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Schnupfen, Grippe, Corona?Alle Daten zum aktuellen Infektionsgeschehen

19.02.2026, 09:32 Uhr
imageVon Martin Morcinek und Christoph Wolf
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Einfache Erkältung, echte Grippe oder doch Corona? Im Zweifel ärztlichen Rat einholen. (Foto: picture alliance/dpa)

Der Winter zieht sich in Deutschland in die Länge, die Grippewelle dauert an. Welche Erreger sind Mitte Februar im Umlauf? Ist das noch Schnupfen - oder doch schon Influenza, RSV oder gar Corona? Aktuelle Daten zeigen, wie sich die saisontypische Infektionslage in Deutschland entwickelt.

Das Infektionsgeschehen in Deutschland steht unter laufender Beobachtung: In Hunderten Arztpraxen, Laboren und Krankenhäusern halten Fachkräfte routinemäßig nach saisonüblichen Symptomen Ausschau. Seit Beginn der kalten Jahreszeit stellen sich mehr und mehr Patienten bei ihren Hausärztinnen und Hausärzten vor. Woran sind die Menschen in Deutschland derzeit vornehmlich erkrankt?

Die genaue Abklärung der Beschwerden und das Auftreten typischer Krankheitszeichen führen im Verdachtsfall zur näheren Prüfung. Sobald Hinweise auf eine meldepflichtige Infektion vorliegen - zum Beispiel mit Influenza-Erregern oder dem Coronavirus -, erfolgt umgehend eine Meldung an die Gesundheitsbehörden. Gesammelt und ausgewertet werden diese Daten beim Robert-Koch-Institut (RKI), das sich bei der Beobachtung der Krankheitslast in Deutschland auf eine Vielzahl verschiedener Quellen stützt. Ein Blick auf die Ergebnisse liefert Fachleuten eine gute Übersicht über die laufende Entwicklung.

Hinweis: Die Infografiken zum Infektionsgeschehen in Deutschland werden regelmäßig aktualisiert.

Die "Aktivität akuter Atemwegserkrankungen" wird Mitte Februar "weiterhin durch die Zirkulation von Influenzaviren bestimmt", heißt es in der aktuellen Lagebeurteilung des RKI. "Die Grippewelle hält weiter an, der Höhepunkt der Grippewelle scheint jedoch überschritten zu sein." Influenzaerkrankungen beträfen in der zurückliegenden sechsten Kalenderwoche (KW 07, 9. bis 15. Februar ) weiterhin "alle Altersgruppen". Die Zahl der Arztbesuche sowie die Zahl der Hospitalisierungen bleibe "in den letzten Wochen" jedoch "unter den Werten aus der Vorsaison".

Bei den Krankenhauseinweisungen verzeichnet das RKI bei den Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen (SARI) eine leicht rückläufige Entwicklung. Die Zahlen bewegen sich demnach weiter auf einem "moderaten Niveau". Die Grippewelle, die in Deutschland in diesem Winter "gemäß RKI-Definition" mit der 48. Kalenderwoche begonnen hatte, scheint bisher schwächer auszufallen als in den Vorjahren.

Ein Maßstab zur Einschätzung des aktuellen Krankheitsgeschehens in Deutschland ist die sogenannte ARE-Rate, die das RKI unter anderem anhand von Informationen aus dem Projekt Grippeweb berechnet. Angegeben wird mit der ARE-Rate der hochgerechnete Anteil der Bevölkerung, der in der jeweiligen Woche an einer "akuten respiratorischen Erkrankung" (ARE), also einer neu aufgetretenen Infektion der Atemwege erkrankt war. Der Vorteil: Die Angaben stammen direkt aus der Bevölkerung, die Daten entstehen also unabhängig von einem etwaigen Arztbesuch.

Die ARE-Rate zeigt jedoch nur einen groben Schätzwert. Aus den Bewegungen im Vergleich zur Vorwoche und vor dem Hintergrund der Entwicklungen in den Vorjahren lässt sich ein solider erster Eindruck zur Gesamtsituation ableiten. Sehr viel genauer sind die Meldedaten, die aufgrund einer im Labor bestätigten Infektion mit meldepflichtigen Krankheitserregern erfasst werden. Die Anzahl der gemeldeten Fälle liegt dabei naturgemäß unter der Zahl der tatsächlich Erkrankten - schlicht, weil längst nicht alle Infektionen erkannt und detektiert werden.

