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Zwischen Hoffnungsschimmer und Endzeitstimmung Die IAA 2009

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Die IAA 2009 verzeichnet einen Aussteller-Rückgang von etwa acht Prozent.

(Foto: obs)

Die wenig rosige Stimmung in der Autoindustrie wirkt sich auch auf die IAA 2009 aus, die im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen keine neuen Rekorde zu vermelden hat. Dennoch hofft man darauf, dass es keine Messe auf Sparflamme wird.

Es gab Augenblicke, da schien die Krise der Autoindustrie fast schon vergessen und vorbei. Seit Jahresbeginn überstrahlte das Thema Abwrackprämie und damit der Boom der Kleinwagen das Geschehen. Es entstand der Eindruck, es gehe doch wieder ein wenig aufwärts. Dass die Realität anders aussieht, wird nicht zuletzt die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt zeigen. Hier werden zwar stolz die Ideen der Hersteller für eine mobile Zukunft gezeigt und es stehen neue Elektro- und Hybridmodelle im Rampenlicht. Doch es gibt auch eine andere Sicht: "Die IAA läutet den größten Abschwung im Automarkt seit dem Zweiten Weltkrieg ein", prognostiziert der Autoforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Was sich wie ein Endzeitszenario anhört, ist nichts anderes als eine Analyse der aktuellen Situation. Denn in Bewegung gehalten wurde der Automarkt 2009 überwiegend durch die Abwrackprämie - und gerade die läuft nun aus. Die öffentlich geförderte Nachfrage fällt weg. Übrig bleibt ein Automarkt, wie er zuvor schon war - ziemlich schwächelnd. Hinzu kommt, dass vorgezogene Käufe durch die Abwrackprämie in den kommenden Jahren für eine nochmals geringere Nachfrage sorgen. Schließlich ist das Auto ja gerade erst neu. "Mancher Händler wird daher sichtbar schlecht gelaunt über die IAA laufen", sagt Ferdinand Dudenhöffer.

Messe auf Sparflamme?

Die wenig rosige Stimmung hat auch zur Folge, dass die IAA 2009 im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen keine neuen Rekorde melden kann - weder in Sachen Größe, noch in Sachen Ausstellerzahl. So haben Hersteller wie Nissan, Daihatsu, Mitsubishi oder Honda ebenso wie die General Motors-Marke Cadillac abgesagt. Der Verband Deutscher Automobilhersteller (VDA) als IAA-Veranstalter kann zum Ausgleich allenfalls auf Kleinsthersteller wie Fisker, Lotus, Tesla und Wiesmann als neue Aussteller verweisen. Insgesamt gebe es aber bei den Ausstellern einen Rückgang von etwa acht Prozent, die Ausstellungsfläche schrumpfe um ein Viertel.

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Autoforscher Ferdinand Dudenhöffer glaubt, dass die IAA einen großen Abschwung auf dem Automarkt einläuten wird.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Experten hoffen trotz allem, dass sich die Automesse nicht als Trauerspiel präsentiert. "Dass einige Marken fehlen, wird nicht einmal jeder Besucher merken", vermutet Nick Margetts, Geschäftsführer des Marktbeobachters Jato Dynamics in Limburg. Margetts hofft aber auch, dass die anwesenden Aussteller nicht versuchen, die Besucher mit offensichtlichen Sparmaßnahmen in Form von billig wirkenden Messeständen zu beeindrucken. "Ich gehe fest davon aus, dass bei der Standgestaltung gespart wird - aber eine Messe auf Sparflamme möchte ich nicht sehen."

Luxus und Technik im Mittelpunkt

Den Besuchern dürfte es vor allem darum gehen, was denn an neuen Fahrzeugen zu sehen sein wird. Tatsächlich wird sich das Bild nicht stark von bisherigen Automessen unterscheiden. Denn wieder einmal werden Luxus auf der einen Seite und neue Technik auf der anderen Seite im Mittelpunkt stehen.

Laut Margetts dürfte unter anderem der Porsche Panamera ein Publikumsmagnet werden - der geistert zwar schon Monate durch die Medien, wird aber von vielen Menschen nun zum ersten Mal aus der Nähe bewundert werden können. Ähnlich sieht es mit dem neuen Jaguar XJ aus - daneben werden noch weitere Luxusneuheiten erwartet.

Viel Raum werden auf der anderen Seite Hinweise auf kommende Spritspar-Techniken und die lange angekündigten Elektroantriebe einnehmen - manchmal auch in Kombination mit Luxus und Exotik. Was zum Beispiel für eine schon angekündigte Elektroversion des neuen Supersportwagens SLS AMG von Mercedes gilt. Auch wenn es hier laut Ferdinand Dudenhöffer wohl vor allem um den schönen Schein geht: Solche Autos seien zwar schön anzusehen, aber nicht erschwinglich. Daneben wird es viele Ausblicke auf kommende Elektromodelle für den Alltagseinsatz geben - aber immer noch wenig Serienreifes.

Star der IAA könnte allerdings eine Marke werden, deren Ende schon fast besiegelt schien. Opel hat nämlich nach Dudenhöffers Meinung das Zeug dazu: Zum einen werde der neue Astra präsentiert, außerdem dürfte spätestens zur IAA Gewissheit über den neuen Investor bestehen. Beides zusammen dürfte Opel reichlich Aufmerksamkeit bringen - wenigstens hier also ein Hoffnungsschimmer in der Endzeitstimmung.

Quelle: ntv.de, Heiko Haupt, dpa