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Die US-Botschaft in Havanna könnte Ort eines Anschlag mit Wellen geworden sein.
Die US-Botschaft in Havanna könnte Ort eines Anschlag mit Wellen geworden sein.(Foto: Alejandro Ernesto, imago)
Montag, 03. September 2018

Strahlenangriff in Havanna?: Ursache für Diplomaten-Krankheit entdeckt

Von Jana Zeh

Summen, Zirpen, Schaben: Die mysteriösen Symptome von US-Diplomaten und deren Angehörige ist für die amerikanischen Geheimdienste rätselhaft. Doch neueste Untersuchungsergebnisse geben nun eine neue Ermittlungsrichtung vor.

2016 erkranken mehrere Diplomaten der USA an einer mysteriösen Krankheit. Sie hören Phantomgeräusche und fühlen sich schlecht. Einige sollen sogar ihr Gehör verloren haben. Zu ihrer Sicherheit werden die Betroffenen ausgeflogen und in den USA eingehend medizinisch untersucht. Der Verdacht, dass Kuba selbst oder dessen Verbündete hinter den mysteriösen Symptomen von fast drei Dutzend US-Diplomaten und deren Familienangehörige in Havanna stehen, liegt nah. Die unspezifischen Symptome, wie das Hören von Phantomgeräuschen, Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten, Sprachstörungen und sogar Hirnschwellungen ließen damals allerdings keine Rückschlüsse auf die Ursache zu.

Die Frage die sich diesbezüglich stellte: Gab es eine natürliche Ursache, die die Beschwerden hervorgerufen haben oder handelte es sich um einen perfiden Angriff mit einer bisher unbekannten Waffe? Bisher waren weder den Geheimdiensten der USA noch Medizinern Quellen bekannt, die solche Symptome hervorrufen könnten. Auch Ultraschall, Mikrowellen oder andere unsichtbare Angriffe mit ähnlichen Mitteln wurden in den bisherigen Untersuchungsergebnissen ausgeschlossen. Doch das ist nun anders.

Nach der Neuerkrankung von US-amerikanischen Mitarbeitern des Konsulats in China im Mai 2018 und einem US-Diplomaten auf Kuba mit sehr ähnlichen Symptomen wurden erneut Untersuchungen zu den Fällen aufgenommen. Zudem wurde eine Task-Force zu Klärung der Vorfälle eingerichtet, teilte US-Außenminister Mike Pompeo laut CNN mit.

Erst Ausschluss, jetzt Zustimmung

Douglas H. Smith hält als Leiter einer Untersuchung zu diesen Vorkommnissen Mikrowellen nun doch für die mögliche Ursache der Erkrankungen der Diplomaten, schrieb die "New York Times". Der Direktor des Center for Brain Injury and Repair der University of Pennsylvania sagte: "Zuerst waren alle relativ skeptisch. Aber alle waren sich einig, dass da etwas ist." Smith, der in seinem Bereich im März dieses Jahres Mikrowellen als Verursacher ausgeschlossen hatte, stimmt nun neuesten Untersuchungsergebnissen von Beatrice Golomb von der University of California in San Diego zu.

Die Medizinerin hatte sich mit ihrem Team in einer Studie die Auswirkungen von gepulsten Radio- und Mikrowellen angeschaut und Übereinstimmungen bei den Symptomen der Diplomaten entdeckt. Vor allem das Hören von klickenden, summenden oder zirpenden Geräuschen, von denen die betroffenen Diplomaten berichtet hatten, sei auf gepulste Strahlung im Bereich von 2,4 bis 10.000 Megaherzt zurückführbar, wird Golomb in einer Mitteilung der Universität zitiert. Solche Phantomgeräusche entstehen, wenn die Strahlungspulse das Gehör aufheizen und dann schallähnliche Reize ausgelöst werden. Das Hören von Mikrowellen ist seit 1961 als sogenannter Frey-Effekt bekannt und geht auf den amerikanischen Neurologen Allan H. Frey zurück.

"Alles passt"

"Alles passt", schreibt Golomb weiter und meint damit die weiteren Symptome, über die die Diplomaten noch klagten. Auch Schlafstörungen und kognitive Ausfälle könnten durch Mikrowellen ausgelöst werden. Die Medizinerin stellte über Hirnscans bei den erkrankten Diplomaten außerdem Schwellungen des Gehirns und Veränderungen in der weißen Hirnmaterie fest. Auch diese Schädigungen stimmen mit den Schädigungen von mit Radio- und Mikrowellen bestrahlten Personen überein und stützen damit die Untersuchungsergebnisse von japanischen Forschern von 2012.

Für Golomb ist damit eindeutig geklärt, dass die mysteriöse Diplomaten-Krankheit durch Strahleneinwirkungen ausgelöst wurden. Durch wen oder wie und ob diese als Angriff mit einer bisher unbekannten Waffe ausgelöst wurden, versuchen nun die Geheimdienste der USA herauszufinden.

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Quelle: n-tv.de