Wissen

Von Astro-Alex bis Zeitkapsel Das große "A bis Z" zu Gersts neuer Mission

98635535.jpg

Nur noch wenige Wochen, dann hebt er zum zweiten Mal ab: Deutschlands Astronaut Alexander Gerst fliegt am 6. Juni zur ISS.

(Foto: picture alliance / Sergei Ilnits)

Schon wieder verpasst er eine WM, aber schweben kann er diesmal wie ein alter Hase: Astronaut Alexander Gerst kehrt zur ISS zurück. Auf der Raumstation erwarten ihn Käsespätzle, ein fliegendes Helferlein und der Lärm etlicher Ventilatoren.

Anfang Juni startet Alexander Gerst zur Raumstation ISS. Es ist nicht die erste Mission des deutschen Esa-Astronauten - aber dennoch eine Premiere. Ein Überblick von A bis Z:

A wie Astro_Alex: das zum Spitznamen gewordene Twitter-Kürzel von Alexander Gerst.

B wie "Blue Dot": Blauer Punkt hieß die erste Mission des deutschen Astronauten. 166 Tage war Gerst 2014 als Bordingenieur im All.

C wie Cimon: Der fliegende Roboter ist so groß wie ein Medizinball und hat ein freundliches Gesicht. Er soll ein Gesprächspartner sein und Experimente dokumentieren. Auch Gersts Lieblingsmusik hat er parat.

D wie Dosen: In denen fliegt das Mittagsessen zur ISS. Sie enthalten zum Beispiel Käsespätzle, Maultaschen oder Zwetschgen-Dessert – ganz nach Gersts Geschmack.

E wie Experimente: Die werden Gersts Tage füllen. So sollen zum Beispiel Sand und Granulate unter Schwerelosigkeit getestet werden; das Echtzeitmikroskop "Flumias" soll die Entwicklung menschlicher Zellen verfolgen. Auch Gerst selbst wird "Versuchskaninchen" sein.

F wie Fossil: Auch eine Versteinerung aus Gersts Geburtsstadt Künzelsau wird die Raumstation besuchen. Der Ammonit hat Millionen Jahre auf dem Buckel. Rein technisch betrachtet ist allerdings auch die ISS selbst mit ihren rund 20 Jahren nicht mehr die jüngste.

G wie Geophysik: Das war Gersts Studienfach in Karlsruhe. An der Universität Hamburg hat er in diesem Bereich geforscht. Er hat Vulkane in der Antarktis, Vanuatu und Äthiopien besucht.

H wie "Horizons": Das ist der Name der zweiten Mission von Alexander Gerst. In der zweiten Hälfte seines 187-tägigen Aufenthalts wird er Kommandant der ISS-Crew sein - als erster Deutscher überhaupt.

I wie Internationale Raumstation: Da er zum zweiten Mal zur ISS fliegt, fühlt es sich für Gerst an, "als würde man zu einem Haus reisen, in dem man einmal viel Zeit verbracht" hat. "Ich weiß genau, in welcher Ecke welches Gerät steht und kann das Geräusch der Luken hören, wenn ich sie in Gedanken öffne", sagt er.

J wie Jubel: Den wird es an Bord der ISS während der Fußball-WM in Russland ab Mitte Juni geben. Es ist die zweite Weltmeisterschaft, bei der Gerst vom All aus mitfiebert. Auf der Erde wird mit einem Ball angestoßen, der im März zur Raumstation gebracht worden war.

K wie Kollegen: Der Russe Sergej Prokopjew und die US-Astronautin Serena Auñón-Chancellor fliegen diesmal mit Gerst zur ISS. Für beide ist es der erste Flug.

L wie leise: Das ist es an Bord der Raumstation nicht. "Das Lüftungssystem ist sehr laut", sagt Gerst. Luftaustausch finde nur statt, wenn man ihn durch Ventilatoren künstlich herstelle.

M wie Mond oder Mars: Die beiden Himmelskörper bezeichnet Gerst gern als achten und neunten Kontinent, zu denen es hinzusegeln gelte. "Wir müssen erforschen, was es um uns herum gibt." Auch bei ersten Exkursionen zur Arktis sei die Skepsis groß gewesen, heute seien Reisen dorthin selbstverständlich.

