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Studien zu britischer Mutation Virusvariante B.1.1.7 soll doch tödlicher sein

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Mutierte Viren, die zum Tod ihres Wirtes führen, haben aus evolutionärer Sicht keine gute Strategie.

(Foto: imago images/MiS)

Der britische Premierminister Johnson äußert den Verdacht, dass die Sars-CoV-2-Mutation B.1.1.7 nicht nur ansteckender, sondern auch tödlicher ist als andere Stämme. Neuesten Studien zufolge ist dieser Verdacht berechtigt. Doch für Rückschlüsse ist die Datenlage zu schwach.

Die Sterblichkeit durch Infektionen mit der Sars-CoV-2-Mutation B.1.1.7 ist offenbar höher. Das hat die Gesundheitsbehörde Public Health England auf der Grundlage verschiedener Untersuchungen in einer Zusammenfassung mitgeteilt. Die Behörde widerspricht damit bisherigen Annahmen. Bekannt war bereits, dass die Virus-Mutation, die sich von Großbritannien aus weltweit verbreitet, bis zu 70 Prozent ansteckender ist als andere Virusstämme von Sars-CoV-2.

Doch vier neuere Studien, die während einer Zusammenkunft von Experten mit der Bezeichnung "New and Emerging Respiratory Virus Threats Advisory Group", kurz NERVTAG, vorgestellt wurden, kommen jetzt zu einem anderen Ergebnis: Laut einer Untersuchung der London School of Hygiene and Tropical Medicine erhöht sich die Fallsterblichkeit innerhalb von 28 Tagen um 35 Prozent - und zwar in allen Altersklassen. Auch die Forschenden des Imperial College kommen in ihren Auswertungen zu ähnlichen Ergebnissen. Bei den Untersuchungen der University Exeter ergibt sich sogar eine doppelt so hohe Sterblichkeit durch die Mutation B.1.1.7 im Vergleich zu anderen Stämmen.

Viele Fragen sind noch ungeklärt

Angesichts dieser Zahlen halten die Experten von NERVTAG es durchaus für möglich, dass eine Infektion mit der Virus-Mutation das Sterberisiko erhöht. Allerdings sei die Zunahme der Sterblichkeit durch B.1.1.7 nicht so drastisch, schlussfolgern sie in ihrer Mitteilung. Auf der Grundlage der bisherigen Erkenntnisse gehen sie davon aus, dass von 1000 60-Jährigen, die sich mit herkömmlichen Sars-CoV-2-Stämmen infiziert haben, 10 Menschen daran sterben. Durch eine Infektion mit der neuen Variante steige diese Zahl auf 13 bis 16 Todesfälle an.

Doch auch diese Zahlen lassen aus wissenschaftlicher Sicht noch keine klaren Rückschlüsse zu. In den aktuellen Untersuchungen wurden bisher nur acht Prozent aller Covid-19-Todesfälle im Land einbezogen. Davon seien nur relativ wenige mit der B.1.1.7-Variante infiziert gewesen.

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Zudem gibt es eine Reihe von Einflussfaktoren auf den Verlauf von Covid-19, die mit den bisherigen Untersuchungen nicht berücksichtigt werden konnten. Dazu gehören Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Vorerkrankungen und sogar die Auslastung der Kliniken. Sogar die Tatsache, dass im Winter generell die Sterberate für Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen, unabhängig von Sars-CoV-2, erhöht sei, müsse dem Virologen Julian Tang zufolge berücksichtigt werden.

"Wir brauchen viel mehr Daten, bevor wir solche Schlüsse ziehen", betont David Strain von der University of Exeter in Bezug auf die Ergebnisse. Dennoch ist bereits klar, dass sich diese Virusvariante besser als sein Vorgänger an die menschliche Zelle binden kann. Durchaus denkbar wäre, dass es durch die Mutation öfter zu Überreaktionen des Immunsystems und demzufolge zu schweren Verläufen kommt, die bei einer Reihe von Patienten zum Tod führen. Doch bereits in der Vergangenheit hatte das Virus schon einige Male anders agiert als gedacht.

Quelle: ntv.de, jaz