Am Beispiel der Corona-Infektionen lässt sich das durchspielen: Vom Meldesystem erfasst werden nur diejenigen Fälle, bei denen eine Ansteckung ärztlicherseits diagnostiziert oder per Labortest nachgewiesen wird. Obligatorisch getestet wird in Deutschland zum Beispiel nur noch in Krankenhäusern oder bei Verdachtsfällen.

Wer sich mit einer akuten Atemwegserkrankung krankmeldet und zu Hause bleibt, geht mitunter nicht als Corona-Fall in die Statistik ein. Die mutmaßliche Dunkelziffer der nicht erkannten Fälle muss entsprechend hoch angesetzt werden.

Beim RKI sind die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Beobachtungssysteme bekannt. "Nicht jeder, der Symptome einer akuten Atemwegsinfektion hat, geht in eine Arztpraxis und dort wird auch nicht jeder ARE-Patient getestet", heißt es dazu.

"Üblicherweise nehmen Ärztinnen und Ärzte nur bei einem Teil der Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen Proben aus den Atemwegen ab und lassen sie in einem Labor testen." Zur Abschätzung der tatsächlichen Krankheitslast reichen die Daten aus dem Meldesystem daher nur bedingt aus.

Die Meldedaten ermöglichen immerhin einen Überblick über die saisonalen Bewegungen im Infektionsgeschehen. Der Beginn der alljährlichen Grippewelle zum Beispiel ist in den Meldedaten gut zu erkennen. Im Sommer gehen die erkannten Influenza-Fälle regelmäßig zurück. Im Herbst - zu Beginn der Erkältungssaison - steigt das Fallaufkommen in der Regel langsam an.

Im Winter drängen sich die saisonüblichen Krankheitserreger in den Vordergrund. Erste Vorläufer der anstehenden Grippewelle waren im Herbst 2025 bereits früh zu erkennen. Die Zahl der übermittelten Fälle mit Influenzavirusinfektion legte seit Mitte November zu. Bis Mitte Februar blieb das Ausmaß der diesmal sehr früh angelaufenen Grippewelle jedoch deutlich unter dem Niveau der Vorjahre.

"Die Influenza-Positivenrate ist in den letzten zwei Wochen deutlich angestiegen", warnte das RKI Anfang Dezember mit Blick auf die Frühphase Ende November. Kurz darauf waren die dafür festgelegten Kriterien erfüllt: In mehr als einem Fünftel der in der Laborstichprobe analysierten Patientenproben aus dieser Woche fanden sich Influenza-Erreger.

Zum Vergleich: In der zurückliegenden Saison 2024/25 setzte die Grippewelle erst in der 51. Kalenderwoche und damit kurz vor dem Jahreswechsel ein. Der Höhepunkt war damals erst Anfang Februar erreicht. Danach ging die Zahl der erkannten Influenza-Ansteckungen von Woche zu Woche zurück. Erst weit im Frühjahr 2025, nach insgesamt 16 Wochen, konnte das RKI Anfang April 2025 die Influenzawelle für beendet erklären. Insgesamt wurden 393.452 Infektionen mit Influenzaviren erfasst. In der Vorsaison, die noch in die Spätphase der Coronavirus-Pandemie fiel, waren es insgesamt nur rund 212.700 Fälle.

Das RKI verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Impf-Prävention. Die Grippe-Impfquote sei in Deutschland zuletzt auf den niedrigsten Stand seit 17 Jahren gefallen, hieß es zu Beginn des Winters.

In der Saison 2024/2025 sank die Quote der Standardimpfung gegen Influenza in der Altersgruppe ab 60, für die eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission gilt, im Vergleich zur vorherigen Saison nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) um 4 Prozentpunkte auf nur noch 34 Prozent. Nur während der Corona-Pandemie (2020/2021) habe es einen vorübergehenden Anstieg gegeben.

Für Erwachsene empfohlene Impfungen würden generell zu wenig genutzt, warnten die Experten. Das RKI empfiehlt insbesondere älteren oder geschwächten Personen (Risikogruppen), die Impfungen noch nachzuholen. Eine Grippeschutzimpfung wird in Deutschland unter anderem Menschen ab 60, chronisch Kranken oder Schwangeren empfohlen.

