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RKI zur Sars-CoV-2-Mutante Bretonische Variante "derzeit keine größere Gefahr"

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Bisher ist die neue Mutation nur in Frankreich nachgewiesen worden. Sie scheint lokal begrenzt zu sein.

(Foto: imago images/agrarmotive)

Eine neue Variante des Coronavirus, die in Frankreich Menschenleben kostet, lässt aufhorchen. Sie soll nicht oder nicht verlässlich mit PCR-Tests nachweisbar sein. Aber das Robert-Koch-Institut sieht derzeit keine besondere Gefahr und erklärt auch, warum nicht.

Warum sich eine bisher unbekannte Mutation von Sars-CoV-2 bei Covid-19-Patienten in Frankreich nicht zuverlässig mit dem PCR-Test nachweisen ließ, kann bisher nicht erklärt werden. Denkbar ist, dass sich diese Virusvariante schneller vom Nasen-Rachenraum in die tieferen Atemwege bewegt als seine Vorgänger und deshalb mittels PCR-Test nicht erkannt werden kann.

Die bretonische Gesundheitsbehörde ARS hatte nach dem Tod von acht älteren Covid-19-Patienten erklärt, dass sich die Mutante mit klassischen PCR-Tests nicht ohne Weiteres erkennen lasse. Darüber berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Erst durch aufwendigere Antikörper-Tests habe man einen positiven Covid-19-Befund für die Patienten erhalten, die zuvor typische Covid-19-Symptome gezeigt hatten.

Bretonische Variante offenbar nicht gefährlicher

Die Gesundheitsbehörde Frankreichs schrieb nach dem Ausbruch in einem Krankenhaus im bretonischen Lannion: "Die ersten Analysen dieser neuen Variante lassen nicht den Schluss zu, dass sie schwerere Verläufe verursacht oder übertragbarer ist als das ursprüngliche Virus." Dennoch stufte die Behörde die Mutation als "Variant under Investigation", also als "Variante, die unter genauer Beobachtung steht", ein. Weitere Untersuchungen dazu seien bereits veranlasst.

Bei der neuen Mutation, die schon als bretonische Variante bezeichnet worden ist, handelt es sich um ein Virus, das neun Veränderungen im Spike-Protein aufweist. Es wird in der Fachsprache mit "Clade 20C" benannt. Die genetischen Veränderungen seien über das gesamte Genom des Virus verteilt. Damit sei die Wahrscheinlichkeit eines Versagens der PCR-Assays gering, zitiert das Deutsche Ärzteblatt das RKI nach Anfrage.

PCR-Tests versagen nicht generell

Da 44 Prozent der Fälle durch die in Frankreich genutzte PCR erkannt worden seien, sei "ein generelles Versagen der PCR auszuschließen", schreibt das Blatt unter Berufung auf das RKI weiter. Die geringen Nachweisraten in Nasopharyngealabstrichen seien zudem "nicht ungewöhnlich, da die Nachweise auch vom jeweiligen Stadium der Infektion und der Qualität der Abstrichentnahme abhängig" seien.

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"Es könnte sein, dass hier eine Mutation vorliegt, die eine Genmutation genau an der Stelle hat, wo der PCR-Test ansetzt", erklärt Dr. Christoph Specht auf Nachfrage von ntv. Es kommt also darauf an, wie der PCR-Test konzipiert ist. PCR-Tests sind so angelegt, dass sie nur auf bestimmte Teile des Virus-Genoms reagieren. Informationen darüber, welche Art von Tests in Frankreich eingesetzt werden, liegen dem RKI derzeit nicht vor.

Das Geschehen in Frankreich ist der Behörde zufolge lokal begrenzt. Die Variante weise zudem "nicht die Mutation N501Y" auf, die mit einem höheren Ansteckungsrisiko in Verbindung gebracht wird.

Quelle: ntv.de, jaz

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