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Vorsicht bei Vorerkrankungen EM-Stress kann aufs Herz gehen

Emotionaler EM-Stress kann für Menschen mit Herzerkrankungen sehr gefährlich sein.

Emotionaler EM-Stress kann für Menschen mit Herzerkrankungen sehr gefährlich sein.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Fußballspiele sind für begeisterte Anhänger höchst emotionale Ereignisse und oftmals eine richtige Achterbahnfahrt der Gefühle. Doch der so erzeugte Stress kann besonders bei gesundheitlich Vorbelasteten schnell gefährlich werden.

Millionen Fans werden zur Fußball-Europameisterschaft in Frankreich wieder echte Krimis durchleiden - vor allem, wenn die deutsche Mannschaft am Sonntag in das Turnier einsteigt. Für manche kann das schmerzhaft oder sogar tödlich enden. Denn Fußball kann aufs Herz schlagen, wie zahlreiche Studien belegen.

Welche Gefahren drohen?

Statistiken zeigen, das Fußball-Großereignisse oftmals nicht nur mit einem Anstieg von Überfällen, Alkoholexzessen oder Verkehrsunfällen einhergehen, sondern auch vermehrt Herzinfarkte auftreten. "Emotionaler Stress, wie er bei einem spannenden Fußballspiel entstehen kann, verursacht oft einen Anstieg von Puls und Blutdruck", erklärt Thomas Meinertz von der Deutschen Herzstiftung. Bei Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung kann dies im Einzelfall bedrohlich werden.

Was genau kann emotionaler Stress auslösen?

Bei Menschen mit Herzerkrankungen kann es in den vorgeschädigten Gefäßwänden bei starkem Blutdruckanstieg und durch Ausschüttung von Stresshormonen zu kleinen Einrissen kommen, an denen sich Blutgerinnsel bilden, die zur Verstopfung der Herzkranzgefäße führen. Der Herzmuskel wird Meinertz zufolge dann nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt und kann in Teilen absterben. Es entsteht ein Herzinfarkt. Bei mangelnder Blutversorgung des Herzmuskels kann es auch zu Herzrhythmusstörungen kommen und im Extremfall zum plötzlichen Herztod.

Wie hoch ist das Risiko?

Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München untersuchten zur Fußball-WM 2006 in Deutschland anhand von Notarztprotokollen, wie sich emotionaler Stress auswirkt. Dabei zeigte sich, dass während der sieben Einsätze der deutschen Mannschaft fast dreimal so viele Patienten wegen akuter Herzprobleme in die Klinik mussten wie an anderen Tagen. Bei Menschen mit einer Erkrankung der Herzkranzgefäße war das Risiko sogar fast viermal höher. Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Studie in Großbritannien: An dem Tag, an dem die Engländer 1998 gegen den Rivalen Argentinien verloren, stieg die Zahl der Herzinfarktpatienten um 25 Prozent.

Wie können sich Fans vor einer Herzattacke schützen?

Patienten können vom Arzt prüfen lassen, ob ein zusätzlicher Blutdrucksenker (Betablocker) genommen werden muss. Notfalls aber heißt es: Weg vom Fernseher und warten, bis sich das Spiel entspannt. Denn jedes weitere Mitleiden und Wüten treibt den Stresspegel nach oben und erhöht das Infarktrisiko. Wer das Gefühl hat, dass der Blutdruck steigt, sollte sich hinlegen und eine Weile entspannen, raten die Experten.

Gilt das auch für gesunde Menschen?

Menschen mit einem gesunden Herzen sind durch den EM-Stress normalerweise nicht gefährdet. Gleichwohl sollten auch sie in den kommenden Wochen auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und einen mäßigen Alkoholkonsum achten, um das Herz-Kreislauf-System nicht zusätzlich zu belasten.

Ist auch Alkohol Stress für das Herz?

Auch zu viel Alkohol kann den Blutdruck erhöhen. Der Herzmuskel muss das Blut dann gegen einen hohen Widerstand in die Blutgefäße pressen, was oft eine enorme Belastung für das Herz ist. Große Alkoholmengen können zudem zu Herzrhythmusstörungen führen. Gegen ein Glas Bier oder Wein zum Spiel ist aber nichts einzuwenden.

Ein paar Chips dürfen aber sein?

Wer sich sonst ausgewogen ernährt, kann sich ruhig mal Kartoffelchips gönnen. Erwiesen ist, dass bei Chips allerdings oft der innere Stoppschalter versagt - ein Fall von Hyperhagie, also dem Drang, mehr zu essen, als nötig wäre, um den Hunger zu stillen. Ein halber Liter Bier und hundert Gramm - also knapp eine halbe Tüte - Kartoffelchips schlagen schon mit etwa 750 Kilokalorien zu Buche. Um die zu verbrennen, muss man je nach Gewichtsklasse und Geschlecht mehr als eine Stunde joggen.

Quelle: ntv.de, Andrea Hentschel, AFP