In vielen Produkten enthaltenDer Konsum dieser pflanzlichen Fette zerstört Ökosysteme

Ob in Margarine, Tierfutter oder Kosmetika: Pflanzliche Fette sind allgegenwärtig. Eine neue Studie zeigt nun, dass der Anbau von Kokosnuss, Ölpalme und Soja die Artenvielfalt in den Tropen zerstört. Die Hauptverantwortung dafür tragen vor allem EU, China und die USA.
Der Anbau von Ölpflanzen wie Kokosnuss, Ölpalme und Sojabohne geht einer Studie zufolge mit einem erheblichen Verlust biologischer Vielfalt einher. Ein Grund sei, dass Pflanzen wie Ölpalme und Kokosnuss ausschließlich in tropischen Regionen mit hoher Artenvielfalt vorkommen - die mit der Umwandlung der Ökosysteme in landwirtschaftliche Flächen schwinde. Zudem hätten Ölpflanzen einen vergleichsweise geringen Ertrag pro Flächeneinheit, erklärt das Forschungsteam im Fachjournal "Nature Food".
Mehr als die Hälfte der Auswirkungen des Anbaues sind demnach auf den Konsum in anderen Ländern zurückzuführen. Öle aus Pflanzen wie Kokosnuss, Ölpalme und Sojabohne finden sich in zahlreichen Produkten, von Kosmetika und Make-up über Margarine und Brotaufstriche bis hin zu Medikamenten und Tierfutter. Verbrauch und Anbau nehmen zu - und damit auch die Auswirkungen auf die Umwelt.
Die Forschenden um Stephan Pfister, Professor für quantitative Nachhaltigkeitsbewertung an der ETH Zürich, untersuchten, wie stark Anbau und Verbrauch von 19 Ölpflanzen - darunter auch Raps, Sonnenblume und Olive - die Tier- und Pflanzenwelt weltweit bedrohen. Sie analysierten Daten zu Produktion, Handel und Landnutzung über mehrere Jahrzehnte hinweg und kombinierten verschiedene Modelle, um den Einfluss auf die Artenvielfalt abzuschätzen.
Soja aus Brasilien wird in China und Europa verfüttert
Berücksichtigt wurde die gesamte Kette vom Anbau über die Verarbeitung bis hin zum Endprodukt. So wird Soja aus Brasilien zum Beispiel an Tiere in China oder Europa verfüttert und ermöglicht dort letztlich einen hohen Fleischkonsum. Analysiert wurde zudem, wie Konsumverhalten, Bevölkerungswachstum und landwirtschaftliche Effizienz zum Verlust an biologischer Vielfalt beitragen.
Anbauflächen tragen je nach Region und landwirtschaftlicher Intensität unterschiedlich stark zum globalen Artenverlust bei. Ölpflanzen verursachten der Analyse zufolge im Jahr 2020 einen Verlust von rund 1,5 Prozent der Tier- und Pflanzenarten. Drei Kulturen seien maßgeblich verantwortlich: Kokosnuss, Ölpalme und Sojabohne. Zusammen machen sie etwa 75 Prozent des durch Ölpflanzen verursachten Verlusts an biologischer Vielfalt aus, wie es in der Studie heißt.
Forschende: Verlust lässt sich nicht schnell aufhalten
Zwischen 1995 und 2020 nahm der Verlust an biologischer Vielfalt der Berechnung zufolge um rund 80 Prozent zu. Wichtigster Treiber sei der Konsum pro Kopf und nicht das globale Bevölkerungswachstum. Besonders betroffen seien tropische Regionen, wo für eine Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzfläche Ökosysteme etwa durch Entwaldung zerstört werden. Die treibende Kraft sei der Konsum in anderen Ländern, allen voran die EU, China und die USA. Während die EU hauptsächlich Palmöl importiere, hänge Chinas Einfluss vor allem mit Soja für Tierfutter zusammen.
Von heute auf morgen aufhalten ließe sich der Verlust nicht, mahnen die Forschenden: Auch die langfristige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen belaste die Ökosysteme. "Selbst wenn keine neue Entwaldung stattfindet, bleibt der Einfluss der aktuellen Landwirtschaft bestehen", sagte Pfister. Ein Abmildern sei aber auch direkt in den tropischen Regionen möglich. "Ein wichtiger Hebel ist, in den Produktionsländern in bessere Produktion und den Schutz von Ökosystemen zu investieren."