Wie soll man sich da entscheiden?Ähnlich wie bei Dating-Apps: Zu viel Gequake überfordert Froschweibchen

Ein lauter Chor aus Froschmännchen führt bei den Weibchen zur Überforderung. Eine Studie zeigt, dass sie sich dann kaum für einen Partner entscheiden können. Das Phänomen hat weitreichende Konsequenzen für die Art.
Quak, quak, quaaaaaak: Bezirzen zu viele Froschmännchen am Teich gleichzeitig potenzielle Partnerinnen, sind die Weibchen überfordert mit dem lärmenden Chor und können sich kaum für einen Partner entscheiden. Dies könne nachhaltig beeinflussen, wie sich die Art weiterentwickle, schreibt ein Forschungsteam der University of Tennessee in Knoxville im Fachjournal "iScience" - denn es erschwere es den Tieren, den bestmöglichen Partner auszuwählen.
Das als Entscheidungs-Überlastung ("choice overload") beschriebene Phänomen sei fast vergleichbar mit Singles, die sich vor lauter Swipen durch die Auswahl verschiedener Dating-Apps überfordert, erschöpft und ausgebrannt fühlten.
Wer am schönsten quakt, ist der begehrteste Partner
Während der Paarungszeit der vor allem in Nordamerika heimischen Gattung Copes Grauer Laubfrosch (Hyla chrysoscelis) umwerben die Männchen die Weibchen üblicherweise, indem sie ihre Kehlen aufblähen und eine Reihe von hohen Schwingungen von sich geben.
Um das Phänomen zu erforschen, baute das Forschungsteam eine sogenannte Dating-Arena für die Frösche auf: Die weiblichen Frösche wurden einer nach dem anderen in einem zwei Meter breiten Bereich platziert, in dem sowohl Außengeräusche als auch Temperatur kontrolliert wurden. Über Lautsprecher wurden den Weibchen dann aufgezeichnete Originalgesänge von Männchen ihrer Art vorgespielt - und zwar sowohl längere Rufe, die als Geräusche begehrterer Vertreter eingestuft werden, als auch kürzere, sogenannte Ablenkungs-Rufe.
Das Ergebnis: Mussten sich die Weibchen nur zwischen zwei Optionen - einem längeren und einem kürzeren Quaken - entscheiden, hopsten sie in 77 Prozent der Fälle dem längeren Quaken entgegen. Wenn ihnen jedoch acht verschiedene Gesänge vorgespielt wurden, entschieden sie sich nur in 25 Prozent der Fälle für das eigentlich begehrte, längere Quaken. In manchen Fällen trafen die Weibchen dann sogar gar keine Wahl mehr.
In einem weiteren Zusatzexperiment testeten die Forschenden den gleichen Versuchsaufbau mit zusätzlichen Hintergrundgeräuschen von weiteren Froschgesängen, was aber keinen signifikanten Unterschied machte. Daraus schließt das Team, dass die Schwierigkeiten der Weibchen bei der Partnerwahl nicht dadurch zustande kamen, dass die Tiere Probleme beim Hören und Erkennen der einzelnen Rufe hatten, sondern tatsächlich durch die größere Auswahl an Optionen.
Auch ein schlechterer Sänger hat manchmal Glück
"Die Entscheidungen, die Weibchen treffen, sind biologisch gesehen wichtig", erklärt die federführende Autorin Jessie Tanner. "Indem sie ein Männchen mit einem wohlklingenden Ruf wählen, können die Weibchen genetische Vorteile für ihren Nachwuchs erzielen. Aber möglicherweise sind sie nicht immer in der Lage, diese Wahl effektiv zu treffen."
Das Phänomen beeinflusse, wie sich eine Art entwickle. Eigentlich würde man gemäß der Evolutionstheorie annehmen, dass weniger begehrte Froschmännchen mit kürzeren Rufen über die Zeit hinweg aus den Populationen verschwänden. Die mangelnde Entscheidungsfähigkeit der Weibchen könne jedoch dazu beitragen, dass diese Tiere immer wieder eher zufällig als Partner ausgewählt würden und damit genetisch in den Populationen erhalten blieben.