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Spitfire gegen Hitlers LuftwaffeIm ersten Gefecht traf der britische "Feuerspucker" den Falschen

05.03.2026, 10:14 Uhr WZ-Reporter-Janis-peitsch-am-18-Oktober-2017Von Janis Peitsch
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Am 5. März 1936 absolvierte die britische Supermarine Spitfire ihren Erstflug. (Foto: picture alliance / Photo12/Collection Bernard Croch)

Im März 1936 startet die britische Supermarine Spitfire zum Jungfernflug. Der erste Kampfeinsatz endet mit einem fatalen Irrtum. In der folgenden Luftschlacht um England gegen Hitlers Luftwaffe reift der Jäger dennoch zu einer Ikone.

Am frühen Morgen des 6. September 1939 liegt leichter Dunst über der Grafschaft Essex. Hoch am Himmel reißt ein britischer Pilot seine Supermarine Spitfire in eine Kurve. Unter ihm tauchen zwei dunkle Silhouetten auf. Die Nervosität der ersten Kriegstage ist greifbar. Der Pilot drückt den Steuerknüppel nach vorn. Die Spitfire geht in den Sturzflug, ihre acht Maschinengewehre hämmern.

Erst Sekunden später wird klar: Es sind keine deutschen Jäger, die getroffen Richtung Boden trudeln, sondern Maschinen der eigenen Royal Air Force. Einer der Piloten wird von den MG-Schüssen tödlich getroffen. So geht das erste Gefecht der Spitfire als fataler Fehler in die Geschichte ein. Nur wenige Monate später jedoch wird das Flugzeug in der Luftschlacht um England zur gefeierten Legende.

"Die Supermarine Spitfire ist wohl das bekannteste Waffensystem Großbritanniens", sagt der Militärhistoriker Jens Wehner im Gespräch mit ntv.de. "Mit mehr als 20.000 gebauten Exemplaren ist sie zugleich das meistproduzierte Flugzeug des Landes. Für die deutsche Luftwaffe zählte sie zu den gefährlichsten Gegnern."

Dabei beginnt die Geschichte des "Feuerspuckers" holprig. 1931 schreibt das britische Luftfahrtministerium einen Wettbewerb für einen neuen Jagdeinsitzer aus. Gefordert sind hohe Geschwindigkeit und starke Feuerkraft, um gegnerische Jäger und Bomber vom Himmel zu holen. Der erste Entwurf der Firma Supermarine, die Type 224, enttäuscht. Da auch die Konkurrenz nicht überzeugt, wird kein Auftrag vergeben.

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Die elliptischen Tragflächen sind das Markenzeichen der Spitfire. (Foto: picture alliance / Heritage Images)

Doch das Unternehmen aus einem Vorort von Southampton gibt nicht auf. Chefkonstrukteur Reginald J. Mitchell entwirft einen radikal überarbeiteten Nachfolger: die Type 300. Mit ihrem schlanken Rumpf, dem leistungsstarken Rolls-Royce-Merlin-Motor und den aerodynamisch optimierten elliptischen Tragflächen überzeugt sie die Behörden.

Am 5. März 1936 hebt der Prototyp der Spitfire zum Jungfernflug ab. Zwei Jahre später erhält die Royal Air Force die ersten Serienmaschinen. Mitchell selbst erlebt diesen Meilenstein nicht mehr. Er stirbt 1937 im Alter von nur 42 Jahren an Darmkrebs. Als im September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbricht, sind bereits mehr als 300 Spitfires im Dienst.

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Über der Kanalküste trifft der britische Jäger im Mai 1940 erstmals auf seinen späteren Hauptgegner, die Messerschmitt Bf 109. Dabei zeigt sich: Die Spitfire ist ebenbürtig. Häufig entscheidet nicht die Technik, sondern die Erfahrung der Piloten über Sieg oder Niederlage. Die Messerschmitt hat Vorteile bei Steigrate und Beschleunigung. Die Spitfire überzeugt mit Wendigkeit und hoher Geschwindigkeit in bestimmten Höhenbereichen. "Kein deutscher Jägertyp konnte im Kurvenflug mithalten", sagt Historiker Wehner.

In der Luftschlacht um England wird die Spitfire zur Ikone, obwohl die robustere Hurricane mit etwa 60 Prozent der Abschüsse die Hauptlast der Kämpfe trägt. Während Hurricanes vor allem die Bomber angreifen, binden Spitfires die Begleitjäger. "Die Deutschen hatten großen Respekt vor der Spitfire", so Wehner. "In Gefechtsberichten tauchte sie fast reflexhaft als Gegner auf - selbst dann, wenn tatsächlich eine Hurricane beteiligt war, die als unterlegen angesehen wurde." In der britischen Literatur sei dieses Phänomen als "Spitfire-Snobbery" bekannt.

Im Verlauf des Krieges kommt die Spitfire an allen Fronten zum Einsatz. Um mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten, entstehen immer neue Versionen: stärkerer Motor, verbesserte Propeller, veränderte Tragflächen und schwerere Bewaffnung. Insgesamt entstehen 21 Hauptversionen und zahlreiche Untervarianten.

Im Laufe der Jahre verdoppeln sich Motorleistung und Steigfähigkeit, die Maximalgeschwindigkeit erhöht sich um rund ein Drittel. Die späten Varianten erreichen über 730 Kilometer pro Stunde. Mit dem Aufkommen der Düsenflugzeuge endet die Ära der Spitfire dann allerdings. 1947 läuft die Produktion aus, bis Mitte der 1950er Jahre bleibt sie bei der RAF noch im Dienst. Marinevarianten kommen im Koreakrieg Anfang der 50er Jahre zum Einsatz.

Aus dem Militär verschwindet die Spitfire, aus dem kollektiven Gedächtnis aber nicht. Sie steht in Museen, fliegt bei Gedenkveranstaltungen und ist fester Bestandteil der britischen Erinnerungskultur. Noch heute kennt auf der Insel praktisch jedes Kind "the plane that saved Britain".

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Prinz Harry 2014 an Bord einer Spitfire. (Foto: picture alliance / empics)

Mehr als 50 Exemplare sind weltweit noch flugfähig. Auch Prinz Harry nimmt bei mehreren Veranstaltungen im Cockpit Platz. "Die Spitfire ist in Großbritannien bis heute eine Ikone", sagt Wehner. "Sie symbolisiert den Widerstandswillen, als das Vereinigte Königreich allein gegen Nazi-Deutschland stand und nicht kapitulierte."

Quelle: ntv.de

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