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Wettlauf der NationenWarum wollen alle wieder zum Mond?

10.04.2026, 20:18 Uhr RTL01903-2Von Kai Stoppel
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Illustration eines Einsatzes des europäischen Mondlanders "Argonaut" auf der Mondoberfläche. (Foto: ESA–ATG)

Nach Ende der "Apollo"-Mondlandemissionen Anfang der 1970er Jahre war es lange ruhig um den Mond geworden. Doch seit einigen Jahren steigt die Zahl der Missionen stark an: Sonden umkreisen den Mond, Roboter fahren über seine Oberfläche und sammeln Material. Die USA schicken mit "Artemis 2" erstmals wieder Menschen um den Mond herum, eine Landung soll folgen. Auch China, Europa und Russland haben Pläne für den Mond. Aber was sind die Interessen dieser Staaten? Eine Übersicht.

USA

Was wollen die USA auf dem Mond? Die derzeit reichste und mächtigste Nation der Erde verfolgt mit ihrem Mondprogramm verschiedene Ziele: Neben der wissenschaftlichen Erforschung des Mondes selbst soll dieser auch als Basis für bemannte Flüge zum Mars dienen. Zudem geht es den USA um die wirtschaftliche Erschließung des Mondes - und um Machtprojektion: Die "Führungsrolle der USA im Weltraum" soll bekräftigt werden, heißt es auf der Webseite des Weißen Hauses. Dabei spielt auch die wachsende Konkurrenz zu China eine Rolle.

Was sind die konkreten Pläne? Kern der US-Bemühungen ist das "Artemis"-Programm mit der Schwerlastrakete "SLS" (Space Launch System), dem Raumschiff "Orion" und zwei kommerziellen Landeeinheiten, dem "Starship HLS" von SpaceX und "Blue Moon Mark 2" von Blue Origin. Letztere befinden sich noch in der Entwicklung. Ursprünglich geplante Elemente wie die Mondraumstation "Gateway" stehen nach den aktuellen US-Budgetvorschlägen auf der Kippe - stattdessen will die Nasa eine dauerhaft bewohnbare Mondbasis auf der Oberfläche errichten.

Wie sieht der Zeitplan der USA aus?

  • "Artemis 3": Nach neuen Plänen soll bei dieser Mission 2027 noch nicht auf dem Mond gelandet werden - geplant sind Tests zum Docking zwischen Raumschiff und kommerziellem Lander - ob einer oder beide, ist noch unklar.

  • "Artemis 4": Ist schließlich als erste bemannte Landung auf dem Mond vorgesehen, 2028 soll es so weit sein. "Artemis 5" und "Artemis 6" sollen etwa im Jahresrhythmus folgen.

  • Aufbau der Mondbasis: Ab 2029 soll der Bau beginnen.

  • Mondbasis: Ab 2032 soll die Mondbasis zumindest zeitweise von Menschen bewohnt werden.

China

Was will China auf dem Mond? China will bis 2030 Menschen auf dem Mond landen, danach ist der Aufbau einer dauerhaften Forschungsstation geplant. Dahinter steckt nach Sicht von Experten der Anspruch auf technologische Gleichrangigkeit mit den USA und das Streben, diesen nicht allein die Herrschaft über den Mond überlassen zu wollen. China will aber auch forschen und mit seiner Monderkundung das "menschliche Verständnis vom Ursprung und der Entwicklung des Mondes und des Sonnensystems" vertiefen, wie Lin Xiqiang, stellvertretender Direktor der China Manned Space Agency, zur geplanten bemannten Mondlandung sagte.

Was sind die konkreten Pläne? China setzt bei seinem Mondprogramm sowohl auf robotische als auch auf bemannte Missionen. Die Roboter laufen unter dem "Chang'e"-Programm: Die noch für 2026 geplante "Chang'e-7"-Mission soll am Südpol des Mondes nach Wassereis suchen, unter anderem mit einer hüpfenden Sonde. "Chang'e-8" soll testen, wie Mondressourcen für den späteren Aufbau der von Menschen bewohnbaren "International Lunar Research Station" (ILRS) genutzt werden können. Diese soll zusammen mit Russland und weiteren Partnerländern entstehen.

Für die bemannte Erkundung des Mondes setzt China auf fünf Hauptelemente: die Schwerlastrakete "Langer Marsch 10", das Raumschiff "Mengzhou" ("Traumschiff"), den bemannten Mondlander "Lanyue" ("Umarmung des Mondes") und den bemannten Mondrover "Tansuo". All diese Elemente sind bisher noch in der Entwicklungs- oder Testphase.

