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Neben Jeep Wrangler und Land Rover Defender gehört die Mercedes G-Klasse zu den letzten Offroad-Dinosauriern.
Neben Jeep Wrangler und Land Rover Defender gehört die Mercedes G-Klasse zu den letzten Offroad-Dinosauriern.
Sonntag, 27. Mai 2012

Mercedes G-Klasse: Forever Young: Feine Evolution des Offroad-Dinos

Axel F. Busse

Auch nach 33 Jahren Bauzeit macht dem Mercedes G-Klasse so leicht keiner etwas vor. Bei der nun abgeschlossenen Verjüngungskur konnte man sich daher auf Details beschränken. Was die Technik angeht haben die Stuttgarter aber in allen Details Schritt gehalten.

rotz seiner kernigen Geländeeigenschaften ist die G-Klasse kein klassisches Arbeitstier.
rotz seiner kernigen Geländeeigenschaften ist die G-Klasse kein klassisches Arbeitstier.

So viel Kult kann keiner: Er ist der Urvater der Fünfmeter-Familienkreuzer und der Lifestyle-Laster. Seine Gene tragen die späteren Baureihen GL und GLK schon im Namen. Angefangen hat alles vor genau 40 Jahren, als Mercedes Benz mit dem österreichischen Geländewagenspezialisten Steyr-Puch einen Kooperationsvertrag abschloss.

Vereinbart wurde darin die Entwicklung eines leichten Geländefahrzeugs mit Vierradantrieb für den privaten Nutzer. Von einer schier unendlichen "G"-eschichte ahnte damals noch niemand etwas. Als im Frühjahr 1979 die Serienproduktion begann, hatten die Kunden die Auswahl unter vier Motoren beginnend mit 72 PS. Heute leistet das neueste Topmodell, der G 65 AMG mit Zwölfzylindermotor und Doppelturbo, 612 PS. Mit einem Preis von 264.180 Euro – ohne Sonderausstattung, versteht sich – ist es nicht nur der stärkste und durstigste, sondern auch der teuerste Pkw aus der Serienfertigung eines deutschen Herstellers.

Der einzige Diesel im Programm ist der G 350 Bluetec.
Der einzige Diesel im Programm ist der G 350 Bluetec.

Wobei Letzteres streng genommen "deutschsprachigen" lauten müsste. Gebaut wurde und wird die G-Klasse seit damals bei Magna-Steyr in Graz. Mit Fahrzeugen für extremste Geländeanforderungen kannte sich Mercedes schon in den Siebzigern gut aus. Schließlich wurde seit 1951 der Unimog gebaut, ein unverwüstliches Nutzfahrzeug, das so gut wie keine Hindernisse kennt. Heutzutage ist für gelände- und straßentaugliche Mehrzweck-Pkw ein permanenter 4x4-Antrieb gang und gäbe. Für das G-Modell jedoch sah die Konzeption einen zuschaltbaren Allradantrieb vor, der mittels vollsynchronisiertem Verteilergetriebe auch während der Fahrt aktiviert werden konnte.

Bauart scheint heute antiquiert

Aus heutiger Sicht erscheint die Bauart der G-Klasse antiquiert. Statt einer selbsttragenden Karosserie wird nach wie vor die Trennung von Rahmen und Aufbau praktiziert. Von Anfang an war es Teil des Konzepts, die G-Klasse in verschiedenen Karosserieversionen anzubieten. Als Rückgrat des Mercedes-Benz Geländewagens dient deshalb seit jeher ein solider Leiterrahmen. Die Fahrwerke von Autos mit herausragenden Offroad-Eigenschaften waren bis zum Erscheinen des G-Modells prinzipiell als Starrachser mit Blattfedern ausgelegt. Da sich die Mercedes-Ingenieure zum Ziel gesetzt hatten, dem Fahrzeug auch komfortable Straßentauglichkeit mitzugeben, entschieden sie sich für ein System aus Längs- und Querlenkern zur präzisen Führung der Achsen unter gleichzeitigem Einsatz von Schraubenfedern. Das war neu.

Für den strapaziösen Einsatz in Feld und Wald wären knapp 100.000 Euro in der Regel eine zu hohe Investition.
Für den strapaziösen Einsatz in Feld und Wald wären knapp 100.000 Euro in der Regel eine zu hohe Investition.

Für Innovationsfreudigkeit beim Styling gab es auch bei der Neuauflage 2012 nur geringen Anlass. Ein Geländewagen muss für den Fahrer vor allem eines sein: übersichtlich. Die klare, markante Form, die auch heute noch das G-Modell so unverwechselbar macht und allenfalls mit dem anderen Offroad-Dauerbrenner auf dem Weltmarkt, dem Land Rover Defender verglichen werden kann, hat ihre Ursache in Fragen der Zweckmäßigkeit. Der Wagen muss schmal genug für Waldwege sein, durch die fast lotrecht abfallenden Fenster und Türflächen kann der Fahrer genau die Proportionen abschätzen. kurze Überhänge sowie eckige Kotflügel, die eine gute Sicht auf die Fahrbahn zulassen und zielgenaues Fahren erleichtern, sind unverzichtbar.

Mit der Technik Schritt gehalten

Durch kontinuierliche Modellpflege hat die G-Klasse mit dem technischen Fortschritt Schritt gehalten. Durch die Kombination des permanenten Allradantriebs mit dem elektronisch gesteuerten Traktions-System 4ETS, ESP, "Low Range"-Untersetzung und drei zuschaltbaren Differenzialsperren braucht die G-Klasse auch heute keine Gegner zu fürchten. Die für Geländefahrer bedeutsamen Werte sind nach wie vor Weltklasse: Steigvermögen von bis zu 45 Grad Prozent, einer Fahrstabilität bis 54 Prozent Schräglage, 21 Zentimeter Bodenfreiheit und eine Wattiefe von 60 Zentimetern. Neuerdings gibt es auch die Assistenzsysteme, die den Fahrer auf langen Reisepassagen entlasten, und für mehr Sicherheit sorgen.

Der Absatz der G-Klasse in Deutschland schwankt nur wenig und beträgt um die 1000 Einheiten pro Jahr. 2008 ging er auf 912 Neuzulassungen zurück. Im vergangenen Jahr waren es schon wieder mehr als 1200. Die "lebenden Legende", wie der Leiter des Produktbereichs Geländewagen bei Mercedes-Benz, Axel Harries, die G-Klasse nennt, bleibt trotz Hochrüstung mit Leistung und Komfort bei den AMG-Modellen ein Nischenprodukt. Dazu tragen nicht zuletzt die Preise bei, denn ein G-Mercedes ist in seiner schlichtesten Ausführung mehr als doppelt so kostspielig wie ein GLK: Die Preisliste beginnt bei 85.311 Euro.

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Quelle: n-tv.de

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