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Die "Falcon Heavy" von SpaceX an der Startrampe - es ist die derzeit leistungsstärkste Rakete der Welt.
Die "Falcon Heavy" von SpaceX an der Startrampe - es ist die derzeit leistungsstärkste Rakete der Welt.(Foto: SpaceX)
Sonntag, 04. März 2018

Milliardäre gen Mond und Mars: Ein neues Raumfahrtzeitalter dämmert

Von Kai Stoppel

Firmen dringen in den Kosmos vor: SpaceX startet die stärkste Rakete der Welt und Inhaber Musk plant bereits die erste Mars-Landung. Er ist jedoch nicht der einzige Milliardär mit Weltraum-Ambitionen. Ein erneuter Wettlauf ins All zeichnet sich ab.

Die Rivalität der Supermächte im Kalten Krieg trieb die Raumfahrt-Programme auf beiden Seiten zu fantastischen Leistungen an – bis 1969 sogar Menschen über den Mond hüpften. Doch nach dem Zusammenbruch des Ostblocks wurden aus Konkurrenten Partner. Öffentlichkeitswirksame und riskante All-Abenteuer rückten in den Hintergrund. Das könnte sich wieder ändern: Heute sind es nicht mehr Staaten, die im Weltraum wetteifern - sondern private Unternehmen.

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Im Mittelpunkt stehen die beiden Milliardäre Elon Musk und Jeff Bezos. Beide mit Tech-Unternehmen zu Geld gekommen – Musk mit PayPal und Tesla, Bezos mit Amazon - träumen sie von der Eroberung des Weltraums. In sechs Jahren bereits will Musk mit seiner Firma SpaceX eine bemannte Mission zum Mars schicken, die dort den Grundstein für eine außerirdische Stadt legen soll. Bezos plant einen Amazon-Lieferservice für den Mond – 2020 soll das erste Raumschiff seiner Firma Blue Origin auf dem Erdtrabanten landen und mit dem Aufbau einer Kolonie beginnen.

Das scheint ausgesprochen ambitioniert. Die US-Raumfahrtagentur Nasa etwa will nicht vor Mitte der 2030er-Jahre zu einer bemannten Mars-Mission aufbrechen. Eine zunächst geplante Rückkehr auf den Mond wurde mittlerweile komplett verworfen. Gleichzeitig ist SpaceX-Chef Musk für seinen Hang zur Gigantomanie und Effekthascherei bekannt - man denke nur an die Fotos des roten Tesla-Cabrios, das Anfang Februar mit einer Puppe hinterm Steuer ins All geschossen wurde. Seine bereits heftig kritisierten Mars-Pläne könnten nicht mehr sein als ein weiterer PR-Stunt.

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Doch bei aller gebotenen Skepsis: Musk und Bezos haben bereits bewiesen, dass ihre Firmen ohne staatliche Hilfe hochmoderne, wiederverwendbare Fluggeräte bauen können. SpaceX hat dabei die Nase vorn: Seit den ersten Tests im Jahr 2008 hat die Rakete "Falcon 9" rund 50 erfolgreiche Missionen absolviert, zahlreiche Satelliten ins All befördert und mit seinem Raumschiff "Dragon" mehrfach Nachschub zur Internationalen Raumstation ISS transportiert. Dazu kommt der bisher größte Erfolg mit dem reibungslosen Start der "Falcon Heavy" - der derzeit leistungsstärksten Trägerrakete der Welt.

Aber auch Blue Origin hat – jedoch weniger öffentlichkeitswirksam – bereits zahlreiche erfolgreiche Flüge mit seiner vollautomatischen und wiederverwendbaren Rakete "New Shepard" absolviert. Noch in diesem Jahr sollen mit ihr erstmals Menschen ins All transportiert werden, allerdings nicht bis auf einen Orbit um die Erde. Die Rakete soll künftig Weltraumtouristen befördern und wissenschaftliche Experimente in der Schwerelosigkeit ermöglichen.

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Mit ihren jüngsten Erfolgen steigt auch der Ehrgeiz der beiden Weltraum-Pioniere. Musk stellt nach dem Erfolg mit der "Falcon Heavy" ein ambitioniertes Projekt zurück, um ein noch ambitionierteres schneller zu erreichen: Der für dieses Jahr geplante Flug von zwei Weltraumtouristen rund um den Mond wurde abgesagt, um die Entwicklung einer noch mächtigeren SpaceX-Rakete voranzutreiben: der BFR.

Das Kürzel BFR soll für "Big Fucking Rocket" stehen. Und das ist wohl nicht untertrieben, denn von der Leistungsfähigkeit würde sie die bisher stärkste jemals gebaute Rakete übertreffen: die "Saturn V" des Mondflug-Programms der USA. Die BFR soll die bisherigen Raketen von SpaceX ersetzen und in allen Bereichen des Raumflugs zum Einsatz kommen. So soll sie sowohl Satelliten ins All befördern, als auch Menschen zum Mars transportieren. Bereits 2024 will Musk mit der BFR den Grundstein für eine Mars-Basis legen, die sich selbst erhalten kann. Es soll den Beginn der Menschheit als interplanetarer Zivilisation markieren, hofft er. Das Geld für diese Vision soll von den kommerziellen Aufträgen für SpaceX kommen.

Amazon-Lieferservice für den Mond

Auch Amazon-Chef Bezos treibt nach den ersten erfolgreichen Schritten seine Raumfahrtpläne voran. Auf die kleine "New Shepard" wird eine weitaus größere und leistungsfähigere – und ebenfalls wiederverwendbare - Trägerrakete folgen, welche es mit der "Falcon Heavy" von Musk aufnehmen soll: die zwei- bis dreistufige "New Glenn". In bereits zwei Jahren soll sie startklar sein und auch New Origin zu Flügen an (fast) alle Orte im Sonnensystem befähigen.

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Parallel will Bezos den Mond-Plänen der US-Raumfahrtagentur Nasa neues Leben einhauchen – der eigene Fracht-Transporter "Blue Moon" soll ab 2020 nach und nach Material und Wohnraum auf den Erdtrabanten befördern. Eine regelrechte Kolonie soll am Südpol des Mondes aufgebaut werden, wo Wasservorkommen liegen sollen und fast rund um die Uhr die Sonne scheint, was für die Energiegewinnung ideal ist. Allerdings will Bezos bisher – anders als Musk – keinen Alleingang wagen und setzt weiter auf die Zusammenarbeit mit der US-Raumfahrtbehörde.

Ob Musk und Bezos ihre hochfliegenden (Zeit-)Pläne realisieren können, müssen sie noch beweisen. Klar ist allerdings schon, dass auch Newcomer im Raumfahrt-Geschäft konkurrenzfähig gegenüber den bisherigen Platzhirschen – wie etwa der United Launch Alliance (ULA) der US-Konzerne Boeing und Lockheed Martin – sein können. Nicht ohne Grund drängen weitere Akteure aufs Feld – zuletzt Microsoft-Mitbegründer Paul Allen, der mit einem Riesen-Flugzeug ab 2019 mit Satelliten bestückte Raketen ins All schießen möchte. Das zeigt: Nach Jahren des Dornröschenschlafs ist ein neues Zeitalter der Raumfahrt bereits angebrochen.

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Quelle: n-tv.de