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Feuer und Seide Mercedes-AMG CLE 53 4Matic Cabrio ist ein komfortables Biest

03.10.2026, 09:42 Uhr
imageVon Patrick Broich
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Bis auf Schwarz uni kostet jeder Lackton Aufpreis beim CLE 53. Das Alpingrau des Testwagens kratzt an der 3000-Euro-Grenze. (Foto: Patrick Broich)

Mercedes-AMG schafft es, Fahrkomfort und sportliche Werte unter einen Hut zu bringen. Im Falle des CLE 53 Cabriolet kommt auch noch gezielter Sturm in die Komposition. ntv.de hat den Oben-ohne-Stürmer ausprobiert - der nächste Frühling kommt bestimmt.

Cabrio gefällig im Oktober? Erstens sind manche Tage noch spätsommerlich warm, und zweitens kommt das Frühjahr schneller, als man denkt. Also ruhig jetzt schon kümmern um offenes Fahrvergnügen. Und wenn das auch noch performant und nicht absurd unrealistisch teuer sein soll (wobei dieser Mercedes schon teuer genug ist), könnte man sich doch mal einen offenen 53er aus Stuttgart antun, oder?

Etwas weiter südlich auf der Deutschlandkarte wäre ja noch BMW mit dem M4 unterwegs - ebenfalls offen zu haben. Und dieser Vergleich drängt sich nahezu auf, so verschieden sind die beiden Angebote. Klar, der CLE 53 macht keinen Hehl aus seiner drahtigen Ausrichtung und zeigt jede Menge Auspuff mit seiner potenten Vierrohr-Anlage. Dazu gibt es eine markante Abrisskante auf dem Heckdeckel. Vorn wirbt der Panamericana-Grill mit Erfolg um Aufmerksamkeit. Und dann, nach dem Entern, die Überraschung.

Drahtig ist am CLE 53 vor allem das Sichtcarbon-Dekor (kostet schlappe 1130 Euro Aufpreis) und freilich auch die Sessel. Aber! Das sind keine leichten Sportschalen, sondern üppige Fauteuils mit ordentlich geschmeidiger Nappaleder-Polsterung. Und entsprechend fein fühlt man sich gebettet, gerade so, als sei das Cabrio wie gemacht für die weite Reise. Geht ja auch, zumindest gilt das für zwei Personen.

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Statt Sichtcarbon gäbe es durchaus auch verschiedene Hölzer als Dekor. Wäre zudem etliche 100 Euro günstiger. (Foto: Patrick Broich)

Wobei eher das Kofferraumvolumen (285 Liter) der limitierende Faktor ist und gar nicht mal die hinteren Sitznischen, in denen man sogar noch ganz gemütlich unterkommt. Und das Frischluftvergnügen ist in der zweiten Reihe allemal intensiver als vorn, wo sich die ausladende Frontscheibe schützend vor den Köpfen der Passagiere positioniert. Wem das Cabrio bei offener Fahrt immer noch zu stürmisch ist, darf das elektrisch ausfahrbare Windschott bemühen. Stürmisch auf eine ganz andere Art ist der 53 aber sehr wohl, wenngleich kein ruppiger Raufbold wie ein BMW M4.

Der 53er-Antrieb arbeitet geschmeidig-feurig

Im Komfort-Programm arbeitet der drei Liter große Reihensechszylinder zurückhaltend, geht man dagegen in eine der dynamischen Stellungen (das Menü bietet "Sport" oder "Sport+"), wird das 449-PS-Kraftpaket mit Unterstützung von 23 PS akustisch schon zorniger. Außerdem sprotzelt der Strang im Schub und simuliert die eine oder andere Fehlzündung. Aber das braucht man auf Dauer gar nicht - lieber in den milderen Modi die massive Durchzugskraft des mit Turbolader plus elektrischem Verdichter bestückten Hightech-Sechsenders genießen. Immerhin wüten im Overboost 600 Newtonmeter Drehmoment an der Getriebeeingangswelle. Dazu kommen noch einmal rund 200 Newtonmeter aus dem Kurbelwellenstarter. Dank obligatorischem Allrad mit variabler Kraftverteilung bleibt Traktionsmangel jedoch eine Ausnahmeerscheinung.

