorea hielten sich US-Anleger merklich zurück. Nach mehreren Raketentests befürchten Beobachter, dass das weitgehend isolierte Land einen neuen Atomwaffentest unternehmen könnte - möglicherweise sogar zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung am Ostersamstag. In Afghanistan setzten die Amerikaner derweil erstmals die größte Bombe ihres Arsenals ein. Der Goldpreis zog vor dem Hintergrund einer wachsenden Konfliktfurcht an.

Unter den Einzelwerten gaben die Papiere der Großbank JP Morgan rund 0,8 Prozent ab. Der US-Branchenprimus hatte seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal um 17 Prozent und damit stärker als erwartet gesteigert. Die Aktien des Konkurrenten Citigroup büßten 0,5 Prozent ein. Auch hier stieg der Nettogewinn zu Jahresbeginn um 17 Prozent. Insgesamt hätten die Kreditinstitute wie erwartet geliefert, sagte ein Händler. Dieser beschreibt die Zahlen von JP Morgan als "gut", von Citygroup "ok" und die von Wells Fargo als "etwas schlechter".

Ein erfolgreiches Börsendebüt feierte Yext. Die Papiere des Softwarespezialisten für intelligente, standortbezogene Onlinesuche kostete in der Spitze 14,25 Dollar, nachdem sie den neuen Aktionären zu 11 Dollar eingebucht worden waren. Letztlich konnten sie sich bei 13,41 Dollar immer noch über einen Buchgewinn von fast 22 Prozent freuen. Der Börsenwert von Yext beträgt gut 1,1 Milliarden Dollar.

Konjunktur: Trump und der Dollar

"Ich denke, der Dollar ist zu stark geworden und teilweise ist dies meine Schuld, da die Leute Vertrauen in mich setzen", so der US-Präsident in einem Interview mit dem "Wall Street Journal". Ein starker Dollar schade allerdings und werde auch schlussendlich schaden. "Es ist sehr, sehr schwierig im Wettbewerb, wenn andere Länder ihre Währungen abwerten", ergänzte Trump.

"Das belastet den exportlastigen Dax", sagte ein Händler. Er verweist gleichzeitig darauf, dass sich die Aufwertung des Euro bislang in Grenzen halte. "Ein Präsident äußert sich nicht zur Stärke oder Schwäche des Dollars. Das macht man in den USA nicht", kommentierte n-tv Börsenexperte Frank Meyer. "Irre."

"Zwei Schritte vor, eineinhalb zurück - nach diesem Motto Verkehrt der Dax seit Tagen", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Nach den Osterfeiertagen könnte der Eiertanz um das Rekordhoch weitergehen, denn es fehlen frische Impulse. Ohne neue Argumente für höhere Aktienkurse ist ein Stillstand an der 12.000 durchaus denkbar."

Devisen: Euro auf Berg- und Talfahrt

Der Euro gab seine deutlichen Kursgewinne vom späten Mittwochabend nahezu komplett wieder ab. Am Donnerstagabend kostete die Gemeinschaftswährung 1,0630 Dollar. Das waren 0,3 Prozent weniger als zur Wochenmitte und nur leicht über dem Niveau bevor US-Präsident Trump den Dollar auf Talfahrt geschickt und im Gegenzug kräftige Kursgewinne beim Euro ausgelöst hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0630 Dollar fest nach 1,0605 Dollar am Mittwoch.

Die seit dem Morgen laufende Kurserholung des Dollar wurde am Nachmittag außerdem durch besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten gestützt. Der Euro geriet im Gegenzug noch stärker unter Druck. Im April hatte sich die Stimmung der amerikanischen Verbraucher überraschend aufgehellt und die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe war überraschend gesunken.

Dax: Von Banken und Überfliegern

Bei den Einzelwerten schauten die Anleger in erster Linie auf die Banken. Mit JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo öffneten drei US-Großbanken ihre Bücher. Deutsche Bank schlossen etwa 1 Prozent leichter, Commerzbank 1,2 Prozent.

Lufthansa sackten rund 3 Prozent ab. Neben Gewinnmitnahmen spielte laut Händlern auch die Tatsache eine Rolle, dass der Investor Infinite Miles 2,5 Prozent der Lufthansa-Aktien sowie 3,4 Prozent der Titel von Air France-KLM platziert hatte. Die Bücher seien schon am Mittwochabend geschlossen worden, hieß es. "Der Investor macht Kasse", kommentierte ein Händler. Lufthansa waren seit Jahresbeginn um knapp 28 Prozent gestiegen, Air France-KLM sogar um 45 Prozent.

