Panorama

Gefahr durch Mutationen steigt Wieler: "Deutliche Signale einer Trendumkehr"

Das Infektionsgeschehen in vielen deutschen Regionen schwächt sich nicht in erwünschtem Maße ab. Verhindern die Mutationen neue Lockerungen? Gesundheitsminister Spahn setzt große Hoffnungen in die Impfkampagne - wie RKI-Chef Wieler, der zugleich vor einer dritten Welle warnt.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat vor einer Trendwende im Kampf gegen die Corona-Pandemie gewarnt. Insbesondere die Virusmutation B.1.1.7 sei "deutlich gefährlicher, und zwar in allen Altersgruppen", sagte er auf einer Pressekonferenz in Berlin. Es würden nun "deutliche Signale einer Trendumkehr" ersichtlich. Deshalb appellierte Wieler an die Bevölkerung, die AHA+L-Regeln einzuhalten. "Lassen Sie uns das letzte Frühjahr dieser Pandemie klug nutzen", sagte der RKI-Chef. Ansonsten steuere das Land in eine dritte Welle.

Zugleich lobte Wieler "einige positive Entwicklungen". Dies sei wahrscheinlich schon ein Effekt der Impfungen. Auf die Frage nach dem umstrittenen Astrazeneca-Impfstoff entgegnete er, dass er "begeistert" von der Wirksamkeit des Vakzins sei. Zahlen aus Schottland zeigten, "dass dieser Astrazeneca-Impfstoff die Quote von Hospitalisierungen um 94 Prozent reduzieren kann. Das ist fantastisch", so Wieler. Es gebe keinen Grund, den Impfstoff abzulehnen, auch wenn jeder zweite Geimpfte bis zu drei Tage an Fieber oder Kopfschmerzen leide. "Besser ein, zwei Tage Kopfschmerzen, als diese verdammte Krankheit zu kriegen", sagte Wieler.

Zuvor hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die bisherige Strategie im Kampf gegen die Pandemie erneut verteidigt. "Die Impfkampagne gewinnt an Fahrt", sagte Spahn. Mittlerweile hätten fast alle Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen ein Impfangebot bekommen. Der bisherige Impffortschritt habe in der Gruppe der über 80-Jährigen Wirkung gezeigt, so Spahn. "Das Risiko an Corona zu erkranken, hat sich reduziert." Das bestätige ihn in dem eingeschlagenen Weg, die vulnerablen Gruppen zuerst zu impfen.

Gleichwohl verwies Spahn auf den sich nach wie vor langsamer als gewünscht entwickelnden Fortschritt der Impfkampagne. "Noch liegt zu viel Impfstoff im Kühlschrank", so Spahn. Bisher haben lediglich 2,3 Prozent der Bevölkerung eine vollständige Impfung, bestehend aus zwei Dosen, erhalten. Insgesamt wurden in Deutschland bislang rund 5,7 Millionen Impfdosen verabreicht. Bis kommende Woche sollen laut Spahn mehr als elf Millionen Impfdosen zumindest ausgeliefert sein.

Das Impfen ebne den Weg aus der Pandemie, betonte Spahn. Gleichwohl werde es aber "kein Spaziergang", sagte er mit Blick auf die Mutationen. Demnach werde er in seinem Ministerium "zeitnah regeln", dass auch Arztpraxen mit Impfungen beauftragt werden können. Ziel sei es, Praxen "regelhaft in Impfungen mit einzubeziehen".

Ein Ausweg sei auch verstärktes Testen, etwa durch Schnell- und Selbsttests. Die Zulassung von Selbsttests bezeichnete er als ein "weiteres Instrument für den Pandemie-Werkzeugkasten". Demnach sollen diese Mittel ab kommender Woche in den Handel kommen. Diese seien zwar nicht so zuverlässig wie der "Goldstandard" PCR-Tests, lieferten allerdings mehr "Trittfestigkeit".

Quelle: ntv.de, cri

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