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Kennedy befeuert ImpfskepsisSchock-Grafik zeigt Ausmaß der Masernausbrüche in den USA

31.01.2026, 13:40 Uhr Laura-StresingVon Laura Stresing
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In den USA wird die Masernimpfung in der Regel im Kindesalter als Kombiimpfstoff in zwei Dosen verabreicht. (Foto: dpa, Paul Hennessy/NurPhoto)

Im US-Bundesstaat South Carolina spielt sich derzeit der größte Masernausbruch seit über 20 Jahren ab. Kritiker sehen die Trump-Regierung in der Mitverantwortung. Denn Behörden, Präsident und Gesundheitsminister senden widersprüchliche Signale.

In den USA hat es in den ersten vier Wochen des neuen Jahres schon jetzt mehr Masernfälle gegeben als in den Jahren 2022, 2023 und 2024 zusammen. Das geht aus den Daten der US-amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC hervor, die wöchentlich aktualisiert werden und aktuell den Stand bis zum 29. Januar abbilden.

Demnach wurden allein in diesem laufenden Monat schon mehr als 588 neue Masernfälle an die CDC übermittelt. Die meisten davon gehen auf einen Ausbruch im Bundesstaat South Carolina zurück, der bereits im vergangenen Herbst begann und während der Feiertage im Dezember zusätzlich an Fahrt aufnahm. Betroffen sind nach CDC-Angaben vor allem ungeimpfte Kinder und Jugendliche. Mehr als ein Viertel der Erkrankten ist unter fünf Jahre alt.

Bei den Masern handelt es sich um eine hochansteckende Infektionskrankheit, die insbesondere bei kleinen Kindern zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann. Seit 1963 gibt es eine wirksame Impfung dagegen, die in den USA seit Anfang der Siebziger Jahre als kombinierte Standardimpfung noch vor dem Schuleintritt verabreicht wird. Vor gut 25 Jahren wurden die Masern in den USA offiziell für eliminiert erklärt, das heißt, sie werden seither nicht mehr als endemische Krankheit angesehen.

Trump-Regierung befeuert Impfskepsis

Doch diese medizinische Errungenschaft ist in Gefahr, warnen Fachleute. Denn während die Impfquote unter Schulkindern in vielen Bundesstaaten bedenklich sinkt, greifen immer größere Masernausbrüche um sich. Kritiker sehen eine Mitverantwortung im Weißen Haus. Schließlich trägt die US-Regierung unter Donald Trump einiges dazu bei, die Impfskepsis im Land zu befeuern. Der neue Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., selbst ein prominenter Impfgegner, ließ schon in seinem ersten Amtsjahr wichtige Expertengremien neu besetzen und den Impfkalender ausdünnen.

Offiziell räumt das Gesundheitsministerium zwar ein, dass die Masernimpfung der effektivste Weg sei, die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Dabei wird jedoch stets betont, dass die Impfung eine individuelle Entscheidung sei und dass keinerlei Druck ausgeübt werden soll. Zugleich senden der Gesundheitsminister und seine Vertrauten reichlich widersprüchliche Signale. Kennedy selbst spielt die Gefahren einer Maserninfektion gern herunter und propagiert unkonventionelle und potenziell gefährliche Behandlungsmethoden mit Vitaminen, Steroiden und Antibiotika.

Auch der US-Präsident äußert Zweifel an den bewährten CDC-Leitlinien zur Masernimpfung. Im vergangenen Herbst etwa sprach sich Trump in einem Social-Media-Post dafür aus, die bisher übliche MMR-Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln in Einzelimpfungen aufzuteilen. Fachleute warnen jedoch, dass die Impfbereitschaft dadurch weiter sinken könnte.

Die ersten Maserntoten seit gut zehn Jahren

Schon jetzt ist die Verunsicherung bei vielen Eltern groß. Der sprunghafte Anstieg bei den Maserninfektionen kommt nicht von ungefähr: Schon das Vorjahr war geprägt von mehreren ungewöhnlich heftigen Masernausbrüchen. Insgesamt wurden im Jahr 2025 mehr als 2260 Fälle registriert, so viele wie seit 30 Jahren nicht mehr.

Betroffen waren vor allem die US-Bundesstaaten Texas, South Carolina, Arizona, Utah und New Mexico. Allein ein Ausbruch in West Texas zwischen Januar und August führte zu mehr als 760 Fällen. Zwei Kinder starben. Es waren die ersten Maserntoten in den USA seit mehr als zehn Jahren.

Vor allem in den konservativen und streng religiösen Milieus verbreitet sich das Virus oft rasend schnell, das hat sich schon 2019 während eines Masernausbruchs in einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde in New York gezeigt. Die Stadt rief damals den medizinischen Notstand aus und führte eine lokale Impfpflicht ein. Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden gingen sprichwörtlich von Tür zu Tür, um Ungeimpfte gezielt anzusprechen. Selbst Trump, der auch damals schon amtierender US-Präsident war, warf seine Impfskepsis über Bord und forderte Eltern auf, ihre Kinder impfen zu lassen.

Daten der CDC zeigen unterdessen, dass die Impfbereitschaft seit der Corona-Pandemie im ganzen Land zurückgeht. Bundesweit ist die Impfquote unter Kindergartenkindern demnach zwischen 2019 und 2024 von 95,2 auf 92,5 Prozent gesunken. Um die Ausbreitung des Masernvirus zu stoppen, braucht es nach Einschätzung der Experten eine effektive Impfrate von mindestens 95 Prozent.

Auch in South Carolina verweisen Fachleute auf die ausgeprägten Impflücken im Zentrum des aktuellen Ausbruchs, in Spartanburg County. Dort kursiert das Virus vor allem an den Schulen, an denen viele Schüler aus religiösen Gründen von der Impfpflicht befreit sind. In mindestens 18 Fällen mussten Betroffene aufgrund von Komplikationen im Krankenhaus behandelt werden. Todesfälle wurden bisher nicht berichtet. Mehr als 550 Menschen befinden sich in Quarantäne.

Mehrere andere Bundesstaaten, von Kalifornien über Washington bis Ohio, haben bereits erste Fälle registriert, die sich auf Reiserückkehrer aus der betroffenen Region zurückführen lassen. Unterdessen zeichnet sich auch an der Grenze zwischen Arizona und Utah ein zweiter Masernausbruch ab. Die Fallzahlen für 2026 dürften also weiter steigen.

Gut 25 Jahre lang galten die Vereinigten Staaten von Amerika als ein Land, das die Masern erfolgreich bekämpft und offiziell eliminiert hat. Beobachter gehen davon aus, dass sich das bald ändern wird und dass der Eliminierungsstatus im Jahr 2026 offiziell aufgehoben wird. Im April tagt die panamerikanische Weltgesundheitsorganisation, um darüber erstmals zu beraten.

Quelle: ntv.de

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