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Weg aus der Sackgasse gesucht Rettet Greentech unseren Planeten?

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Elektrische Flugtaxis gelten als grün und sexy - hier der Entwurf Pop.Up Next.

Die schlechten Nachrichten über die Erde häufen sich: Klimawandel, Artensterben, die Vermüllung der Meere. Schuld ist der Mensch und sein wachsender Ressourcenverbrauch. Einen Ausweg soll grüne Technologie bieten. In Berlin zeigt eine Ausstellung, wie das gehen könnte.

Die Weltwirtschaft ist auf Wachstum ausgelegt. Bisher fußt dieses auf dem Verbrauch von Ressourcen. Prominentes Beispiel ist das Erdöl. In immer schnellerem Tempo wird es aus der Erde gepumpt und zum Antrieb von Fahrzeugen, Schiffen und Flugzeugen genutzt. Immer mehr Personen und Waren werden damit befördert. Doch mit der Wirtschaft wachsen die Probleme: Das verbrannte Öl steigt als CO2 in die Atmosphäre, der daraus resultierende Klimawandel droht unsere Zivilisation zu gefährden.

Das Verschwenden von Ressourcen hat aber noch andere gravierende Folgen: etwa Wasserknappheit, ein massives Artensterben und die Vermüllung der Weltmeere. Das bisherige Erfolgsmodell der Wirtschaft, der Raubbau an Ressourcen, droht zur ökologischen Sackgasse zu werden. Doch wie kommt die Menschheit dort wieder heraus - ohne massiv an Wohlstand einzubüßen?

Eine mögliche Antwort darauf lautet: grüne Technologie, auch Greentech genannt. Sie soll natürliche Ressourcen bewahren und die schädigenden Auswirkungen von Produktion und Konsum auf die Natur so gering wie möglich halten. Bekanntestes Beispiel sind erneuerbare Energien. Sonnen- und Windkraft produzieren Elektrizität, stoßen dabei aber kein klimaschädliches CO2 aus. Dennoch sind auch sie nicht ohne Makel, da vergleichsweise teuer und mit großem Platzbedarf.

Greentech schafft Arbeitsplätze

Die Idee von grüner Technologie lässt sich auf weitere Lebensbereiche ausweiten: etwa den Umgang mit Rohstoffen, Mobilität, Ernährung und die Produktion fast aller Konsumgüter. Laut dem Bundesumweltministerium ist die deutsche Greentech-Branche derzeit auf dem Weg nach oben. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt soll bis zum Jahr 2025 von zuletzt 16 auf 19 Prozent steigen, die Zahl der rund 1,5 Millionen Beschäftigten jedes Jahr um fast sieben Prozent wachsen.

Eine Idee davon, welche "grünen" Produkte und Dienstleistungen auf dem Markt drängen, vermittelt derzeit das "Greentech Festival" in Berlin, nach Angaben des Veranstalters das erste seiner Art. Wenig verwunderlich: Das Thema elektrische Mobilität nimmt bei der Ausstellung viel Raum ein. Auf der Ausstellungsfläche im früheren Flughafen Tempelhof ist alles, was sich fortbewegen kann, elektrisch: Flugtaxis, Züge, Autos, Lieferfahrzeuge, Motorräder, Roller und Boote. Auch in der realen Wirtschaft verzeichnet die benzinfreie Mobilität das stärkste Wachstum aller grünen Technologien - bei den elektrischen Antrieben sind es mehr als 50 Prozent im Jahr.

Aber auch viele andere Bereiche der Greentech haben ihren Platz bei dem Festival - wenn sie auch meist weniger spektakulär daher kommen: etwa nachhaltige Bekleidung, Bio-Lebensmittel und platzsparende Wohnformen. Auch das Recycling von Plastikmüll, wiederverwertbare Verpackungen und ökologische Papierproduktion sind Themen der Ausstellung. Auf dem ehemaligen Flugfeld sorgt parallel ein Wettbewerb von Elektro-Rennautos für den nötigen dynamischen Touch. Dazu passt, dass Ex-Formel-Eins-Weltmeister Nico Rosberg ein Mitgründer des "Greentech Festivals" ist.

Liegt die Lösung eigentlich woanders?

Wird Greentech also die Erde retten? Kritiker sagen, dass die Vision von grüner Technologie einige Schönheitsfehler beinhaltet. Denn sie gaukele die Idee vor, dass die Menschheit munter weiter konsumieren könne - halt nur in "grün".

"Die Tatsache, dass eine Greentech-Vision nicht Wirtschaft, Politik oder unsere Lebensgewohnheiten in Frage stellt", sollte stutzig machen, kritisiert Samuel Alexander vom Institut für Nachhaltigkeit der Universität Melbourne bereits vor einiger Zeit im Online-Magazin "The Conversation". Verbesserungen in Technologie und Design seien nicht die einzige Lösung. Vielmehr müsse eine Art Mentalitätswandel bei den Menschen einkehren.

Dazu gehöre auch, argumentiert Alexander, den Konsum zu reduzieren und Gewohnheiten einzuschränken – ein Aspekt, der mit einer auf beständiges Wachstum ausgerichteten Wirtschaft nicht leicht zu vereinbaren ist. Die Vision des australischen Forschers sind also nicht Hightech-Drohnen, teure Hocheffizienz-Häuser und vertikale Farmen - sondern Urlaube in der Heimat, Pullover statt Heizungen und Gemüsebeete im eigenen Garten.

Womöglich sind es die knappe Zeit und der drohende massive Klimawandel, welche Unternehmen in Industrienationen zunächst nach bekannten Lösungen suchen lassen: Neue, "grüne" Technologie, welche die "falsche" Technologie der Vergangenheit ersetzen soll. Vielleicht ist es nur der verzweifelte Versuch, sich an die schlechten Gewohnheiten zu klammern, vielleicht aber auch ein Zeichen, dass der grüne Wandel in den Köpfen bereits in vollem Gange ist.

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Quelle: n-tv.de

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