Krebsrisiko durch UV-StrahlungBereits ein einziger Sonnenbrand kann schwere Folgen haben

Die Haut vergisst nichts, das bestätigt eine neue Studie. Bereits ein einziger schwerer Sonnenbrand steigert das Risiko für hellen Hautkrebs erheblich. Besonders Verbrennungen in jungen Jahren können demnach drastische Folgen haben.
Im Sommer reicht manchmal schon ein unachtsamer Nachmittag: zu wenig Sonnencreme, zu viel Zeit in der Sonne - und die Haut brennt, schmerzt, wirft im schlimmsten Fall sogar Blasen und pellt sich. Ein paar Tage später scheint alles wieder normal. Doch unter der Oberfläche kann UV-Strahlung bleibende Spuren hinterlassen. Das zeigt eine neue Meta-Analyse mit Daten von mehr als 320.000 Menschen hin. Demnach kann bereits ein einziger schwerer Sonnenbrand das Risiko für eine bestimmte Form von Hautkrebs deutlich erhöhen.
Die Studie wurde 2025 im Fachjournal "JAMA Dermatology" veröffentlicht. Das Team um Dermatologe Isaac Weber vom MD Anderson Cancer Center in Texas wertete 17 Studien mit insgesamt 321.473 Menschen aus. Im Mittelpunkt stand das kutane Plattenepithelkarzinom, kurz cSCC - eine häufige Form des hellen Hautkrebses, die in der obersten Hautschicht entsteht und besonders oft an Körperstellen auftritt, die über Jahre viel UV-Strahlung ausgesetzt waren.
Das Ergebnis: Menschen, die im Laufe ihres Lebens ab und zu schwere, schmerzhafte oder blasige Sonnenbrände erlebt hatten, hatten statistisch 51 Prozent höhere Chancen, ein Plattenepithelkarzinom zu entwickeln, als Menschen ohne solche Sonnenbrände. Bei einer hohen Zahl schwerer Sonnenbrände lagen die Chancen sogar 69 Prozent höher. Doch selbst wenn jemand nur einmal einen solchen Sonnenbrand hatte, zeigte sich immer noch ein deutlicher Anstieg um 38 Prozent.
Besonders auffällig war laut Studie der Zusammenhang bei Sonnenbränden in der Kindheit. Wer damals häufig schmerzhafte, blasige oder schwere Verbrennungen durch die Sonne erlitten hatte, wies in der Analyse mehr als dreimal so hohe Chancen auf ein späteres Plattenepithelkarzinom auf.
Warum ein Sonnenbrand gefährlich ist
Ursache ist die Wirkung ultravioletter Strahlung auf die Haut. UV-Strahlung kann das Erbgut von Hautzellen beschädigen und Mutationen verursachen. Zwar verfügt der Körper über Reparaturmechanismen, doch nicht jeder Schaden wird fehlerfrei behoben. Über Jahre können sich Veränderungen im Erbgut ansammeln und schließlich zur Entstehung von Hautkrebs beitragen. UV-Strahlung gilt deshalb als zentraler vermeidbarer Risikofaktor für Hautkrebs.
Gerade beim Plattenepithelkarzinom galt bislang vor allem die langjährige, wiederholte UV-Belastung als entscheidend. Welche zusätzliche Rolle einzelne Sonnenbrände spielen, war weniger eindeutig. "Obwohl die Rolle der UV-Exposition beim kutanen Plattenepithelkarzinom gut belegt ist, ist der spezifische Effekt von Sonnenbränden weniger sicher", schreiben Weber und sein Team. Ein Grund dafür: Menschen, die sich häufig verbrennen, verbringen womöglich insgesamt auch mehr Zeit ungeschützt in der Sonne. Beide Einflüsse lassen sich in Beobachtungsstudien nur schwer voneinander trennen.
Sonnenbrand um jeden Preis vermeiden
Die Zahlen bedeuten laut Forschungsteam somit nicht, dass ein einzelner heftiger Sonnenbrand zwangsläufig zu Hautkrebs führt. Auch Hauttyp, genetische Veranlagung, Alter, die gesamte UV-Belastung sowie andere Faktoren beeinflussen das persönliche Risiko. Die Fachleute unterstreichen deshalb weniger die Gefahr eines einzelnen Ereignisses als vielmehr die Tatsache, dass sich UV-Schäden über das Leben hinweg summieren können.
Die Studienergebnisse bestätigen damit frühere Forschung zu dem Thema. So zeigte eine große norwegische Langzeitstudie etwa, dass Menschen mit häufigen Sonnenbränden über längere Lebensphasen hinweg sowohl häufiger an einem Plattenepithelkarzinom als auch an einem Melanom erkrankten. Besonders Sonnenbrände in jungen Jahren standen auch hier mit einem später höheren Hautkrebsrisiko in Verbindung.
Daher raten Experten: Sonnenbrände sollten möglichst vermieden werden - besonders bei Kindern und Jugendlichen. Schatten, schützende Kleidung und ein ausreichend hoher Sonnenschutz senken die UV-Belastung - Solarien erhöhen sie dagegen zusätzlich. Vergangene Sonnenbrände lassen sich nicht rückgängig machen. Neue lassen sich aber mit nur wenig Aufwand vermeiden.