Wissen

Temperaturen von über 30 GradWie gut kann man sich an Hitze gewöhnen?

27.06.2026, 07:57 Uhr
00:00 / 02:52
Berlin-Deutschland-Bei-Temperaturen-um-die-35-Grad-liegen-Menschen-auf-einer-Wiese-im-Schatten
Wer sich bei Temperaturen ab 30 Grad Celsius länger im Freien aufhält, sollte das unbedingt im Schatten tun. (Foto: picture alliance / dts-Agentur)

Die hohen Temperaturen im Land sind belastend. Da stellt sich schnell die Frage, ob man sich nicht allmählich daran gewöhnen kann. Eine Expertin liefert die Antworten und warnt gleichzeitig vor den gesundheitlichen Gefahren durch Hitze.

Können wir Menschen uns an Hitze gewöhnen? Tatsächlich gibt es einen gewissen Anpassungseffekt - aber der hat Grenzen. "Innerhalb einer Hitzewelle wird es für den Menschen von Tag zu Tag, je länger die Hitzewelle andauert, eher belastender", erklärt die Medizin-Meteorologin vom Deutschen Wetterdienst Kathrin Graw im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Vor allem, wenn auch die Erholung in der Nacht fehlt, wenn die Nächte ebenfalls warm bleiben und sich dadurch die Schlafqualität verschlechtert, dann kann die Hitze am nächsten Tag schlechter verkraftet werden."

Auch die Gefahr tödlicher Hitzefolgen steigt mit der Dauer einer Hitzewelle, wie der DWD in einer Studie ermittelt hat. "Je länger die Hitze anhält, desto mehr Menschen sterben", betont Graw. Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen stürben etwa bis zu 18 Prozent mehr Menschen am elften sowie zwölften Tag einer Hitzewelle verglichen mit Zeiträumen ohne Hitze. An den ersten Tagen einer Hitzewelle liegt die hitzebedingte Übersterblichkeit dieser Gruppe bei 8,5 Prozent.

Dennoch sei der Mensch in der Lage, sich im Laufe eines Sommers etwas an Hitze anzupassen, erklärt die Medizin-Meteorologin. Dies berücksichtige der DWD bei seinen Warnungen: Der Schwellenwert, ab dem Hitzewarnungen herausgegeben werden, ist demnach am Anfang des Sommers oder nach einer kühleren Phase niedriger als am Ende des Sommers. So liege die Schwelle für Warnstufe 1 üblicherweise bei 32 Grad gefühlter Temperatur. Sie könne am Anfang des Sommers sowie in Norddeutschland auch darunter liegen, jedoch auch auf bis zu 34 Grad gefühlter Temperatur ansteigen.

Unterschiede zwischen Norden und Süden

Durch die Klimakrise werden Hitzewellen in Deutschland häufiger und intensiver. Lernt unser Körper auch langfristig, besser damit zu leben? Laut Graw gibt es hierfür gewisse Hinweise, die aber ebenfalls sehr begrenzt sind. "Im Süden leben die Menschen schon länger mit Hitze", so die Expertin. Die hitzebedingte Sterblichkeit liege im Süden etwas unter jener im Norden und in der Mitte Deutschlands.

"Die langfristige Anpassung an höhere Temperaturen wird aber auch nicht unbegrenzt möglich sein. Vor allem nicht, wenn die Änderungen, an die sich der Körper anpassen muss, sehr schnell ablaufen", warnt Graw. "Der Temperaturanstieg durch den Klimawandel hat sich in den letzten Jahren ja leider beschleunigt." Besonders für Ältere, Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen ist Hitze eine gesundheitliche Gefahr.

Quelle: ntv.de, jaz/dpa

TodesursacheHitzewelleGesundheit