Wissen

Effekte im Blut messbarWarum essen in Gemeinschaft gesünder ist als allein

01.10.2026, 14:25 Uhr
00:00 / 03:09
578184395
Der Blutzuckerspiegel wird bei denen besser reguliert, die gern mit anderen Menschen zusammen essen. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Ein Essen in Gemeinschaft wird für viele im Alltag zur Herausforderung. Eine aktuelle Untersuchung zeigt jedoch, wie wichtig es für die Stoffwechselgesundheit ist, mit nahen Personen zu speisen. Die Forschenden finden auch eine passende Bezeichnung für das Phänomen.

Ob mit Freunden oder in Familie: Wer seine Mahlzeiten zusammen mit geliebten Menschen einnimmt, kann etwas für die Regulierung seines Blutzuckerspiegels tun. Das hat ein Forschungsteam der Hebräischen Universität Jerusalem in Israel herausgefunden. Den Forschenden zufolge kann Gemeinschaft bei Mahlzeiten dazu beitragen, dass der Blutzuckerspiegel langsamer und gleichmäßiger ansteigt als beim allein essen. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin "Science Advances" veröffentlicht.

Für die Untersuchung bekamen 108 Studienteilnehmende zweimal etwas mehr als 100 Gramm Weißbrot zu essen. In einem ersten Szenario aßen sie das Brot allein, in einem zweiten war eine enge Bezugsperson dabei. Während des Essens und über den Zeitraum von zwei Stunden danach wurde bei den Probanden und Probandinnen die sogenannte glykämische Reaktion gemessen. Diese beschreibt, wie stark und wie schnell der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr eines kohlenhydrathaltigen Lebensmittels ansteigt und wie schnell er wieder abfällt. An ihr kann also direkt abgelesen werden, wie der Körper auf bestimmte Nahrungsmittel reagiert.

Bei der Auswertung der Daten sahen die Forschenden, dass beim Essen in Gemeinschaft die Blutzuckerwerte weniger stark anstiegen und sogar schneller zum Ausgangswert zurückfielen im Vergleich zum Essen allein. "Bei der Blutzuckerregulierung geht es nicht nur darum, was wir essen, sondern auch darum, mit wem wir essen", erklärt Shir Atzil von der Hebräischen Universität Jerusalem in Israel laut einer Mitteilung. Die Forschenden fassten diesen Effekt unter dem Begriff der Sozialphysiologie zusammen, der besagt, dass sich der menschliche Körper in Gegenwart sozialer Partner effizienter reguliert.

"Gemeinsam funktionieren unsere Körper besser."

"Früher betrachteten wir den Körper als ein isoliertes System, das sich selbst reguliert", so die Wissenschaftlerin. Die aktuellen Ergebnisse zeigten jedoch, dass die menschliche Physiologie von Natur aus sozial sei. Die Forschenden gehen davon aus, dass die Nähe zu einem geliebten Menschen den Energieaufwand des Körpers für die Selbstregulation verringert. "Dies bietet uns einen direkten metabolischen Vorteil und offenbart einen zentralen evolutionären Grund dafür, warum Menschen überhaupt Bindungen eingehen: Gemeinsam funktionieren unsere Körper besser", fasst Atzil zusammen.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Stoffwechselgesundheit nicht nur von der Nahrung an sich abhängt, sondern auch von den Menschen, mit denen man isst. Soziale Beziehungen unterstützten möglicherweise nicht nur das Gefühlsleben, sondern tragen auch zur Regulierung grundlegender Körperfunktionen bei, schreibt das Forschungsteam. Dazu könnten auch die Temperaturregulationen und Stressreaktionen gehören.

Quelle: ntv.de, jaz

FamilieÜbergewichtErnährungDiabetes