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Gerst hat immer "Plan B und C" "Astro-Alex" trainiert für Kommandantenrolle

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Mit Anschauungsmaterial versucht die Ausstellung, die Bedingungen im Weltraum nachzustellen.

(Foto: dpa)

Astronaut Alexander Gerst bereitet sich derzeit für seine zweite Reise zur ISS vor. Als erster Deutscher wird er das Kommando übernehmen. Trotz seines engen Zeitplans findet der Baden-Württemberger Zeit, eine Ausstellung in seiner Heimat zu eröffnen.

Der Weltraumstar wollte nur ungern über seine baldige Chefrolle sprechen. Es sei zwar "eine große Ehre, diese Verantwortung zu bekommen", sagte Alexander Gerst, "aber ich sehe mich da nicht als der Chef dieses Raumschiffs." Der 40-Jährige war bereits 2014 für ein halbes Jahr auf der internationalen Raumstation ISS, in zwei Jahren fliegt er abermals - dann als erster deutscher ISS-Kommandant.

Er wolle der fünfköpfigen Mannschaft als Kommandant "den Rücken frei halten - dass es ihnen gut geht, dass es an Bord läuft, dass gute Stimmung ist und dass humorvoll gearbeitet wird". Eine klare Chefrolle sieht Gerst nur im Notfall. "Da hat man die Hierarchie - da sagt der Kommandant, wo es lang geht."

Situationen wie Brand oder plötzlicher Druckabfall in der Raumstation nähmen einen großen Teil seiner Vorbereitung ein. Es sei zwar noch nie vorgekommen, "dass es wirklich kritisch war auf der Raumstation", so Gerst. "Aber wie immer in der Raumfahrt muss man Plan B und C haben und darauf vorbereitet sein."

Strikter Trainingsplan für Astronauten

Der 40-Jährige mit dem markanten kahlgeschorenen Kopf und Kieferbart ist auf Heimatbesuch ins baden-württembergische Künzelsau gekommen. Ehrenbürger des 15.000-Einwohner-Städtchens, das eine Stunde nordöstlich von Stuttgart liegt, ist der promovierte Geophysiker längst, nun widmete ihm die Stadt eine Ausstellung. Titel: "Künzselsau an Houston: Start der Langzeitmission".

Seine Vorbereitungszeit in der US-amerikanischen Stadt mit deren Weltraumzentrum steht noch an, derzeit bereitet sich Gerst in Russland auf seine Funktion als Co-Pilot beim Flug zur ISS im Jahr 2018 vor. Zunächst war unklar, ob der durchtrainierte junge Mann mit seinen strahlenden Augen überhaupt kommen konnte ins Schwabenland - sein Trainingsplan in Russland sei eng getaktet, hieß es. Doch dann wurde klar: Gerst kommt. Ausstellungsmacher Stefan Kraut strahlte: "Unter den Lebenden ist er aktuell der prominenteste Künzelsauer."

Eine Dame der Stadtverwaltung deutete auf die Treppe und rief wartenden Journalisten aufgeregt zu: "Er kommt, er kommt!" Als guter Gast zeigte sich Gerst angetan von der Ausstellung. Die sei "total toll, weil es nicht nur um mich geht, sondern um den Weltraum allgemein - es war mir sehr wichtig, dass man die Faszination für den Weltraum weiterreicht".

"Astro-Alex" weckt Weltraumbegeisterung

Tatsächlich liegt der Fokus der Schau aber auf Gerst - auf drei Etagen des Künzelsauer Rathausflurs ist er immer wieder zu sehen, ob in Videos, als lebensgroße Pappfigur oder Mini-Figur in dem Modell einer Weltraum-Kapsel. Außerdem sind Gegenstände aus dem Astronautenalltag von Gerst zu sehen, etwa Nahrungspäckchen oder Handschuhe. Auch Orden sind ausgestellt. Titel einer Glasvitrine: "Astro-Alex' Andenken und mehr."

Astro-Alex ist der Spitzname von Gerst, mit dem er bei Twitter aktiv ist. 2014 schickte er zahlreiche Tweets vom Weltall auf die Erde, das will er bei seiner nächsten Fahrt 2016 wieder machen. Von da oben sei es "ernüchternd zu sehen, was Menschen mit diesem Planeten anstellen". So sei ihm nicht klar gewesen, wie viel vom Regenwald Amazonas schon abgeholzt ist. Er kannte zwar die Quadratkilometer-Zahl, aber so eine Zahl sage einem ja wenig. "Aber das mit eigenen Augen zu sehen, das haut einen um."

Gerst versteht seine Tweets auch als Appell an die Menschheit, den Planeten Erde zu schützen. "Wir haben keinen Planeten B oder C." Etwas abseits vom Medientrubel stand der frühere ISS-Fahrer Thomas Reiter. Der 58-Jährige zeigte sich erfreut, dass Gerst auch dank sozialer Medien das Thema Weltraum bekannt mache in der breiten Bevölkerung. "Der Alexander dient der Sache, das macht er hervorragend." Ob er, Reiter, den Weltraum vermisse? "Aber natürlich", sagte Reiter wie aus der Pistole geschossen. "Ich müsste nicht zweimal überlegen, wenn ich noch mal die Gelegenheit hätte."

Quelle: ntv.de, Wolf von Dewitz, dpa