Wie sieht Chinas Zeitplan aus?

  • "Chang'e-7": Noch 2026 soll die Sonde am Südpol des Mondes landen.

  • "Chang'e-8": Für 2028 ist die Landung geplant. Sie soll den Aufbau der Mondbasis vorbereiten.

  • Unbemannter Test mit dem Raumschiff "Mengzhou": für 2026 geplant.

  • Erste chinesische Mondlandung: nach derzeitigen Plänen noch vor Ende 2030.

  • Mondbasis (ILRS): soll ab den 2030er Jahren aufgebaut werden. Der volle Betrieb der Station soll ab 2035 möglich sein.

Europa

Was will Europa auf dem Mond? Europa setzt beim Mond bisher vor allem auf internationale Kooperation mit westlichen Staaten wie den USA, Kanada und Japan. Eine Mondlandung im Alleingang ist bisher nicht geplant. Europäer wollten im Rahmen des "Artemis"-Programms auf dem Mond landen - ob es dabei bleibt, ist unklar. Gleichzeitig strebt Europa nach Autonomie: Derzeit werden Systeme entwickelt, die einen unabhängigen Zugang zum Mond ermöglichen. Laut dem Generaldirektor der europäischen Raumfahrtbehörde Esa, Josef Aschbacher, will Europa eine "entscheidende Rolle" bei der Rückkehr der Menschheit zum Mond und der künftigen Erforschung des Weltraums spielen.

Was ist konkret geplant? Die Esa steuert für das US-Mondraumschiff "Orion" das europäische Servicemodul bei, das für alle Erde-Mond-Flüge des "Artemis"-Programms unverzichtbar ist. An der Mond-Raumstation "Lunar Gateway" wollte sich die Esa ebenfalls beteiligen, die Umsetzung ist nach den geänderten "Gateway"-Plänen der USA jedoch unsicher.

Die zentrale europäische Eigenentwicklung ist "Argonaut", ein unbemannter europäischer Mond-Lander, der auf der europäischen Rakete "Ariane 6" gestartet werden soll. Er soll bis zu 1,5 Tonnen Fracht auf die Mondoberfläche bringen - von Lebensmitteln, Wasser und Luft für Astronauten über Rover und wissenschaftliche Instrumente bis zu Infrastruktur für Kommunikation und Energieerzeugung. Mit "Moonlight" soll zudem ein Satelliten-Netz für den Mond aufgebaut werden, das ähnlich wie GPS und Mobilfunk auf der Erde funktionieren soll.

Wie sieht Europas Zeitplan aus?

  • "Moonlight": Der erste Satellit "Lunar Pathfinder" soll 2026 den Betrieb aufnehmen. Erste "Moonlight"-Dienste sind für Ende 2028 geplant, der Vollbetrieb für 2030.

  • "Argonaut": Die erste operative "Argonaut"-Mission ("ArgoNET") ist für 2031 vorgesehen.

Russland

Was will Russland auf dem Mond? Russland verfolgt ein ambitioniertes Mondprogramm, unter anderem als Juniorpartner Chinas bei der Mondstation ILRS. Auch eine eigene bemannte russische Mondlandung ist angedacht, gilt derzeit aber als unrealistisch. Denn Russlands Raumfahrt leidet unter Budgetproblemen und dem Verlust westlicher Kooperationen nach Beginn des Angriffs auf die Ukraine 2022. Ein Rückschlag war auch der Ausfall des Mondlanders "Luna-25" im Jahr 2023.

Was sind die konkreten Pläne? Russland setzt bei der Monderkundung auf das robotische "Luna"-Programm: Die geplanten "Luna"-Missionen umfassen Orbiter zur Identifizierung von Landeplätzen am Südpol und zwei Lander. Auch Proben vom Mond sollen mit einer weiteren Luna-Mission zurück zur Erde gebracht werden. Der bemannte Teil des russischen Mondprogramms hängt vom neuen Raumschiff "Orel" und einer noch nicht fertigen Schwerlastrakete ab: das "Yenisei"-Schwerlastprogramm wurde Ende 2023 faktisch eingefroren. Zudem ist Russland neben China offiziell Mitgründer der Mondbasis ILRS.

Wie sieht Russlands Zeitplan aus?

  • "Luna"-Programm: Ab 2028 soll "Luna-26" starten, weitere Starts des Programms sollen bis 2036 folgen.

  • Bemannte russische Mondmissionen: frühestens in den 2030er Jahren, realistisch nach 2036.

Quelle: ntv.de

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