N wie Neugier: Die war Alexander Gerst quasi in die Wiege gelegt. "Als kleiner Junge schon habe ich mich für alles interessiert, was mit der Entdeckung der Welt zu tun hatte: für Vulkane, Stürme, Erdgeschichte, ferne Kulturen und Länder - und für das All", erklärt er in seinem Buch "166 Tage im All".

O wie omnipräsent: Astro-Alex ist nicht nur in Kindersendungen und -zeitschriften zu sehen. Seine Nachrichten und Fotos aus dem All sind ein Hit in sozialen Netzwerken. "Gerade eben 16.300 km auf dem Laufband gelaufen (35 Min mit 28.000 km/h)", schrieb er etwa 2014 bei Twitter.

P wie Planet Erde: Der ist für Astro-Alex etwas sehr Besonderes. Unglaublich wichtig sei es, sorgsam mit dieser kleinen blauen Kugel im schwarzen Nichts des Alls umzugehen. "Es gibt keinen Planeten B."

Q wie Quarantäne: Die ist gut zwei Wochen vor dem Start Pflicht. Die Mannschaft wird auf dem russischen Weltraumbahnhof Baikonur hermetisch von der Außenwelt abgeschirmt, um sich nicht mit Erregern zu infizieren und diese mit auf die ISS zu bringen. Die letzte Pressekonferenz absolvieren die Raumfahrer deshalb hinter einer Scheibe.

R wie Risiken: Dass es die bei seiner Mission gibt, ist Gerst bewusst. Die Vorteile für die Gesellschaft seien das aber wert. Auch seine Familie sei entspannt: "Die sind das seit Jahren gewohnt, dass ich in irgendwelche Ecken der Welt verschwinde und sind schon froh, dass ich nicht mehr auf irgendwelchen aktiven Vulkanen rumspaziere."

S wie sonntags frei haben: das dürfen auch Astronauten - abgesehen vom täglichen Sportprogramm. Auch Nachtschichten gibt es auf der ISS nicht. Am Samstag ist Putztag.

T wie trainieren: Das musste Astro-Alex für seine zweite Mission erneut gut zwei Jahre lang. "Ich bin nur einmal gestorben im Simulator", sagt er. Und daran sei nicht er, sondern ein Fehler im Simulatorprogramm schuld gewesen.

U wie ungewiss: Wird es nach Gerst noch einmal einen deutschen Astronauten auf der ISS geben? Über die Zukunft der Raumstation wird seit Jahren debattiert, vor allem die USA zeigen derzeit wenig Interesse an einer Fortsetzung des Programms.

V wie vertikales Schweben: Daran erkennt man alte Hasen auf der ISS. "Alte Hasen schweben vertikal, Neulinge horizontal", sagt Gerst.

W wie Wohnsitze: Davon hat Astro-Alex gleich drei, weil er im Europäischen Astronauten-Zentrum EAC in Köln, im Sternenstädtchen bei Moskau und im Lyndon B. Johnson Space Center der Nasa in den USA trainiert. Hosen kaufe er immer gleich im Dreierpack, sagt er.

X wie x Auszeichnungen, die Gerst nach seiner ersten Mission erhalten hat: 2015 etwa das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Sogar ein Asteroid wurde nach ihm benannt und heißt jetzt also "Alexandergerst".

Y wie Y-Chromosom: Das zu haben, scheint von Vorteil zu sein, wenn man für eine Reise ins All ausgewählt werden möchte: Unter den elf deutschen Astronauten auf der ISS war bisher keine Frau.

Z wie Zeitkapsel: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat eine Aluminiumkapsel mit Wünschen und Zukunftsvorstellungen von 8000 Schülern sowie mit 2000 Fotos von Alltagsszenen bestückt – alles digital. Auch diese Zeitkapsel ist nun ein halbes Jahr auf der ISS. Nach Gersts Rückkehr soll sie ein halbes Jahrhundert lang verwahrt werden. In 50 Jahren wird sie im Haus der Geschichte in Bonn wieder geöffnet.

Quelle: n-tv.de, asc/dpa

Mehr zum Thema