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Verkorkste SpaceX-Raketenmission US-Spionagesatellit gilt als verschollen

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Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der US-Militärsatellit "Zuma" bei der SpaceX-Mission verglüht.

(Foto: AP)

Es wäre ein herber Rückschlag für das Weltraumunternehmen SpaceX und seinen Chef Elon Musk: Nach dem Start einer Falcon-Rakete fehlt vom Satelliten "Zuma" jede Spur. Dieser gehörte offenbar dem US-Militär und war wohl für Spionagezwecke gedacht.

Ein teurer und geheimer US-Spionagesatellit dürfte endgültig verloren gegangen sein. Er hat laut Branchen- und Regierungsvertretern an Bord einer SpaceX-Rakete die vorgesehene Umlaufbahn nie erreicht. Inzwischen seien Kongressvertreter über den Fehlschlag informiert worden. Die von Florida aus mit einer Falcon-Rakete gestartete und intern als "Zuma" bezeichnete Nutzlast ist allem Anschein nach zurück in die Atmosphäre abgestürzt. Offenbar klappte die Abtrennung vom oberen Teil der Rakete nicht so wie geplant.

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Sobald das Triebwerk des oberen Teils der Rakete nicht mehr feuert, sollte sich ihre Nutzlast eigentlich von ihr abtrennen und einen eigenen Weg einschlagen. Doch wenn ein Satellit nicht zum richtigen Zeitpunkt abgetrennt wird oder beschädigt ist, kann ein Absturz zurück in Richtung Erde die Folge sein. Doch bislang machen weder das Unternehmen Northrop, das den Satelliten baute, noch der Raketenkonzern SpaceX des Milliardärs Elon Musk genaue Angaben zum Geschehen. Beide verweisen auf die Geheimhaltungspflicht für den Militärsatelliten.

Weiterhin ist unklar, welche Aufgabe der Satellit hatte oder welche US-Behörde den Satelliten in Auftrag gegeben hatte. Wie bei Geheimmissionen üblich durfte SpaceX vor dem Liftoff keine Angaben zur Nutzlast machen. Die südkalifornische Firma will dieses Jahr mehr als 25 Missionen stemmen. Im Vorjahr waren es noch 18. Zudem sollen noch vor Jahresausklang US-Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS gebracht werden.

Milliarden im All verpulvert?

Im Prinzip hätte "Zuma", der laut einigen Branchenvertretern auf einen Wert von mehreren Milliarden US-Dollar geschätzt wird, bereits Mitte November in eine Erdumlaufbahn geschossen werden sollen. Doch Raumfahrtingenieure von SpaceX wollten noch neuere Daten zu einem Schutzschild für den Satelliten betrachten, die sich durch einen anderen Kunden ergeben hatten. Zu jenem Zeitpunkt schwieg sich SpaceX dazu aus, warum weiter getestet werden sollte.

Während der Startphase signalisierte SpaceX keinerlei Probleme mit dem Schutzschild oder damit verbundener anderer Hardware. Seitdem schweigt sich der Konzern dazu aus, ob genau dieses Thema zum Fehlschlag führte. Die fehlenden Details zum tatsächlichen Geschehen könnten darauf hindeuten, dass andere Faktoren als eine gescheiterte Abtrennung zum Fehlschlag führten. Da das Pentagon selbst immer noch keinen neuen Erdtrabanten aufführt, gilt ein Fehlschlag als wahrscheinlich.

SpaceX will Schwerrakete starten

Für die rasch wachsende SpaceX, die sich als zuverlässiger Billiganbieter für das Pentagon etablieren möchte, kommt die gescheiterte Mission zur Unzeit. Der Konzern konkurriert gerade um mehr Raketenstarts von nationaler Sicherheit gegen seinen Hauptrivalen, ein Gemeinschaftsunternehmen von Boeing und Lockheed.

Läuft alles nach Plan, wird SpaceX noch diesen Monat den Jungfernflug für seine lange angekündigte Falcon-Schwerrakete vornehmen. Die Rakete kommt auf 27 Triebwerke, die über mehr Leistung als 18 Boeing-747-Maschinen verfügt. Trotz gewisser Fortschritte halten sich unter Branchen- und Regierungsvertretern der Geheimdienste Vorbehalte gegenüber Musks mitunter unkonventionellen Geschäftspraktiken.

Quelle: ntv.de, cri/DJ