Neben Corona und Influenza hält das RKI weitere Krankheitserreger im Blick. Infektionen mit Respiratorischen Synzytial-Viren (RSV) zum Beispiel stellen insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder, aber auch für ältere oder geschwächte Menschen eine Gefahr dar. RS-Viren können akute Atemwegsinfektionen auslösen. Unter Säuglingen sind RSV-Ansteckungen sogar die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen aufgrund akuter Atemwegsinfektionen. Seit Juli 2023 zählen RSV-Infektionen daher zu den bundesweit meldepflichtigen Erkrankungen.

Die Fallzahlen für RSV sind allerdings deutlich niedriger als bei anderen ansteckenden Atemwegserkrankungen. In der vorausgegangenen Saison 2024/25 zählte das RKI insgesamt knapp 67.900 Fälle. Da sich Grippe-, RSV- und Corona-Wellen jedoch überlagern und sich die Übertragungswege ähneln, ist in bestimmten Bereichen wie etwa Krankenhäusern, Schulen, Kitas und Horteinrichtungen sowie Alten- und Pflegeheimen besondere Umsicht geboten.

Seit Juni 2024 empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine vorsorgliche Impfung gegen RSV für alle Neugeborenen und Säuglinge. Seitdem hat sich die Zahl der übermittelten RSV-Fälle bei Säuglingen "mehr als halbiert", wie das RKI feststellt. Zusätzlich verweisen Experten zum Schutz vor RSV-Infektionen auf die bekannten Hygiene-Regeln.

Immerhin: Die grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen helfen im Übrigen auch gegen weitere ansteckende Atemwegserkrankungen wie etwa Infektionen mit Pneumokokken. Im Gegensatz zu Corona, Influenza und RSV handelt es hier um Bakterien, die den Nasenrachenraum des Menschen besiedeln - "überwiegend ohne dabei Symptome zu verursachen", wie das RKI betont.

Bei bereits geschwächten, sehr jungen oder älteren Patienten können diese Erreger jedoch "durch lokale Ausbreitung" Krankheiten der oberen Atemwege (Sinusitis) auslösen oder auch in die Lunge gelangen, wo es schlimmstenfalls zu einer Lungenentzündung kommt. Auch hier gibt es klare Impf-Empfehlungen, insbesondere für Säuglinge und für Menschen über 60.

Beim Keuchhusten erreichten die Fallzahlen 2024 ungewöhnlich große Ausmaße. Über mehrere Monate hinweg wurden in Deutschland mehr als 600 Fälle pro Woche registriert. Ausgelöst wird Keuchhusten (Pertussis) ebenfalls durch Bakterien. Anders als andere Atemwegsinfekte ist die Ausbreitung nicht an bestimmte Jahreszeiten gekoppelt. "Pertussis kommt ganzjährig vor, eine eindeutige Saisonalität lässt sich nicht beobachten", fasst das RKI zusammen. Seit 2013 ist Keuchhusten bundesweit meldepflichtig.

Nach mehreren Jahren mit vergleichsweise niedrigen Inzidenzen zwischen ein bis vier Pertussis-Fällen je 100.000 Einwohnern stieg die Pertussis-Inzidenz 2024 auf die höchsten Werte seit Einführung der Meldepflicht. Auch hier sind Säuglinge "in epidemischen Jahren" am stärksten betroffen. Infizierte Kleinkinder benötigen häufig eine Krankenhausbehandlung. Mittlerweile jedoch träten 60 Prozent aller Pertussis-Fälle bei Erwachsenen auf, warnen die Experten. Grund sei eine "unzureichende Umsetzung der empfohlenen Auffrischimpfungen", heißt es beim RKI.

Die Datenlage zeigt: Insgesamt wird das Infektionsgeschehen in Deutschland zwar längst nicht lückenlos, aber großflächig und auf mehreren Ebenen überwacht. Die verfügbaren Angaben reichen aus, um Veränderungen in Krankheitsverläufen und den Beginn neuer Infektionswellen zu erkennen.