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Dicke Abgasanlage plus Diffusor zeigen an, dass dieser CLE ein Athlet ist. Der Antrieb gibt das ohne Frage her. (Foto: Patrick Broich)

Selbst auf nasser Fahrbahn fetzt die Maschine das Cabrio schlupffrei auf Tempo. Den Druck im Kreuz der Passagiere beziffert das Werk mit 4,4 Sekunden Beschleunigungszeit auf 100 km/h. Und setzt man im Konfigurator an der richtigen Stelle einen Haken, darf der AMG bis zu 270 Sachen rennen - sonst sind es 250. Derartige Tempi erreicht er auf einer entsprechend freien Autobahn selbst ohne größere Anstrengung.

Überhaupt wirkt das stärkste CLE-Cabrio niemals angestrengt und strengt auch den Fahrer nicht an - das ist die schöne Sache an diesem Performer. Ja, der 2,1-Tonner (Verbrenner können ebenfalls schwer sein) kann sich ohne Probleme in eine Kurvenschlacht stürzen, sodass die dicken Sitzwangen plötzlich richtig Arbeit bekommen, um die Fahrgäste in der Mittelbahn zu halten. Dafür sorgen elektronisch anpassbare Dämpfer im Sportmodus genauso wie die serienmäßig verbaute Hinterachslenkung. Mit seiner hecklastigen Ausrichtung lässt sich die Kehre auch mal im Drift erobern, wenn die Skills am Lenkrad reichen. Und dennoch bleibt der sportlichste CLE am Ende ein Athlet mit Gran-Turismo-Vibes, was eine recht bezaubernde Mischung ist.

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Mächtige Sportsessel bieten nicht nur jede Menge Seitenhalt, sondern darüber hinaus viel Komfort. (Foto: Patrick Broich)

Schnell und finanziell herausfordernd

Der Schwabe ist auf Wunsch biestig schnell, aber immer noch so komfortabel, um sogar als Alltagstool durchzugehen, falls man nicht gerade häufig seinen halben Hausstand durch die Gegend kutschiert. Kostentechnisch ist das Cabrio übrigens nicht gerade trivial, erfordert ein Konto mit rund 100.000 Euro Deckung oder alternativ etwas Verhandlungsgeschick mit dem Ziel, eine einigermaßen bezahlbare Leasingrate in den Vertrag geschrieben zu bekommen. Beim Thema Ausstattung ist der Dreiundfünfzig dafür schon ziemlich gut dabei, braucht eigentlich keine Extrawurst mehr bei etwas Disziplin.

Dabei zählen nicht nur Features wie das vielleicht etwas kitschige Vielfarben-Ambientelicht oder heute typische Infotainment-Gimmicks zur Serienausstattung des 4,85 Meter langen Tourer. Ein sogenannter Airscarf pustet den Mitfahrern warme Luft in Richtung Nacken, falls die auch bei kühleren Außentemperaturen eine kleine Ausfahrt mit Wind im Gesicht unternehmen möchten. Leistungsfähige LED-Pixelscheinwerfer (Digital Light), elektrische Motoren für quasi alle im Innenraum verstellbare Elemente wie Lenksäule, Sitze oder Spiegel inklusive Speicher plus Parkautomatik und schlüsselloses Schließsystem weilen ebenso an Bord.

Aber Mercedes bekommt seine Kunden schon rum und bringt sie spielerisch dazu, mehr Geld aufzugeben. Ob Assistenzpaket für über 2000 Euro oder (unnötigen) künstlichen "Performance"-Sound für über 600 Euro. Irgendetwas geht immer. Doch lassen Sie die Finger davon und genießen sie den Reihensechszylinder so, wie er in der Basis ist. Nämlich sonor bis kernig, aber im Ergebnis zurückhaltend und natürlich bärenstark. Und so grenzt sich der CLE 53 klar ab vom wilderen BMW M4 mit seinen eindeutigen Gran-Turismo-Eigenschaften. Und so kommen Erinnerungen an einen alten Prospekt-Aufdruck aus einer Broschüre des legendären Mercedes 500 E im Jahr 1990 auf: Feuer und Seide. Würde auch zu diesem Cabrio ganz gut passen. Nur schade, dass es keine Prospekte mehr gibt.

Quelle: ntv.de

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