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Nicht nur selbst verschuldet Warum Covid-19 für Männer gefährlicher ist

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Bei den Infektionen liegen Frauen und Männer gleichauf, aber Männer erkranken und sterben häufiger.

(Foto: REUTERS)

An den durch das Coronavirus ausgelösten Covid-19-Erkrankungen sterben deutlich mehr Männer als Frauen. Das ist nicht nur in Deutschland so, sondern auch in anderen Ländern. Doch warum ist das so und sind die Männer gar selbst schuld?

Das Robert-Koch-Institut gibt die Geschlechteraufteilung bei den Corona-Toten derzeit so an: 64 Prozent sind Männer, 36 Prozent Frauen. Dabei trifft die Covid-19-Erkrankung Frauen und Männer gleichermaßen (jeweils 50 Prozent). Doch Männer sterben öfter daran und das ist nicht nur in Deutschland so.

In Spanien liegt der Männeranteil bei 65 Prozent, in China waren ebenfalls bereits rund 64 Prozent der Corona-Toten männlich. Die Epidemiologin Marcia Stefanick von der Stanford-Universität im US-Bundesstaat Kalifornien legt sich deshalb bereits fest: "Wir haben eine höhere Sterblichkeit unter Männern."

Die Gründe liegen nach Ansicht von Wissenschaftlern in einer Kombination verschiedener Faktoren. Stefanick macht beispielsweise das Rauchen für die erhöhte Sterblichkeit mitverantwortlich. Das Coronavirus befällt besonders die Atemwege. Sind diese durch jahrelanges Rauchen vorgeschädigt, kann das Virus den Schaden irreparabel machen. In China rauchen zehn Mal mehr Männer als Frauen, auch in Italien gibt es 4,5 Millionen Raucherinnen und 7 Millionen Raucher. In Deutschland sind die Zahlen jedoch nicht so eindeutig. Hier rauchen 31 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen. Trotzdem ist die Covid-19-Sterblichkeit fast identisch mit denen der anderen Länder.

Vorsorge und Hormone

Offenbar sind andere Faktoren schwerwiegender. Schon bei der Sars-Epidemie 2003 starben mehr Männer, wie die Studie eines internationalen Forscherteams belegt. Das liegt auch an der insgesamt schlechteren Gesundheitsvorsorge von Männern. Der Stiftung Männergesundheit zufolge spielt für viele Männer die eigene Gesundheit eine untergeordnete Rolle. "Sie missachten häufig körperliche Warnsignale und der Gang zum Arzt wird als Eingeständnis von Schwäche gewertet." Männer nähmen Gesundheitsrisiken in Kauf, um ihrer Rolle im Beruf und Privatleben gerecht zu werden und erkennen ernste Erkrankungen daher häufig erst spät, nicht selten zu spät.

Hinzu kommt die Tatsache, dass das weibliche Immunsystem stärker ist als das von Männern. Marcus Altfeld, Virologe am Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie, sagte dem "Spiegel", dass "Frauen mit den meisten viralen Infektionen besser zurechtkommen als Männer". Demnach bauen Frauen schneller eine Immunreaktion auf und können die Vermehrung von Viren besser kontrollieren.

Altfeld begründet das mit der unterschiedlichen Hormonlage bei Männern und Frauen. Das weibliche Östrogen stimuliere das Immunsystem, während das männliche Testosteron es hemme. Auch die Tatsache, dass Frauen zwei X-Chromosomen besitzen und Männer nur eins, wirkt sich aus. "In den vergangenen zwei bis drei Jahren hat man herausgefunden, dass viele der Proteine, die die Immunantwort steuern, auf dem X-Chromosom liegen", so Altfeld. "Daher treten viele der immunregulatorischen Moleküle, die für die Immunantwort wichtig sind, bei Frauen stärker in Erscheinung als bei Männern." Das würde auch erklären, warum weniger Frauen mit Covid-19 auf der Intensivstation landen und beatmet werden müssen. Häufig entwickeln sie gar nicht erst die starke Lungenentzündung, die bei Männern dann schließlich zum Tod führt.

Quelle: ntv.de, sba