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Experten warnen seit Jahren Extremwetter-Vorhersagen wurden bestätigt

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Die Gefahr durch Hochwasser werde vor allem in Nord- und Westeuropa zunehmen, sagen Experten.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Die Wissenschaft warnt schon lange vor den Folgen des Klimawandels. Mit der Flutkatastrophe haben sich die Gefahren nun bewahrheitet, sagen Experten. Aktivistin Neubauer wirft der Regierung vor, die Folgen seit Langem zu verharmlosen, und fordert nun "echte Pläne".

Expertinnen und Experten sehen in der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands einen deutlichen Hinweis darauf, dass die Folgen der Erderwärmung nun vielerorts spürbarer werden. "Die Menschheit verlässt gerade den klimatischen Wohlfühlbereich", sagte der Kieler Klima-Wissenschaftler Mojib Latif auf einer Veranstaltung des Deutschen Klimakonsortiums (DKK).

Zwar lässt sich grundsätzlich kein unmittelbarer Kausalzusammenhang zwischen dem Klimawandel und einem einzelnen Extrem-Wetterereignis belegen. In der Klimaforschung gibt es jedoch einen breiten Konsens, dass die Erderwärmung die Wahrscheinlichkeit für solche Ereignisse massiv erhöht. Latif verwies auf bereits vor Jahren veröffentlichte Studien, wonach allein die Erwärmung des Mittelmeers zu mehr Extrem-Niederschlägen unter anderem in genau den Regionen Westdeutschlands führen werde, die von der aktuellen Katastrophe betroffen sind.

So warnen Wissenschaftler seit vielen Jahren vor den Gefahren, die die Anreicherung von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre mit sich bringt. Der Hydrologe Ralf Merz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle geht davon aus, dass bis zum Jahr 2050 Hochwasser vor allem in Gebieten in Nord- und Westeuropa zunehmend eine Bedrohung darstellen könnten. Der Grund dafür liege darin, dass wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen könne und zwar in einer Exponentialfunktion. So könne die Menge des Wasserdampfs, der dann zu Starkregen führen kann, bei einer Erwärmung der Luft um ein Grad um das Sieben- bis 14-fache zunehmen, erläuterte Latif.

Neubauer klagt Regierung an

Die DKK-Vorsitzende Astrid Kiendler-Scharr sagte, in Verbindung mit dem Klimawandel habe in den vergangenen 70 Jahren die Zahl der Tage mit Starkregen in Deutschland um fünf Prozent zugenommen. Zugleich sei dabei eine höhere Intensität zu beobachten. Dies sei ein Punkt, der deutlich mache: Der Klimawandel ist nicht nur real, sondern auch "er ist gefährlich", warb sie für raschere und entschiedenere Gegenmaßnahmen.

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Neben Wissenschaftlern fordern auch Umweltverbände und Klimaaktivisten ein konkreteres Handeln der Politik. Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer warf der Bundesregierung vor, die Folgen des Klimawandels seit langem zu verharmlosen. Sie fordere nun "echte Pläne". "Die Bundesregierung verhält sich bisher im Kern seit Jahrzehnten so, als könne uns die Klimakrise nicht wirklich etwas anhaben", sagte Neubauer. Das sei "nicht nur ignorant", es zerstöre auch Lebensgrundlagen, erklärte die prominente Fridays-for-Future-Aktivistin. Die Flutkatastrophe mit ihren Folgen, die Deutschland derzeit erlebe, sei "eben nicht nur ein großes Unglück", sagte Neubauer weiter. Sie sei "auch Konsequenz der politischen Weigerung, wissenschaftliche Warnungen ernst zu nehmen".

Die Wissenschaftlerin Kiendler-Scharr machte zudem deutlich, dass es auf jedes Zehntelgrad Erwärmung ankomme. Bei einer Erderwärmung um 1,5 Grad verglichen mit dem vorindustriellen Niveau seien Prognosen zufolge elf Prozent der Landfläche der Erde von mehr Starkregen-Ereignissen betroffen, bei einer Erwärmung um zwei Grad seien dies global bereits 21 Prozent.

Quelle: ntv.de, spl/AFP/dpa

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