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Vapen ist nicht harmlosForscher sehen Krebsgefahr durch E-Zigaretten

30.03.2026, 19:47 Uhr
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In Deutschland nutzen etwa 1,4 Millionen Menschen E-Zigaretten. (Foto: picture alliance / Sipa USA)

Ob Lifestyle-Produkt oder Alternative zur Kippe: E-Zigaretten sind beliebt. Viele Konsumenten halten sie sogar für deutlich harmloser als Tabak. Doch laut einer neuen Studie können nikotinhaltige Verdampfer ebenfalls die Entstehung von Tumoren fördern.

E-Zigaretten galten lange als weniger schädliche Alternative zum klassischen Rauchen. Doch neue wissenschaftliche Auswertungen zeichnen ein differenzierteres Bild: Der regelmäßige Konsum nikotinhaltiger E-Zigaretten könnte "wahrscheinlich krebserregend" sein - auch für Menschen, die zuvor nie Tabak geraucht haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Übersichtsarbeit australischer Forschender, die von "Oxford University Press" veröffentlicht wurde. Demnach gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass E-Zigaretten das Risiko für Lungen- und Mundhöhlenkrebs erhöhen könnten - auch wenn ein eindeutiger Beweis beim Menschen noch aussteht.

Das zentrale Problem: E-Zigaretten sind noch nicht lange genug verbreitet, um klassische Langzeitstudien zu ermöglichen. "Direkte epidemiologische Daten zur Krebsinzidenz bei ausschließlichen E-Zigaretten-Nutzern ohne Tabak-Vorexposition existieren praktisch nicht", erklärt der Krebsforscher Martin Widschwendter von der Universität Innsbruck, der nicht an der Studie beteiligt war. Lungenkrebs entwickle sich oft erst nach Jahrzehnten - entsprechend fehle bislang die nötige Beobachtungszeit.

Das sei jedoch "keine Entwarnung, sondern eine Frage der Zeit", sagt Widschwendter. Denn andere wissenschaftliche Hinweise seien bereits deutlich.

Schadstoffe und DNA-Schäden nachgewiesen

So zeigen Biomarker-Studien, dass E-Zigaretten-Nutzer erhöhten Konzentrationen bekannter krebserregender Stoffe ausgesetzt sind, heißt es in der aktuellen Analyse. Dazu zählen etwa Nitrosamine, flüchtige organische Verbindungen und Schwermetalle aus den Heizelementen.

Auch auf zellulärer Ebene gibt es demnach Hinweise: Beim Dampfen gelangen bestimmte chemische Stoffe in die Mundschleimhaut. Dort können sie die DNA der Zellen angreifen. Dabei entstehen sogenannte DNA-Addukte - das sind kleine chemische Veränderungen oder "Anheftungen" an die DNA. Diese Veränderungen sind problematisch, weil sie die normale Funktion der DNA stören können, Fehler beim Kopieren der Erbinformation begünstigen und langfristig Mutationen auslösen können. Solche DNA-Addukte gelten deshalb als Frühwarnzeichen für mögliche Krebsentwicklung.

In Tierstudien entwickelten zudem rund 22,5 Prozent der exponierten Mäuse Lungenkrebs, schreiben die Forscherinnen und Forscher. Insgesamt erfüllten E-Zigaretten-Aerosole mehrere zentrale Kriterien, die typischerweise mit krebserregenden Stoffen in Verbindung gebracht werden.

Kein harmloser Ersatz für Zigaretten

Allgemein anerkannte Bewertungen der Karzinogenität von Substanzen auf Basis der wissenschaftlichen Datenlage werden üblicherweise von Expertengruppen vorgenommen, die von der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (International Agency for Research on Cancer, IARC) eingesetzt werden. Eine solche Bewertung für E-Zigaretten liegt bislang nicht vor. Das bedeute jedoch nicht, dass sie als sicher gelten - sondern lediglich, dass die Beweislage noch nicht ausreiche, sagt Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Sie war ebenfalls nicht an der Studie beteiligt.

Aus Sicht der Studienautoren entspricht die aktuelle Datenlage am ehesten einer Einstufung als "wahrscheinlich krebserregend" (Gruppe 2A). Andere Experten sind zurückhaltender: So sieht Mons die Evidenz eher auf dem Niveau "möglicherweise krebserregend" (Gruppe 2B). Für eine höhere Einstufung fehlten bislang konsistente Langzeitdaten.

Einigkeit besteht unter den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dennoch in einem Punkt: E-Zigaretten sind nicht harmlos. "Das Aerosol von E-Zigaretten enthält Substanzen, die als gesichert oder wahrscheinlich krebserzeugend eingestuft sind", betont Mons. Zwar gilt ihr Krebsrisiko im Vergleich zu klassischen Tabakzigaretten als geringer - diese sind von der IARC eindeutig als krebserregend (Gruppe 1) eingestuft. Doch daraus lässt sich keine Unbedenklichkeit ableiten.

Quelle: ntv.de, hny

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