Mögliche Folge des EinschlagsBrachte globale Staubschicht den Dinosauriern den Hitzetod?

Ein Forschungsteam liefert eine neue Erklärung für das Ende der Dinosaurier: Demnach bildete sich nach dem Asteroideneinschlag eine globale Wolke aus feinen Partikeln, welche die Atmosphäre tödlich aufheizte. Wälder fingen Feuer und Tiere, die sich nicht schützen konnten, verendeten.
Folgte auf den Einschlag des Dino-Killer-Asteroiden vor 66 Millionen Jahren direkt ein Massenaussterben - oder erst im Zuge der Klimaveränderungen danach? Seit Jahrzehnten gibt es dazu Debatten unter Forschungsteams - und nun eine neue Idee:
Der beim Einschlag in die Atmosphäre geschleuderte Staub habe wie eine Isolierschicht gewirkt und verhindert, dass Wärmestrahlung ins All entweichen konnte, haben Wissenschaftler berechnet. Dadurch sei die Zündschwelle für leicht entzündliches Material wie Gras, Flechten und Kiefernnadeln weltweit deutlich überschritten worden. Zumindest für das Leben an Land sei daher schon der Einschlag selbst der entscheidende Todesstoß gewesen, schließt das Team um Brandon Johnson von der Purdue University in West Lafayette im US-Bundesstaat Indiana.
Der etwa zehn bis zwölf Kilometer große Asteroid hat den Chicxulub-Krater geschaffen, einen rund 180 bis 200 Kilometer großen Einschlagkrater bei der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Der Einschlag besiegelte das Ende der Dinosaurier, die zu jener Zeit das Leben auf der Erde prägten. Nur einige Linien der Vögel, der einzigen bis heute überlebenden Dinosaurier, überstanden das Massenaussterben. Insgesamt starben rund drei Viertel aller Tier- und Pflanzenarten aus.
Globale Staubschicht verstärkt Hitzeschub
Das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit war das jüngste von fünf solchen Ereignissen vor der heutigen Zeit. Die genaue Ursache wird kontrovers diskutiert. Als ein möglicher Grund neben direkten Auswirkungen des Einschlags gelten spätere Folgen wie eine lange Kältephase und massive vulkanische Aktivitäten im heutigen Indien.
Schon länger ist bekannt, dass beim Einschlag Gestein verdampfte und hoch in die Atmosphäre geschleudert wurde, wie es im "Journal of Geophysical Research: Biogeosciences" heißt. Ein Teil des Gesteinsdampfs kondensierte zu winzigen Gesteinströpfchen, sogenannten Sphärulen, die wie Mini-Meteoriten zurück zur Oberfläche schossen. Dabei wurde Reibungshitze erzeugt. Frühere Arbeiten hatten diesen intensiven Hitzepuls zwar als gefährlich für viele Tiere beschrieben, aber nicht stark genug für weltweite Brände.
Das Team um Johnson kommt mit seinen Berechnungen nun zu dem Schluss, dass eine dichte, globale Schicht aus feinem Staub den Hitzeschub erheblich verstärkte - sodass er weltweit tödliche Flächenbrände auslöste und Tiere verenden ließ, die sich nicht in Höhlen oder seichten Gewässern vor der Strahlung schützen konnten.
"Wir befinden uns in einem Bereich, in dem wir im Grunde alles innerhalb dieser ersten ein oder zwei Stunden auslöschen könnten", sagte Johnson. Unklar sei noch, wie gleichmäßig die Folgen weltweit waren. Bisher stammen besonders starke Hinweise auf Brände während des Aussterbens demnach vor allem aus Nordamerika.
Kältephase nach Feuersturm?
"Unsere Arbeit stützt die Vorstellung, dass es tatsächlich der Einschlag war, der verheerende Auswirkungen auf das Leben auf der Erde hatte und das Massensterben verursachte", sagte Johnson. Nach Ansicht der Autoren könnte derselbe Staub nach den ersten Feuerstürmen später auch die Sonne abgeschirmt und so zusätzlich zu einer langen Kältephase beigetragen haben.
Dinosaurier prägten die Erde über einen außergewöhnlich langen Zeitraum: Mehr als 160 Millionen Jahre dominierten sie die Ökosysteme und wirkten damit weit nachhaltiger auf Landschaften ein als viele später auftretende Tiergruppen. Zum Vergleich: Der moderne Mensch, Homo sapiens genannt, existiert erst seit etwa 300.000 Jahren.
Was für die Dinos das Ende bedeutete, ermöglichte einer anderen Tiergruppe den Aufstieg: den Säugetieren und damit letztlich auch dem Menschen - der inzwischen ganz ohne außerirdische Einflüsse das sechste Massensterben der Erdgeschichte in Gang gesetzt hat.