Marktberichte

Auftrieb an der Wall Street US-Anleger wetten auf Zinssenkungen

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Entschlossener Zinsschritt nach unten? An den US-Börsen rechnen Anleger mit energischen Maßnahmen bei den Leitzinsen von Fed und EZB.

(Foto: REUTERS)

Im New Yorker Aktienhandel endet eine bewegte Börsenwoche mit versöhnlichen Signalen und teils deutlich erholten Schlusskursen. Der Dow grenzt sein Wochenminus ein. Einzelne Tech-Werte ziehen zweistellig an.

Die Hoffnung auf stützende Maßnahmen der Notenbanken hat US-Anleger zum Wochenschluss zurück in den Aktienhandel gelockt. Der Dow-Jones-Index der US-Standardwerte schloss am Freitagabend 1,2 Prozent fester bei 25.886,01 Punkten. Auf Wochensicht konnte der Dow damit seine Kursverluste auf einen vergleichsweise versöhnlichen Abschlag von 1,5 Prozent reduzieren. Der breiter gefasste S&P-500 legte am letzten Handelstag vor dem Wochenende um 1,44 Prozent zu auf 2888,68 Zähler. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um 1,67 Prozent auf 7895,99 Punkte.

Dow Jones
Dow Jones 26.935,07

Der Dax hatte zuvor im europäischen Freitagshandel um 1,3 Prozent zugelegt und bei 11.562,74 Punkten geschlossen. (Wie der Börsen-Tag in Frankfurt lief, können Sie hier nachlesen.)

Wichtigster Impulsgeber waren vor dem Wochenende die Spekulationen um die zinspolitischen Perspektiven: An den Märkten wird die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank (Fed) auf ihrer Sitzung im September den Leitzins gleich um einen halben Prozentpunkt nach unten schraubt, inzwischen auf ein Drittel beziffert. Auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) wird angesichts von Handelsstreit und Bremsspuren in der Wirtschaft ein Schritt nach unten erwartet - hier liegt der für den Euroraum maßgebliche Leitzins allerdings noch immer bei 0,00 Prozent.

Positiv werteten Börsianer außerdem Pläne der Regierung in Peking, zur Ankurbelung der Konjunktur das verfügbare Einkommen von Arbeitnehmern zu erhöhen. Auftrieb gaben den Börsen auch Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zum Handelsstreit mit China. Er rechnet nach eigenen Angaben nicht mit Vergeltungsmaßnahmen Pekings in Reaktion auf die geplante Verschärfung der US-Strafzölle sondern vielmehr mit einer raschen Einigung.

Eine nachhaltige Erholung sei aber nicht zu erwarten, warnte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axitrader. "Die Anleger bleiben hin- und hergerissen zwischen den Hoffnungen auf eine Annäherung zwischen den USA und China im Handelsstreit einerseits und der Furcht vor einer Rezession andererseits."

Besonders gefragt waren Technologiewerte. Die Aktien von Apple verteuerten sich um 5,1 Prozent. Die an der Nasdaq gelisteten Nvidia-Aktien legten sogar um 11,2 Prozent zu, nachdem der Chipkonzern besser als erwartete Geschäftszahlen vorgelegt hatte. Der Grafikkarten-Spezialist übertraf im vergangenen Quartal die Erwartungen der Börse, indem der Umsatz weniger als stark als befürchtet zurückging. Unter den Anlegern sorgte dies branchenweit für große Erleichterung.

Bei der guten Stimmung im Chipsektor kam jedoch der Branchenausrüster Applied Materials nicht mit - trotz auf den ersten Blick guter Quartalszahlen. Die Aktie sackte nach bislang gutem Lauf in diesem Jahr wegen pessimistischer Begleitaussagen des Managements um 1,1 Prozent ab. Demnach sei es zu früh, um ein Zyklustief auszurufen.

Der Landmaschinenhersteller Deere & Co kappte seine Gewinnprognose, da Farmer derzeit unter dem internationalen Handelsstreit und ungünstigen Wetterverhältnissen litten. Die Anleger nahmen dies aber gelassen auf, die Aktie zog sogar um 3,8 Prozent an. Laut Analyst Jerry Revich von Goldman Sachs waren die Resultate robuster als erwartet.

Die Aktie von General Electric folgte der Markterholung in besonderem Ausmaß. Nachdem sie am Vortag prozentual zweistellig eingebrochen war, ging es nun wieder um fast 10 Prozent hoch. Konzernchef Larry Culp hatte im großen Stil Aktien des Mischkonzerns gekauft, was als Vertrauenssignal gewertet wurde. Tags zuvor war die Aktie von Anschuldigungen des Enthüllers Harry Markopolos schwer getroffen worden.

Zum Wochenschluss beruhigte sich nicht nur die Lage am US-Rentenmarkt, in den die Anlegern zuletzt in Scharen abgewandert waren. Anlagestratege Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank verwies darauf, dass aus einer am Mittwoch beobachten "inversen Zinskurve" - bei der Zinsen für kurzlaufende Staatsanleihen über dem Niveau langlaufender Papiere liegen -  nicht sofort eine Rezession abzuleiten sei. "Nach dem Invers-Werden dauert es im Schnitt zwei Jahre, bis die Konjunktur tatsächlich nachhaltig schrumpft", so der Experte. Gleichwohl wertete er die Signale vom Anleihemarkt aber als Beleg dafür, dass die globale Hochkonjunktur zu Ende ist.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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