Wissen

Zehn Maßnahmen Wie sich das Krebsrisiko senken lässt

imago66375547h.jpg

Eine der zehn Maßnahmen: regelmäßige moderate Bewegung. Die beiden hier müssen nachher tauschen.

(Foto: imago/Westend61)

Jeder Zweite von uns bekommt im Laufe seines Lebens Krebs - sagt die Statistik. Eine Lebensweise, mit der sich die gefürchtete Krankheit garantiert verhindern ließe, gibt es nicht. Doch einige Maßnahmen können das Krebsrisiko deutlich reduzieren.

Obwohl die Krebssterblichkeit in Deutschland seit Jahren zurückgeht, die Lebenserwartung Betroffener stark gestiegen ist und mehr als die Hälfte von ihnen auf dauerhafte Heilung hoffen kann, ist Krebs die Krankheit, vor der die Menschen am meisten Angst haben. Es gibt keine Lebensweise, mit der sich die Entwicklung von Tumoren garantiert verhindern ließe. Man kann alle Tipps zur Prävention beherzigen und dennoch Krebs bekommen. Doch einige Maßnahmen können das Risiko für die gefürchtete Krankheit deutlich senken. Wer nicht raucht, auf Alkohol verzichtet, sich gesund ernährt, Sport treibt und schlank bleibt, hat das Krebsrisiko schon um etwa die Hälfte reduziert. Zehn Maßnahmen im Einzelnen:

Krebsinformationsdienst

Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums berät bei Fragen zur Vorbeugung und Früherkennung, bei der ersten Orientierung nach einer Krebsdiagnose und bei allen weiteren Fragen im Verlauf einer Erkrankung. Er ist kostenlos täglich von 8 – 20 Uhr unter der Rufnummer 0800-420 30 40 erreichbar sowie per Mail: krebsinformationsdienst@dkfz.de

1. Nicht rauchen: Neun von zehn Lungenkrebserkrankungen bei Männern sind auf das Rauchen zurückzuführen, bei Frauen mindestens sechs von zehn, schätzt das Robert-Koch-Institut. Und es ist nicht alleine die Lunge, die durch den Tabakkonsum in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Ebenso können die Mundhöhle oder der Magen, der Darm, die Nieren oder auch die Blase betroffen sein. "Durch das Rauchen ist das Risiko für sehr viele und auch sehr häufige und problematische Tumorarten erhöht", sagt Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, im Gespräch mit n-tv.de. "Wer aufhört zu rauchen, kann die gesundheitsgefährdende Entwicklung zumindest teilweise rückgängig machen." Je früher das geschieht, umso besser, denn umso stärker gleicht sich das Krebsrisiko wieder dem Niveau eines Nichtrauchers an. Da ist allerdings Geduld gefragt. Bis sich der Körper vom Rauchen erholt hat, "kann Jahre bis Jahrzehnte dauern", sagt die Medizinerin.

2. Alkohol meiden: Auf das Konto von Alkohol gehen vor allem Tumore im Magen-Darm-Trakt, aber auch das Brustkrebsrisiko beispielsweise steigt durch Alkoholkonsum. Große Mengen sind dafür nicht erforderlich. "Wer regelmäßig wenig trinkt", sagt Weg-Remers, "kommt alles im allem nicht besser weg als jemand, der gelegentlich viel trinkt." Anders ausgedrückt: Einen risikoarmen Alkoholkonsum gibt es nicht. Am besten wäre es daher, auf Bier, Wein und Co. zu verzichten. Wer das nicht möchte, sollte als Mann pro Tag nicht mehr als einen halben Liter Bier oder einen Viertelliter Wein zu sich nehmen, für Frauen gilt die Hälfte. Mindestens zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein. "Falls man Alkohol trinkt, dann möglichst zu den Mahlzeiten", rät Weg-Remers. Und am besten nicht in Kombination mit einer Zigarette, auch wenn die für viele Menschen zu Wein und Bier dazugehört. "Die wechselseitigen Risiken von Alkohol und Rauchen addieren sich nicht einfach auf, sondern verstärken sich gegenseitig", sagt die Expertin vom DKFZ.

