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"Lockdown hat Insekten gutgetan" Schädlinge bedrohen Museumsschätze

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Die Kleidermotte profitiert laut der Konservatorin Hilary Jarvis von der "relativen Ruhe und Dunkelheit" in den Museen.

(Foto: picture alliance / imageBROKER)

Seit Monaten können britische Museen und historische Gebäude keine Besucher mehr empfangen. Insekten profitieren von den veränderten Gegebenheiten in den Gebäuden und entwickeln sich zur Plage. Nun erprobt die Organisation National Trust Verfahren zur Bekämpfung der Ungeziefer.

Schädlinge haben in Großbritannien von der Corona-Pandemie profitiert und sind in einigen Museen und historischen Gebäuden zur Plage geworden. Ihre Zahl habe 2020 um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen, ergab eine Analyse der Denkmalschutzorganisation National Trust.

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Eine Kleidermotten-Plage setzt dem Wandteppich in Blickling Hall zu.

(Foto: picture alliance/dpa/via PA Media)

"Es besteht kein Zweifel, dass der Lockdown den Insekten gutgetan hat", sagte Konservatorin Hilary Jarvis der Nachrichtenagentur PA zufolge. "Die relative Ruhe, Dunkelheit und fehlende Störungen durch Besucher und Mitarbeiter haben seit März perfekte Bedingungen für Larven und erwachsene Tiere gleichermaßen geboten." Auch Schimmelpilze seien vermehrt aufgetreten.

Im Kampf gegen Kleidermotten (Tineola bisselliella) testet die Organisation nun ein zweiseitiges Vorgehen. Zum einen wird eine winzige Wespe - Trichogramma evanescens - eingesetzt. Das nur 0,5 Millimeter kleine Insekt ist der Erzfeind der Kleidermotte, es legt seine Eier in deren Nester und stirbt dann.

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Außerdem werden als Pheromone bezeichnete Botenstoffe versprüht. Das soll männliche Kleidermotten verwirren und die Paarung verhindern. "Wir hoffen sehr, dass dieser wegweisende Ansatz eine praktische und nachhaltige Methode bietet, mit der in all unseren Objekten gegen schweren Befall vorgegangen werden kann", sagte Konservatorin Jarvis.

Zunächst laufen Tests mit der Doppelmethode im ostenglischen Herrenhaus Blickling Hall. Dort sind Kleidermotten zu einer Plage geworden. Gefährdet ist dort unter anderem eine Tapisserie, die den Sieg des russischen Herrschers Peter des Großen über die Schweden zeigt und dem damaligen Besitzer des Anwesens von Zarin Katharina der Großen geschenkt wurde.

Quelle: ntv.de, jru/dpa

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