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"Ratgeber Test" vom 08.11.2012 (Wdh. 12.11.): Der Trend zum Barfußschuh

Barfußlaufen - das ist eigentlich eine ganz natürliche Sache. Trotzdem sind wir kaum noch daran gewöhnt - denn fast immer sind wir in Schuhen unterwegs. Doch immer mehr Menschen wollen sich wieder barfuß bewegen - oder zumindest fast: Sogenannte Barfuß- oder Minimalschuhe sind im Trend. Doch sind die Barfußschuhe wirklich etwas für jeden? Wir haben zwei ganz unterschiedliche Läufer auf die Teststrecke geschickt.

Max "Mecki" Manroth und Katharina Grompe lieben laufen - aber ganz unterschiedlich: Er läuft ganz ohne Schuhe - sie nur ihn leichten Laufschuhen.

Max "Mecki" Manroth, Barfußläufer: "Der unmittelbare Kontakt zum Boden. Es ist ein ganz anderes Laufen. Du nimmst Laufstrecken anders wahr. Der Boden erzählt dir eine Geschichte."

Und darum ist Mecki sogar schon 100 Kilometer am Stück gelaufen - barfuß versteht sich. Katharina läuft vor allem kurze Distanzen - sie ist Deutsche Juniorenmeisterin auf der 200 Meter-Distanz. Sie ist gespannt auf den Barfußtest:

Katharina Grompe, Deutsche Juniorenmeisterin 200m: "Speziell diese Barfußschuhe haben mich interessiert, nachdem ich jetzt viel davon gehört habe. Und ich bin gespannt, was da auf mich zukommt."

Im Test: Drei verschiedene Barfußschuhe, jeweils für Herren und Damen. Doch was macht einen guten Barfußschuh aus?

Wolfgang Potthast, Sporthochschule Köln: "Ein normaler herkömmlicher Laufschuh ist relativ biegesteif. Das heißt der Fuß, der in diesem Fuß steckt, der kann sich nicht so frei bewegen als wenn wir barfuß laufen. Und ein guter Barfußschuh oder ein guter Minimalschuh, der erlaubt diese Bewegungsfreiheit."

Und weil die Nachfrage nach diesem Laufgefühl immer größer wird, wächst auch das Angebot:

Stefanie Schreiber, Runners Point: "Wir haben von fast jedem Hersteller einen Minimalschuh. Wenn nicht sogar mehrere. Es gibt zum Beispiel in den einzelnen Serien, es gibt immer mehr Minimalserien und da gibt es ungefähr drei bis vier unterschiedliche Modelle."

Der FiveFingers Classic

Unser erster Schuh im Test: Der FiveFingers Classic für 79 Euro. Der FiveFingers-Zehenschuh ist ein Hingucker - jeder Zeh hat seine eigene Kammer - gar nicht so einfach. Doch irgendwann klappt auch das - und wenn der Fuß einmal im Schuh ist, sitzt der FiveFingers wie eine zweite Haut.

Der erste Eindruck - gewöhnungsbedürftig:

Katharina Grompe: "Es ist auf jeden Fall anders, vor allem macht es erst mal einen Spreizfuß und es tut auch ein bisschen weh, an den Zehen halt. Es zwingt dich halt einfach anders als beim normalen Laufschuh nicht erst auf der Ferse abzurollen, sondern direkt über den Mittelfuß auf den Vorfuß."

Der FiveFingers ist leicht und luftig - er wiegt weniger als 300 Gramm. Die dünne Sohle ist aus Gummi. Auf Asphalt kein Problem, auf steinigerem Untergrund nur etwas für Hartgesottene:

Max Manroth: "Das ist ein schöner Gimmick dieser Schuh - das fühlt sich so ähnlich an wie barfußlaufen. Die Steine, die kommen durch und es ist zwar Sohle drunter und ich weiß es kann mir nicht die Fußsohle verletzten. Aber da würd ich dann lieber barfuß laufen, muss ich sagen."