3. Darmkrebsvorsorge nutzen: Sie hat kein so gutes Image, ist aber sehr wirkungsvoll: Eine Darmspiegelung kann Krebs verhindern. Bei der Untersuchung lassen sich nämlich schon Krebsvorstufen erkennen und direkt entfernen. Der Helmholtz-Gemeinschaft zufolge starben im Jahr 2015 rund 25.000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs. Bis zu 90 Prozent dieser Todesfälle hätten vermieden werden können, wenn alle Männer ab 50 und Frauen ab 55 Jahren zur Darmspiegelung gegangen wären. Der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Otmar Wiestler, plädiert daher eindringlich dafür, dass Menschen im entsprechenden Alter explizit per Post zu einer von den Kassen gezahlten Darmspiegelung eingeladen werden. Ab 55 Jahren besteht auch jetzt schon die Möglichkeit zur Untersuchung. Und wird dabei nichts gefunden, beruhigt die Darmspiegelung auf lange Sicht: Das Risiko, innerhalb der folgenden zehn Jahre an Darmkrebs zu erkranken, ist dann sehr gering.

4. Vor Sonne schützen: "UV-Strahlung ist eindeutig krebserzeugend – egal, ob von der Sonne oder im Solarium", sagt Weg-Remers vom DKFZ. "Und es gibt keinen Grenzwert, mit dem man noch hundertprozentig sicher wäre." Zu viel Sonne kann zum einen akute Schäden verursachen: den Sonnenbrand. Zum anderen können sich die Schäden, die durch UV-Strahlung an der Erbinformation entstehen, im Laufe der Zeit summieren. "Die Haut vergisst nichts", so die Expertin. Also eincremen, Sonne meiden und entsprechende Kleidung tragen. Bloß: Wie sorgt man dann für einen gesunden Vitamin-D-Haushalt? "Säuglinge sollte man ganz klar vor der Sonne schützen. Sie erhalten bis zum ersten Lebensjahr Vitamin-D-Tabletten", sagt die Medizinerin. "Bei Kindern und Erwachsenen reicht es, wenn sie im Sommer zwei- bis dreimal pro Woche Gesicht und Arme für zehn Minuten der Sonne aussetzen." Da der Körper Vitamin D speichern kann, bringt einen die Menge, die er im Sommer gebildet hat, auch noch durch Herbst und Winter.

5. Hautscreening nutzen: Um festzustellen, ob die Sonne bereits problematische Schäden verursacht hat, kann man ab dem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre ein Hautscreening in Anspruch nehmen. Mitunter kommt es dabei allerdings zu sogenannten Überdiagnosen: Dann werden Tumore entdeckt und entfernt, die dem Patienten zu Lebzeiten keine Probleme bereitet hätten. "Es gibt bislang keine Untersuchung, die einem mit Sicherheit sagen kann, ob ein Tumor friedlich geblieben oder aggressiv geworden wäre", erklärt Weg-Remers. "Daher geht man auf Nummer sicher und entfernt die suspekten Flecken." Der Vorteil: Wird ein Hauttumor in einem frühen Stadium erkannt und entfernt, ist die Gefahr gebannt. Eine Nachbehandlung ist dann nicht erforderlich.

6. Schlank bleiben: Auch Übergewicht ist ein ernst zu nehmender Risikofaktor für Krebs, besonders das Bauchfett spielt dabei eine unheilvolle Rolle. Bei Gebärmutter- und Nierenkrebs ist laut DKFZ fast die Hälfte aller Fälle durch Adipositas bedingt, bei Brust- oder Darmkrebs liegt dieser Anteil bei etwa 15 bis 20 Prozent. "Je stärker ausgeprägt die Fettleibigkeit, desto höher das Krebsrisiko", sagt Rudolf Kaaks, Leiter der Abteilung Epidemiologie von Krebserkrankungen am DKFZ. Es empfiehlt sich also, sich gesund und ausgewogen zu ernähren und nicht mehr Kalorien zu sich zu nehmen, als man verbraucht. "Wenn man sich die Chips am Abend eine Weile verkneift, dann lässt irgendwann auch der Jieper nach", so Weg-Remers. "Vieles am Ernährungsverhalten ist Gewohnheit."

