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Kernfusionsreaktor in Greifswald Wendelstein 7-X soll Dauerbetrieb testen

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Im experimentellen Fusionsreaktor Wendelstein-7-X wrd die Kernfusion erforscht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kernfusion könnte den Hunger der Menschheit nach sauberer Energie stillen - wenn sie nicht nur so unglaublich schwer zu bewerkstelligen wäre. In Greifswald wollen die Physiker den Forschungsreaktor Wendelstein 7-X nun im Dauerbetrieb testen.

Nach der Fertigstellung des Fusionsforschungsreaktors Wendelstein 7-X in Greifswald eröffnet Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger am kommenden Dienstag die nächste Phase der Experimente. Die Kernfusion im Reaktor soll die Prozesse in der Sonne nachvollziehen, die Technologie steckt aber noch im Stadium der Erforschung. Perspektivisch soll die Kernfusion einen Beitrag zur klimaneutralen Energiegewinnung leisten.

Davon träumen Physiker schon seit Jahrzehnten - entsprechend groß sind die Hoffnungen. Als Wendelstein 7-X im Jahr 2016 in Betrieb genommen wurde, kam auch die damalige Kanzlerin Angela Merkel. Die Fusionsanlage ist die größte ihrer Art vom Typ Stellarator. Nach Annahme der Greifswalder Forscher könnte dieser in einem Kraftwerk im Dauerbetrieb gefahren werden und damit dem pulsbetriebenen Fusionstyp "Tokamak" überlegen sein. Laut dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik ist der Dauerbetrieb die "wesentliche Eigenschaft" des Stellarators.

In der "Ostsee-Zeitung" formulierte Thomas Klinger von dem Institut in Greifswald das Ziel der ab Herbst geplanten Experimente. "Wir wollen in der Anlage Plasmapulse von bis zu 30 Minuten Länge bei 50 Millionen Grad erzeugen", sagte er. "Damit würden wir zeigen, dass der Fusionstyp 'Stellarator' für den Dauerbetrieb geeignet ist." Plasmapulse von dieser Länge und diesen Temperaturen seien bislang nirgendwo auf der Welt erzeugt worden.

Kernfusion: Tokamak und Stellarator

Wenn es um Kraftwerke geht, die aus Kernfusion Energie gewinnen sollen, tauchen immer wieder zwei Begriffe auf: Tokamak und Stellarator.

Damit sind zwei verschiedene Bauweisen gemeint, die aber dasselbe Ziel haben: Beide sollen ein zig Millionen Grad Celsius heißes Plasma mit einem Magnetfeld einschließen.
Der Unterschied: Beim Tokamak wird Strom durch das Plasma geleitet, der ein Magnetfeld erzeugt, das im Zusammenspiel mit einem weiteren Feld das Plasma einschließt.
Beim Stellarator fließt hingegen kein Strom durch das Plasma selbst. Das einschließende Magnetfeld wird von komplex verwundenden Spulen erzeugt.
Bei dem Experimentalreaktor Iter in Südfrankreich handelt es sich um einen Tokamak. Die Greifswalder Fusionsanlage "Wendelstein 7-X" hingegen ist ein Stellarator.

Die Höchstwerte lägen bei etwa 100 Sekunden. Fusionsenergie erzeugt Wendelstein 7-X demnach aber noch nicht. Dafür sei die Anlage zu klein, sagte Klinger in dem Interview. Für die Erzeugung von Energie aus Kernfusion sei eine deutlich größere Maschine nötig. Klinger rechnet nach eigenen Worten Mitte der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts mit einem Fusionskraftwerk, das tatsächlich Städte, Haushalte und Betriebe mit Strom und Wärme versorgt. "Vielleicht schon 2060."

(Dieser Artikel wurde am Freitag, 05. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, vpe/dpa

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