Welpe aus RusslandTollwut-Virus bei totem Hund in Rheinland-Pfalz entdeckt

In Deutschland gibt es seit Jahren so gut wie keine Tollwutfälle mehr. Doch jetzt stirbt ein aus Russland importierter Hund an dem gefährlichen Virus. Laut Bundestierärztekammer war der Impfpass des Tieres gefälscht. Experten warnen vor den Risiken unzureichend geprüfter Gesundheitsnachweise.
Ein importierter Hund ist in Rheinland-Pfalz an der Tollwut gestorben. Der Impfpass des aus Russland stammenden Welpen sei wahrscheinlich gefälscht gewesen, teilte die Bundestierärztekammer (BTK) mit. "Dieser Fall zeigt, wie schnell die tödliche Viruserkrankung wieder eingeschleppt werden kann."
Der Welpe hatte Verhaltensauffälligkeiten gezeigt und war in Quarantäne gekommen, wie der Rhein-Pfalz-Kreis mitteilte. Dort sei er gestorben. Bei anschließenden Untersuchungen auf verschiedene Viruserkrankungen wurde der Tollwut-Erreger nachgewiesen.
Die Veterinärbehörde habe sämtliche Kontakte ermittelt und diese informiert, hieß es. Eine Gefahr für andere Tiere in der Region bestehe nicht. Das infizierte Tier war der Kreisverwaltung zufolge mit anderen Hunden und Katzen transportiert worden, die für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Belgien und Frankreich bestimmt waren. Über Prüfergebnisse zu diesen Tieren ist bislang nichts bekannt.
Deutschland gilt seit 2008 als frei von terrestrischer (erdgebundener) Tollwut. Vereinzelt gibt es Fälle bei Fledermäusen: Sie können Träger von Lyssaviren sein und über einen Biss oder Kratzer Tollwut auf den Menschen übertragen. In Rheinland-Pfalz war landesweit erstmals 2010 im Eifelkreis Bitburg-Prüm Tollwut bei einer Fledermaus nachgewiesen worden. Es gibt zudem auch Fälle durch importierte Tiere - so auch der aktuelle Fall.
Tollwut verläuft tödlich - auch beim Menschen
Klassische Tollwut wird durch das Rabiesvirus verursacht. Sie wird meist durch Bissverletzungen infizierter Säugetiere wie Füchse, Hunde oder Waschbären übertragen und verläuft - auch beim Menschen - unbehandelt fast immer tödlich. Erhalten Betroffene nach einem möglichen Tollwut-Kontakt sofort spezielle Impfungen, kann die Erkrankung verhindert werden. Sobald klinische Symptome beginnen, ist keine Heilung mehr möglich. Das bedeutet: Treten bei Infizierten Krämpfe, Lichtscheu und Abneigung gegen Wasser auf, verläuft die Krankheit fast immer tödlich.
Für Menschen ist die Wahrscheinlichkeit extrem gering, sich in Deutschland mit Tollwut zu infizieren. Laut RKI sind seit 2001 sechs Erkrankungen übermittelt worden. Zuletzt starb 2007 ein Mann an der Krankheit, nachdem er von einem streunenden Hund in Marokko gebissen worden war. 2005 erkrankten drei Empfänger durch die Organe einer infizierten Spenderin und starben.
"Tierschutz darf öffentliche Gesundheit nicht gefährden"
In anderen Regionen der Welt ist Tollwut weiterhin ein großes Problem. So ereignen sich mehr als 95 Prozent der tödlichen Tollwutfälle beim Menschen in Asien und Afrika, wo überwiegend streunende Hunde die Überträger sind. Die Bundestierärztekammer (BTK) warnte daher mit Blick auf den aktuellen Fall vor den Risiken unzureichend geprüfter Gesundheitsnachweise bei Hunden aus dem Auslandstierschutz. "Tierschutz darf nicht zur Gefährdung der öffentlichen Gesundheit führen", mahnte BTK-Präsident Holger Vogel. Ob und welche Menschen, die Kontakt zu dem betroffenen Hund hatten, im aktuellen Fall vorsorglich Impfungen erhielten, ist noch nicht bekannt.
Die ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung Tierärzten, Jägern, Forstpersonal und allen Menschen, die in Kontakt mit möglichen infizierten Tieren kommen könnten. Zudem sollten sich Reisende in Länder mit Tollwutgefahr vorher impfen lassen. Bei Hunden ist eine Tollwutimpfung in Deutschland nicht verpflichtend, wird aber von Tierärzten empfohlen.