Fasten gegen Entzündungen?Diese Diät könnte gegen Parodontitis helfen

Entzündetes Zahnfleisch lässt sich offenbar nicht nur im Mund behandeln - womöglich spielt auch der Stoffwechsel eine Rolle. Eine neue Studie zeigt, dass eine spezielle Ernährungsform Entzündungswerte bei Parodontitis senken kann.
Was auf dem Teller landet, könnte auch darüber mitentscheiden, wie stark das Zahnfleisch entzündet ist. Forschende aus London haben Hinweise gefunden, dass eine stark kalorienreduzierte, fastenähnliche Diät Entzündungsmarker bei Parodontitis senken kann - sowohl im Blut als auch direkt im Zahnfleischgewebe.
Parodontitis ist eine schwere Form der Zahnfleischerkrankung. Sie ist eine der häufigsten Volkskrankheiten in Deutschland und betrifft rund 14 Millionen Erwachsene. Auslöser sind bakterielle Beläge auf den Zähnen und in den Zahnzwischenräumen. Werden diese nicht gründlich entfernt, verhärten sie sich zu Zahnstein und es bilden sich tiefe Zahnfleischtaschen. Unbehandelt schädigt Parodontitis nicht nur Zähne und Zahnhalteapparat, sondern fördert schlimmstenfalls auch Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Problemen.
Heilbar ist die Krankheit nicht. Bislang wird sie standardmäßig mit professioneller Reinigung und konsequenter Mundhygiene therapiert. "Unsere Studie deutet aber darauf hin, dass auch Veränderungen des Lebensstils für Patienten neben dem richtigen Zähneputzen wichtig sein könnten" sagt Erstautor Giuseppe Mainas laut Mitteilung der Uni.
Für die Studie, die im Fachmagazin "Journal of Clinical Periodontology" erschienen ist, wurden 28 Patienten aus Kliniken in Spanien in zwei Gruppen eingeteilt. Alle erhielten eine professionelle Parodontalbehandlung. Eine Gruppe absolvierte zusätzlich dreimal innerhalb von sechs Monaten ein fünftägiges sogenanntes Scheinfasten, die andere ernährte sich wie gewohnt. Beim Scheinfasten nahmen die Teilnehmenden an zwei Tagen rund 1100 Kilokalorien zu sich, an den folgenden drei Tagen nur noch etwa 750. Danach wurde die Kalorienzufuhr schrittweise wieder erhöht. Die Kontrollgruppe ernährte sich wie gewohnt weiter.
Sinkende Entzündungswerte
Nach sechs Monaten zeigte sich ein Unterschied zwischen beiden Gruppen: Bei den Fastenden fanden die Forschenden niedrigere Entzündungsmarker im Blut und in der sogenannten gingivalen Sulkusflüssigkeit, also der Flüssigkeit aus dem kleinen Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch. Besonders auffällig war ein Rückgang des C-reaktiven Proteins (CRP), einem allgemeinen Entzündungsmarker im Körper. Auch Entzündungsmoleküle, die speziell mit dem Zahnfleisch zusammenhängen, waren in der Fastengruppe niedriger als bei der Kontrollgruppe.
Warum das so sein könnte, ist noch nicht abschließend geklärt. Studienleiter Luigi Nibali nennt in der Mitteilung mehrere mögliche Erklärungen: "Es könnte mehrere Gründe geben, warum Fasten für Patienten mit Zahnfleischerkrankungen vorteilhaft ist. Fasten senkt oxidativen Stress im Körper, eine häufige Ursache von Entzündungen, die Zellen und DNA schädigen kann." Auch kalorienreiche Nahrung und raffinierte Kohlenhydrate - etwa in Kuchen oder Keksen - könnten Entzündungen fördern. Zudem sei denkbar, dass Fasten das Mikrobiom positiv beeinflusst, also die Gemeinschaft von Bakterien, die den Körper gesund halten hilft. "Allerdings sind weitere Untersuchungen nötig, um diesen Zusammenhang zu bestätigen", so Nibali.
Fasten nicht für alle Patienten geeignet
Wichtig zu wissen: Die Studie ist klein und zeigt zunächst vor allem einen biologischen Effekt auf Entzündungsmarker, aber nicht, dass Fasten Parodontitis heilen oder die Zahnreinigung ersetzen könnte, wie die Autoren betonen. Ernährungsansätze wie fastenähnliche Diäten könnten künftig eher ergänzend zu klassischen Therapien untersucht werden, also zusätzlich zu professioneller Reinigung und guter Mundhygiene, so das Forschungsteam. "Jetzt, da wir diesen Zusammenhang gezeigt haben, möchten wir eine größere Studie durchführen, bevor wir das womöglich künftig in die Behandlung von Zahnfleischerkrankungen einbeziehen", sagt Erstautor Mainas.
Hinzu kommt, dass Fasten nicht für alle Menschen geeignet ist. Mainas weist ausdrücklich darauf hin, dass eine starke Nahrungsrestriktion für manche Gruppen riskant sein kann, etwa für Menschen mit Diabetes. Deshalb müsse ein solcher Ansatz gezielt für bestimmte Patientengruppen geprüft werden. Das Team arbeite bereits daran, wie sich mögliche Vorteile auch bei Hochrisikogruppen nutzen ließen, die nicht fasten können.