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"Kann Impfstrategien ergänzen" Antikörper-Mittel beugt Covid-19 vor

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Der US-Pharmakonzern Regeneron arbeitet bei der Produktion des Medikaments mit dem Schweizer Unternehmen Roche zusammen.

(Foto: picture alliance/dpa/Regeneron Pharmaceuticals Inc)

Das Antikörper-Mittel REGEN-COV senkt das Risiko, symptomatisch an Covid-19 zu erkranken, um 81 Prozent. Das zeigen neueste Studien des Herstellers. Noch wird das Mittel nur bei bereits Erkrankten eingesetzt. Doch die Wissenschaftler sehen weite Einsatzfelder - auch in den Impfkampagnen.

Eine Antikörper-Therapie des US-Pharmakonzerns Regeneron hilft einer Studie zufolge auch bei der Vorbeugung gegen eine symptomatische Covid-19-Infektion. Regeneron will für dieses Einsatzgebiet nun eine Notfallzulassung für das Mittel REGEN-COV in den USA beantragen, wie das Unternehmen mitteilte. Die Antikörper-Kombination aus Casirivimab und Imdevimab schützte die Studienteilnehmer, die mit einer infizierten Person in einem Haushalt leben. So reduzierte es das Risiko symptomatischer Infektionen um 81 Prozent.

"Die Daten legen nahe, dass REGEN-COV weit verbreitete Impfstrategien ergänzen kann, insbesondere bei Personen mit hohem Infektionsrisiko", erklärte Myron Cohen, Leiter des Instituts für Infektionskrankheiten der Universität North Carolina Chapel Hill in dem Studienpapier.

Dan H. Barouch, einer der leitenden Forscher der Studie und Professor für Medizin an der Harvard Medical School weist in den Studienergebnissen auf weitere mögliche Empfänger des präventiven Mittels hin: "Diese Antikörper können besonders bei Personen nützlich sein, die noch nicht geimpft sind, und haben möglicherweise auch Potenzial bei Personen, die immunsupprimiert sind und demnach ihr eigenes Abwehrsystem unterdrücken sowie Personen, die möglicherweise nicht gut auf Impfstoffe ansprechen."

Bisher keine schweren Nebenwirkungen

Bei der klinischen Studie der entscheidenden Phase III ging es darum, das Risiko und die Belastung durch Covid-19 bei Haushaltskontakten von Infizierten zu untersuchen. Rund 1500 solcher Kontakte erhielten entweder das Antikörper-Präparat oder ein Placebo. Die Ergebnisse würden den Zulassungsbehörden so bald wie möglich überreicht, hieß es. Unerwartete ernste Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten. Regeneron weist in der Beschreibung des Mittels jedoch darauf hin, dass es zu infusionsbedingten Reaktionen wie Fieber, Atembeschwerden, Übelkeit oder Kopfschmerzen kommen könnte.

In den USA hat das Medikament, das sich aus zwei Antikörpern zusammensetzt, bereits eine Notfallzulassung zur Behandlung milder bis moderater Covid-19-Infektionen erhalten. Bei Patienten mit symptomatischer Infektion klangen die Symptome demnach im Durchschnitt innerhalb einer Woche ab, verglichen mit drei Wochen in der Placebo-Gruppe.

Deutschland setzt Mittel nur vereinzelt ein

Das Kombinationspräparat war im Herbst dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump bei dessen Covid-19-Erkrankung verabreicht worden. Der zuständige Ausschuss der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA hatte Ende Februar grünes Licht für den Einsatz bei Covid-Patienten gegeben, die noch keine Sauerstoffzufuhr benötigen und ein hohes Risiko haben, dass sich ihr Zustand ernsthaft verschlechtert.

Auch in Deutschland wird die Antikörper-Kombination bereits bei individuellen Heilversuchen in bestimmten Kliniken eingesetzt - bei Risikopatienten in der Frühphase der Infektion mit dem Ziel, einen schweren Verlauf zu verhindern. Zur Ausweitung seiner Produktionskapazitäten arbeitet Regeneron mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche zusammen.

Quelle: ntv.de, spl/rts/dpa

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