Saisonales Infektionsrisiko

"Generell verbreiten sich Viren, die akute Atemwegserkrankungen auslösen, in der kälteren Jahreszeit besser, u.a. weil man mehr Zeit mit Menschen in Innenräumen verbringt. Innenräume werden aufgrund der niedrigeren Außentemperaturen häufig nicht so gründlich gelüftet und Atemwegserreger können sich in der Raumluft anreichern, wenn sich Personen mit Atemwegsinfektionen dort aufhalten. In Innenräumen ist dann die Übertragungswahrscheinlichkeit deutlich höher. Weitere Faktoren können eine Rolle spielen, beispielsweise die geringere Luftfeuchtigkeit oder die trockeneren (und damit anfälligeren) Schleimhäute der Menschen und eine generell schlechtere Immunabwehr im Winter als im Sommer." (Quelle: RKI)

Neben den Meldefällen, den Daten aus dem Grippeweb und den Abwasser-Stichproben steuern bundesweit auch etwa 700 sogenannte Sentinel-Praxen Angaben zum Patientenandrang und zur Häufung bestimmter Krankheitsbilder bei. Der daraus gewonnene Konsultationsindex liefert ergänzende Hinweise.

Im Nationalen Referenzzentrum für Influenzaviren des RKI wiederum werden jede Woche aus ganz Deutschland eingesandte Nasenabstriche von Patienten mit ARE-Symptomen analysiert. Die dabei festgestellten Erreger erlauben nicht nur Rückschlüsse zum Ausmaß etwaiger Krankheitswellen, sondern liefern auch belastbare Erkenntnisse zur Ausbreitung neuer Virustypen. Zusammen mit der Hospitalisierungsinzidenz aus den Krankenhäusern und den Daten aus den Intensivstationen ergibt sich eine Datensammlung, die ein umfassendes Lagebild ermöglicht.

Wie lange die Erkrankungswellen in diesem Winter anhalten, lässt sich nicht absehen. Im Vergleich zu den Vorjahren scheint sich die "Zirkulation von Influenzaviren und RSV" zwar wieder "vorpandemischen Mustern anzugleichen", heißt es. Doch für das Coronavirus Sars-CoV-2 und Covid-19 sei "weiterhin keine ausgeprägte Saisonalität erkennbar". Seit Mitte Oktober 2025 wurde das Infektionsgeschehen zudem auch "durch Rhinoviren und Sars-CoV-2 bestimmt". Rund um den Jahreswechsel rückten Corona-Infektionen in den Hintergrund - zumindest in der Laborstichprobe, die sich nur auf vergleichsweise kleine Zahl an Einsendungen stützt, trat Sars-CoV-2 nur noch vereinzelt auf.

Bei den im Labor analysierten Abstrichen wurden Coronaviren zuletzt nur "vereinzelt in der jüngsten Altersgruppe (0 bis 1 Jahr) und in der ältesten Altersgruppe (ab 60 Jahre) identifiziert", heißt es mit Blick auf die Ergebnisse aus der sechsten Kalenderwoche. Rhinoviren dagegen wurden "in fast allen Altersgruppen nachgewiesen". Der Anteil der Influenza-Fälle unter den schweren Atemwegsinfektionen übertraf im Krankenhaus Anfang Dezember bereits die Corona-Infektionen.

Bei den Influenzaviren lassen sich seit Beginn der Grippewelle "überwiegend Influenza A(H3N2)-Viren" nachweisen, seltener Influenza A(H1N1)pdm09-Viren. Es gibt demnach auch mit Blick auf Corona weiterhin keine Anzeichen für eine veränderte Risikolage, etwa durch neue Virusvarianten.

Lücken klaffen in der deutschen Infektionsabwehr an anderer Stelle: Bei Kindern liegen die Impfquoten dem RKI zufolge zwar weiter auf einem hohen Niveau. Allerdings würden die Impfserien oft zu spät oder gar nicht abgeschlossen werden. Zudem gebe es Defizite beim Schutz gegen Masern, "da ein relevanter Anteil der Kinder bis zum zweiten Geburtstag die zweite Masern-Impfung nicht erhält", heißt es. So fehlten im Jahr 2024 zum zweiten Geburtstag mehr als einem Fünftel der Kinder die zweite Impfung.

Quelle: ntv.de

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