7. Regelmäßig Sport treiben: Nicht allen Krebsarten kann man durch Sport vorbeugen. Bei Leukämien oder Lymphomen etwa besteht kein Zusammenhang zu körperlicher Aktivität. Doch für Darmkrebs und Brustkrebs nach den Wechseljahren etwa ist es nachgewiesen, dass Menschen, die sich viel bewegen, rein statistisch seltener erkranken als andere. Wie viel Bewegung muss es sein? "Die Antwort ist hart", sagt Weg-Remers schmunzelnd. "Fachleute raten pro Woche zu mindestens 150 Minuten moderater Bewegung oder aber 75 Minuten anstrengendem Sport." 150 Minuten wöchentlich – das sind also etwas mehr als 20 Minuten pro Tag. Und moderat, das ist zum Beispiel die tägliche Radtour zur Arbeit. Oder der schnelle Gang zum Supermarkt. Auch der Haushalts-Workout, die Putzaktion am Wochenende, zählt mit. "Man sollte versuchen, den Sport in den Alltag einzubauen", rät die Medizinerin. "Irgendwann gehören das Radfahren oder Laufen zur Arbeit dann einfach dazu – und das wirkt."

8. Gesund ernähren: "Es ist wichtig", sagt Weg-Remers, "sich ausgewogen und vielfältig zu ernähren, also nicht auf bestimmte Lebensmittel zu setzen, sondern die ganze breite Palette, die wir hier haben, zu erforschen und auszuprobieren." Da Ballaststoffe schützend wirken, insbesondere gegenüber Darmkrebs, sollte der Schwerpunkt in der Ernährung auf Obst, Gemüse und Vollkornprodukten liegen. Mit tierischen Lebensmitteln kann man die Auswahl ergänzen. "Von rotem Fleisch allerdings, also von Rind, Schwein und auch Lamm, sollte man nicht mehr als 500 Gramm pro Woche zu sich nehmen – Aufschnitt und Wurst mitgerechnet", betont die Expertin. 500 Gramm sind schnell erreicht: zwei kräftige Steaks, und das Pensum für die Woche ist ausgereizt. Weg-Remers empfiehlt, stattdessen auf Geflügel oder Fisch umzusteigen oder fleischfreie Tage einzulegen. Nahrungsergänzungsmittel sind bei einer gesunden und ausgewogenen Ernährung der Medizinerin zufolge unnötig: "Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass man das Krebsrisiko verringern könnte, indem man regelmäßig Vitamine zu sich nimmt. Im Gegenteil zeigen große Studien, dass ein Zuviel an bestimmten Vitaminen das Risiko steigern könnte."

9. Gegen HPV impfen: Die humanen Papillomviren sind meist eher harmlos. Unter bestimmten Umständen aber können einige Typen dieser Viren Krebs auslösen, bei Frauen insbesondere Gebärmutterhals-Krebs. Durch eine Impfung – bereits vor dem ersten Geschlechtsverkehr – kann man einer Ansteckung mit den gefährlichsten HP-Viren vorbeugen. Für ältere Frauen käme die Impfung zu spät, denn wie Weg-Remers erläutert, hat fast jeder Mensch, der nicht frühzeitig gegen HPV geimpft wurde, im Lauf des Lebens schon eine solche Infektion durchgemacht. "Bei den meisten läuft sie symptomlos ab und heilt auch folgenlos aus. Nur bei einigen Frauen können die Hochrisiko-Viren dann Krebs verursachen." Diskutiert wird aktuell, ob sich auch Jungs gegen HPV impfen lassen sollten. Bislang wird die Präventionsmaßnahme für Jungen nicht von der Krankenkasse übernommen. Das könnte sich bald ändern. Nicht nur, dass Jungen das Virus übertragen, bei ihnen steigt mit HP-Viren auch das Risiko für Kopf-Hals-Tumore.

10. Gegen Hepatitis B impfen: Auch diese Virusinfektion kann beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, aber auch durch infiziertes Blut oder offene Wunden. Eltern wird empfohlen, schon ihren Säugling gegen Hepatitis B impfen zu lassen. "Von dem Virus bekommt man meist keine akute Hepatitis, in vielen Fällen bleibt die Infektion zunächst unbemerkt", erklärt die DKFZ-Expertin, "aber es ist ein chronischer Verlauf möglich. Dann kann es zu einem chronischen Leberschaden und einer Leberzirrhose kommen, auf deren Grundlage sich Lebertumore entwickeln können." Eine Impfung ist bis zur Pubertät möglich, danach kann man sie auffrischen lassen, sofern man zu einer Risikogruppe gehört, wie etwa zum Krankenhauspersonal. Auch wer in Risikogebiete einreist, sollte eine Hepatitis-B-Infektion durch einen kleinen Pikser vermeiden.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema