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Gerhard Plattner vor neuem Rekord Der Mann ohne Gas-Fuß im Kilometerrausch

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Gerhard Plattner bei seinem Zwischenstopp am Potsdamer Platz in Berlin.

(Foto: Holger Preiss)

Seit mehr als 40 Jahren ist Gerhard Plattner im Namen der Spritersparnis unterwegs. Angefangen hat alles mit einem Porsche 928 in der Zeit der Ölkrise. Ins Guinness Buch der Rekorde kam er mit seiner Fahrt in einem Skoda Fabia, bei der er für 18.000 Kilometer lediglich 1000 Euro für Benzin hatte. Jetzt versucht er, mit 100 Euro 2714 Kilometer in einem gasgetriebenen Skoda Citigo zurückzulegen. Bei einem Boxenstopp am Potsdamer Platz in Berlin verriet er n-tv.de, was ihn antreibt und wie man fahren muss, um das zu schaffen.

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Am Ende der Reise am 2. August in Stockholm werden noch fünf Euro in der Tankkasse sein.

(Foto: Holger Preiss)

n-tv.de: Herr Plattner, mit 100 Euro 2714 Kilometer von Vicenza nach Stockholm. Das klingt nach einem Ticket für einen Billigflieger. Ist es aber nicht. Sie sind mit einem Skoda Citigo CNG unterwegs. Mal ehrlich, wie viel Geld ist 1082 Kilometer vor dem Ziel noch in der Benzin-, oder besser in der Gas-Kasse? Und bleibt am Ende noch das Geld für eine kleine Feier übrig?

Gerhard Plattner: Wenn wir am Ziel ankommen, sind wahrscheinlich nur noch fünf Euro in der Kasse. Aber wissen Sie, letztlich kann man das sehr schwer vorhersagen. Wir hatten heute sehr starke Regenfälle auf der Strecke und das erhöht natürlich den Verbrauch ungemein. Auch wenn es irgendwo einen Stau gibt, zieht das ordentlich an den Reserven. Aber ja, ich glaube, fünf Euro bleiben uns noch. Im Augenblick sind aber noch 49 Euro in der Kasse. Um genau zu sein 48,45 Euro.

Das heißt, Sie haben bis jetzt wie oft tanken müssen?

Bis jetzt habe ich fünfmal tanken müssen.

Der Citigo CNG hat ja neben dem Gastank noch einen zusätzlichen Benzintank. Dürfen Sie den sozusagen als heimliche Reserve zum Einsatz bringen?

Nein. Wir haben im Vorfeld den Benzintank verplomben lassen, damit uns niemand unterstellen kann, dass wir mogeln.

3000 Kilometer im Citigo sind nicht ohne. Der Wagen ist ja eher für die Stadt denn für die Langstrecke konzipiert. Wie fühlen sich Ihre Bandscheiben?

Ach, wissen Sie, ich habe mir die Wirbelsäule bei einem Autounfall zweimal gebrochen. Der Arzt sagte mir dann, und das war vor fast hundert Jahren, zwei Sachen kann ich mir abschminken: Gewichtheben und längere Autofahrten. Damals war ich noch Wirtschaftsjournalist.

Das mit den längeren Autofahrten hat sich ja wohl nicht bewahrheitet.

Das war das Schöne. Ich habe dem Arzt damals gesagt: Da können Sie mal sehen, was passiert, wenn man nur 50 Prozent der ärztlichen Ratschläge beherzigt. Gewichtheben kann ich bis heute nicht, aber Autofahren immer.

Sie machen solche Fahrten nicht zum ersten Mal. Vor sieben Jahren sind Sie mit einem Skoda Fabia 18.000 Kilometer durch 31 Staaten gefahren. In vier Wochen versteht sich, und dafür hatten Sie lediglich 1000 Euro zur Verfügung. Wo liegt bei der jetzigen "Kurzstrecke" die Herausforderung?

Die Herausforderung bei der Strecke von Vicenza nach Stockholm ist die Emission. Wir wollen auf dieser Strecke den geringsten Schadstoffausstoß haben, der auf einer solchen Strecke je erzeugt worden ist. Und natürlich der Preis. So billig ist bis jetzt noch kein Auto da hochgefahren.

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Plattners erstes Auto war ein Renault 8 Gordini.

(Foto: Renault)

Der Citigo CNG hat lediglich 68 PS. Der Normverbrauch wird mit 2,9 kg/100km angegeben. Ein Kilogramm kostet rund 1 Euro. Wenn wir jetzt die Rechnung aufmachen, dann kommt man bei einer Strecke von 2500 Kilometern auf präzise 100 Euro. Das sind etwa 300  Kilometer weniger als die Gesamtroute. Die lassen sich aber leicht aufrollen oder?

Ja, natürlich könnte man annehmen, dass man das Auto immer bergab rollen lassen kann. Aber wo es bergab geht, da muss es vorher bergauf gegangen sein. Das ist ganz klar. Ich habe jetzt bei Kilometerstand 1535 einen Durchschnittsverbrauch von 2,52 kg/100km.

Wenn Sie auf Rekordfahrt sind, dann lassen Sie sicher Klimaanlage und Radio aus, um Sprit zu sparen?

Nein, das ist ein Irrglaube, dass man besonders viel spart, wenn diese Geräte aus sind. Wichtig ist wirklich viel zu rollen, den Schwung, ja und manchmal auch den Windschatten auszunutzen. Wer die Klimaanlage ausschaltet und das Fenster aufmacht, der wird wesentlich mehr Verbrauchen, weil der cw-Wert extrem ungünstig verändert wird.

Gibt es da also wirklich noch Gefahren, von einem Unfall mal abgesehen, die den Versuch kippen könnten?

Ja, natürlich. Das wäre zum Beispiel extrem starker Regen einen ganzen Tag lang. Dann wird es grenzwertig. Wenn es stark regnet, dann schiebt sich das Regenwasser wie ein Bremskeil vor die Räder. Auch bei Wind kann der Verbrauch extrem ansteigen. Das haben wir in Österreich gesehen. Da hatten wir Windböen bis zu 95 km/h, und da merkt man schon, wie der Verbrauch in die Höhe geht.

Ihre Fahrt führte Sie von Italien über Ungarn, Österreich und Tschechien weiter nach Deutschland. Wenn mich mein geografisches Wissen nicht im Stich lässt, müssen Sie da über die Alpen. Wie gleichen Sie den höheren Verbrauch in den Bergen aus?

Das ist eben der Moment, wo ich das Fahrzeug rollen lasse. So lang und so schnell es geht.

Werden Sie, wenn Sie Ihre Rekordfahrten machen, nicht für den einen oder anderen Autofahrer zum Verkehrshindernis?

Nein, nein, absolut nicht! Ich fahre auf der rechten Seite und habe ungefähr das Tempo der LKWs. Und manchmal überhole ich auch. Unter uns gesagt: Ich habe bereits bei einer Rekordfahrt im letzten Jahr eine Geschwindigkeitsüberschreitung an einer Baustelle auf der Autobahn gehabt. Da ging es abwärts und ich bin 30 km/h zu schnell gefahren, weil ich mir durch unnötiges Bremsen nicht den Schwung nehmen wollte.

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In einem Porsche 928 gab es für Plattner den ersten Sparrekord.

Aber Sie sind nicht geblitzt worden?

Doch, doch! Das hat mich dann auch gleich mal 200 Euro gekostet. Aber der Führerschein war Gott sei Dank nicht gefährdet.

Wer solche Fahrten macht, muss Auto begeistert sein. Lieben Sie Autos?

Lieben ist vielleicht der falsche Ausdruck. Ich würde sagen, ich schätze Autos. Sagen wir es so: Ich habe ein vernunftbetontes Verhältnis zum Auto.

Ihr erstes Auto war?

Ach, mit dem habe ich den Unfall gehabt. Das war ein Renault Gordini.

Der Renault Gordini ist ein Rallyefahrzeug, das auf der Basis des Renault Dauphine entwickelt wurde. Also eher ein sportliches Auto. Könnten Sie sich auch für richtig fette Boliden begeistern und mit denen Spritsparrekorde aufstellen?

Ich habe meine erste Spritspar-Tour mit einem Porsche 928 angefangen, der Achtzylinder. Das war in der Zeit der Energiekrise. Da wollte man zeigen, dass man einen Boliden auch sparsam fahren kann.

Wenn Sie so spritsparend fahren, zuckt es da manchmal im Gas-Fuß?

Weniger im Gas-Fuß, aber im Hirn sagt man sich schon: Was bin ich für ein Idiot, dass ich mich damit abplage. Aber das ist jetzt auch schon egal, denn ich bin inzwischen sieben Millionen Kilometer gefahren.

Bei Ihrer Fahrt sind Sie in erster Linie als Fahrer für die extreme Spritersparnis verantwortlich. Aber müsste es nicht so sein, dass die Technik jeden Fahrer in die Lage versetzt, so wenig Sprit oder Gas wie möglich zu verbrauchen und nicht lediglich der Fachmann solche Rekorde aufstellen kann?

Da haben Sie völlig Recht. Aber erste Schritte sind ja bereits gemacht. Denken Sie nur an die Start-Stopp-Automatik.

Mit Gerhard Plattner sprach Holger Preiss

Quelle: ntv.de