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Studie zu Corona-Mutante B.1.1.7 erhöht Risiko für Klinikaufenthalt

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Steigt das Risiko eines Krankenhausaufenthaltes bei B.1.1.7, könnten Kliniken leichter überlastet werden, wenn sich die Virus-Variante stärker ausbreitet.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die Hinweise verdichten sich, dass die britische Corona-Mutante deutlich gefährlicher ist als andere Varianten: Laut einer aktuellen dänischen Studie steigert B.1.1.7. das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf um mehr als 60 Prozent. Die Ergebnisse decken sich mit bisherigen Analysen.

Die erstmals in Großbritannien nachgewiesene Virus-Mutante B.1.1.7, gilt als deutlich ansteckender und auch gefährlicher als die Ursprungsvariante von Sars-CoV-2. Eine aktuelle Studie des dänischen Gesundheitsdienstes SSI beziffert diese Gefahr nun: Demnach ist die Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthaltes bei einer Infektion mit B.1.1.7 im Vergleich zu anderen Varianten um geschätzte 64 Prozent erhöht.

"Wir kennen die Erklärung dafür nicht, warum B.1.1.7 das Risiko einer Hospitalisierung erhöht. Unsere Zahlen weisen jedoch in die gleiche Richtung wie mehrere andere Studien aus Großbritannien, die zeigen, dass B.1.1.7 möglicherweise ernstere Verläufe verursacht", sagte Tyra Grove Krause, technische SSI-Direktorin. In der Studie wurden knapp 36.000 Personen, die zwischen dem 1. Januar und 6. Februar positiv getestet wurden, berücksichtigt.

Bereits vor zwei Wochen veröffentlichte die britische Gesundheitsbehörde einen Bericht mit Studien, die darauf hinweisen, dass eine Infektion mit B.1.1.7 im Vergleich zu anderen Virusvarianten zu einer schwerwiegenderen Erkrankung führen kann. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzten demnach, dass B.1.1.7 zwischen 30 und 70 Prozent tödlicher sein könnte als das ursprüngliche Virus.

Mathematiker berechnet Sterberisiko

Wie hoch das Sterberisiko nach einer Infektion mit B.1.1.7 für jeden einzelnen ist, versuchte der Stuttgarter Mathematiker Christian Hesse anhand einer Modellrechnung aufzuschlüsseln. "Das nach Infektion mit der britischen Mutante bestehende Sterberisiko ist für 80-Jährige mehr als 1000 Mal so hoch wie für 20-Jährige", erklärte er der Deutschen Presse-Agentur zu seiner Rechnung. Ohne Corona liege dieser Faktor bei Männern in der Altersklasse bei rund 130, bei Frauen bei 200 - bei einem Senior ist der Tod immer wahrscheinlicher als bei einem jungen Menschen.

Der Wissenschaftler der Stuttgarter Universität bezieht sich bei den Daten auf die sogenannte Infektionssterblichkeit. Das ist der Anteil der Corona-Toten unter allen Infizierten, ob getestet oder nicht. Für eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung muss dafür unter anderem mittels Blutproben der Immunstatus ermittelt werden, um auch frühere, unentdeckt gebliebene Corona-Infektionen festzustellen.

Auf Basis von britischen Analysen hat Hesse so die Gefährlichkeit des Corona-Typs B.1.1.7 berechnet. Ableiten lässt sich demnach, dass eine Infektion mit der Mutante für 55-jährige Männer und 35-jährige Frauen das normale Sterblichkeitsrisiko in diesem Alter wohl verdoppelt. Für 80-jährige Männer und 60-jährige Frauen werde es verdreifacht.

B.1.1.7 bereitet Bundesregierung Sorgen

Noch ist zu wenig über die britische Corona-Variante bekannt, um gesicherte Aussagen über ihre Gefährlichkeit zu treffen - dafür brauche es weitere Studien, betonen die Forschenden in Dänemark und Großbritannien. Auf die begrenzte Datenlage weist auch das Robert-Koch-Institut (RKI) in seiner Übersicht zu besorgniserregenden Sars-CoV-2-Virusvarianten hin. Doch auch hier heißt es: Es gebe erste Hinweise darauf, dass B.1.1.7 "mit einer erhöhten Fallsterblichkeit einhergehen könnte".

In Deutschland ist die Mutante weiter auf dem Vormarsch. Fast ein Drittel der Corona-Neuinfektionen gehen inzwischen auf die Virus-Variante B.1.1.7 zurück. Die Neuinfizierten-Zahlen steigen laut RKI-Bericht wieder täglich. Und auch die Reproduktionszahl gibt Anlass zu Sorge: Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert liegt bei 1,05 (Vortag 0,98). Liegt er anhaltend über 1, gewinnt das Infektionsgeschehen rasch an Fahrt.

Quelle: ntv.de, hny

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