Der Adipure Gazelle

Und auch die großen Hersteller bieten Barfußschuhe an - zum Beispiel Adidas: Der Adipure Gazelle für knapp 100 Euro. Auf den ersten Blick kaum von einem gewöhnlichen Laufschuh zu unterscheiden und anziehen lassen sich die Schuhe auch westenlich leichter.

Und auch das bunte Design kommt gut an. Mit weniger als 200 Gramm ist der Adipure Gazelle federleicht - und sorgt so für ein angenehmes Laufgefühl. Vor allem auf Asphalt:

Max Manroth: "Ein Handschuh. Die Sohle ist ein bisschen fester. Aber wenn Du mit dem Fuß reingehst, das ist als ob Du in einen Pantoffel reinschlüpfst. Und beim Laufen schützt er wesentlich besser vor dem Untergrund. Mir gefällt das."

Katharina Grompe: "Mir gefällt das auch ganz gut. Man merkt halt nicht mehr jedes Steinchen, jedes Körnchen und ganz anders als bei dem Schuh davor. Es kommt halt dem normalen Laufschuh, den man so kennt, relativ nah."

Allerdings ist die Dämpfung beim Adipure Gazelle geringer als bei einem normalen Laufschuh - für Mecki wird der Schuh damit zur echten Barfuß-Alternative für den Winter.

Der Glove

Für den Winter ist auch der Glove von Merrel konzipiert - Kostenpunkt: 119 Euro. Katharina testet ein Damenmodell. Mecki den Pulse Glove. Der bietet speziellen Schutz für die Schnürsenkel - das kommt gut an: "Das ist ja mal eine witzige Art hier, das ist ne schöne Lösung für den Wald."

Mit 400 Gramm ist der Schuh etwas schwerer als die anderen Testexemplare. Dennoch ist die Sohle nur wenige Millimeter dick und die Sprengung - also das Gefälle von der Ferse zur Fußspitze - sehr gering. So soll echtes Barfußlaufgefühl aufkommen:

Max Manroth: "Ob Du jetzt Kiesel läufst, Split läufst, Asphalt läufst, das macht keinen großen Unterschied. Der Fuß bewegt sich sehr frei in diesem Schuh, es drückt nicht. Es ist natürlich nicht barfußlaufen. Das muss man ganz deutlich sagen."

Für Barfuß-Neulinge könnte der Schuh trotzdem interessant sein.

Zeit für das Fazit

Für jedes Modell gilt: Wer zum ersten Mal Barfußschuhe trägt, muss einiges beachten.

Wolfgang Potthast, Sporthochschule Köln: "Wir belasten, wenn wir Barfußschuhe tragen, Strukturen des Fußes mehr. Deshalb erst mal vielleicht nur eine Stunde, nach zwei Tagen vielleicht mal zwei Stunden. Und wenn man merkt, die Füße ermüden, dann halt mal ne Pause machen."

FiveFingers, Adidas oder Merrell - welcher Barfußschuh kommt an?

Max Manroth: "Ich habe für zwei Verwendungszwecke jeweils einen Favoriten. Der ist sehr flach gebaut, das wäre meine erste Wahl für einen Straßenlauf. Für den Wald würde ich den von Merrell nehmen, weil einfach die Schnürung unter dem Reißverschluss verschwindet und man dort nicht Gefahr läuft, wenn man mal durchs Unterholz läuft, dass einem die Schnürung aufgeht."

Katharina Grompe: "Mir persönlich hat am besten der Adidas-Schuh hier gefallen. Das Gefühl war sehr dynamisch und es kommt dem Barfußlaufen sehr nah. Und die Sohle fand ich super, die Passform an sich - optisch auch super. Hat mir gut gefallen der Schuh."

Darum will Katharina ihren Favoriten noch etwas ausprobieren. Mecki schwört aber weiter auf das ganz authentische Barfußgefühl - zumindest bis der Winter kommt.

Quelle: n-tv.de