TecDax: "Fundamental positiv"

Drägerwerk-Titel drehten im Verlauf 0,8 Prozent ins Plus. Der im ersten Quartal um 5,4 Prozent gestiegene Auftragseingang des Unternehmens sei fundamental positiv, sagte ein Händler. "Im vergangenen Jahr haben die Orders kaum zugelegt und waren damit eine Schwachstelle." Allerdings dürfte der Aktienkurs nach einer 56-prozentigen Kursrally seit Anfang November auch eine Verbesserung der Auftragseingänge teilweise eingepreist haben. Die Aktie sei somit "latent anfällig für eine Kurskorrektur".

Qiagen gewannen 0,8 Prozent - wegen positiv verlaufener klinischer Studien in den USA und Japan zum Tuberkulose-Test Quantiferon des Unternehmens. "Qiagen schätzt das Marktpotenzial für diesen Test im Jahr 2020 auf 300 Millionen Dollar", so ein Händler. Damit wäre der Test der größte Umsatztreiber des Unternehmens. Weltweit könnten jährlich 65 Millionen Tests durchgeführt werden angesichts der nach wie vor hochinfektiösen Krankheit. In vielen Ländern steige der Druck, in Kliniken die Infektionsgefahr durch Tuberkulose einzudämmen.

SDax: BVB-Aktie unter Druck

Nach der Niederlage gegen AS Monaco im Viertelfinalhinspiel der Champions League verloren die Aktien von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund deutliche rund 4 Prozent. Am Mittwoch waren die Titel leicht gestiegen. Am Dienstagabend war ein Bombenanschlag auf die Mannschaft verübt worden, als mit dem Teambus zum Heimspeil gegen den AS Monaco fuhr. Ein Spieler wurde dabei verletzt, die Partie von der Uefa um einen Tag verschoben.

Europa: Carrefour überzeugen nicht

Rund 1 Prozent ging es bei Carrefour abwärts. Der französische Einzelhandelskonzern hatte seinen Umsatz im ersten Quartal um 6,2 Prozent auf 21,3 Milliarden Euro gesteigert. Insbesondere ein gutes Geschäft in Brasilien, die höheren Ölpreise und günstige Wechselkurse hätten die Einnahmen beflügelt, teilte das Unternehmen mit. Analysten hatten Carrefour 100 Millionen Euro weniger zugetraut.

Rohstoffe: Ölpreis zeigt sich stabil

Der Ölpreis präsentierte sich zunächst etwas schwächer, legte im Handelsverlauf dann aber leicht zu. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend 55,96 Dollar. Das waren 0,2 Prozent mehr als am Mittwochabend. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) klettert 0,2 Prozent auf 53,44 Dollar.

Zur Wochenmitte war der Rohölpreis unter Druck geraten, nachdem das US-Energieministerium seine wöchentlichen Daten zu den Lagerbeständen und zur Ölproduktion veröffentlicht hatte. Zwar gingen die Vorräte an Rohöl zurück, allerdings ausgehend von einem extrem hohen Niveau. Zudem legte die landesweite Ölproduktion weiter zu. Sie stieg auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Diese Entwicklung konterkariert Bemühungen des Ölkartells Opec, die Weltmarktpreise durch Förderkürzungen anzuheben.

Asien: Rote Vorzeichen

Die ostasiatischen Aktienmärkte verabschiedeten sich mit Verlusten aus dem Handel. Der Tokioter Nikkei-Index schloss 0,7 Prozent tiefer bei 18.427 Punkten. Der breiter gefasste Topix gab ebenfalls nach. Vor allem Aktien exportorientierter Unternehmen wie Autohersteller und Technologieunternehmen verbuchten Verluste. Händler begründeten die Rückgänge mit dem weiter steigenden Yen-Kurs.

In China stützten gute Handelsbilanzdaten, so dass der Shanghai Composite sich nahezu unverändert halten konnte. Das Land hat im März wieder einen Überschuss erzielt, da die Exporte nach dem überraschenden Defizit im Februar wieder anzogen. Die Differenz zwischen Ex- und Importen lag im März bei einem Überschuss von 23,9 Milliarden Dollar, im Februar hatte es ein Defizit von 9,2 Milliarden Dollar gegeben.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

Mehr zum Thema