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Von privat, für privat Nach Corona - Urlaub mit dem Reisemobil?

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Sie möchten mal in einem echten Expeditionsmobil Urlaub machen? Auf den Sharing-Portalen könnten Sie so ein Sonderfahrzeug finden.

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Wer mit dem Wohnmobil verreisen will, muss nicht zwingend bei professionellen Anbietern vorstellig werden. Sharing-Portale erfreuen sich auch bei den Wohnmobilisten wachsender Beliebtheit. Hier ein Überblick für die Urlaubszeit nach der Corona-Krise.

Auch wenn das Corona-Virus aktuell die Reiselust auf Wochen und Monate hinaus einbremsen dürfte: Der nächste Urlaub kommt bestimmt. Wer in Zeiten von "Social Distancing" aber schon mal in die Reiseplanung einsteigt, könnte nicht nur aus Flugscham den Individualurlaub dem vollen Ferienflieger vorziehen. Für eine halbwegs unbeschwerte Reise wäre vielleicht auch erstmals eine Reisemobil-Tour in Erwägung zu ziehen. Die Caravaning-Branche blickt jedenfalls mit einigem Optimismus auf dieses mögliche Szenario für die Zeit nach Corona.

Das Eigenheim auf Rädern

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Einige Portale gehen mit ihren Angeboten weit über die Landesgrenzen hinaus.

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Für Reisemobil-Novizen - ebenso natürlich für alle Fans dieser Urlaubsform, die sich ein teures Eigenheim auf Rädern nicht leisten können oder wollen - bietet sich das Mieten eines solchen Fahrzeugs an. Neben den großen, gewerblichen Anbietern erfreuen sich dabei Sharing-Portale wachsender Beliebtheit. Das Vorbild war Airbnb, die Plattform zur Buchung und Vermietung von privaten Unterkünften. Was bei Zimmern, Wohnungen und Häusern funktioniert, klappt auch beim Caravaning: Kaufen und teilen, Reisemobile privat zur Vermietung anbieten oder von privat anmieten – je nach Blickrichtung. Schnell und einfach im Netz oder via App.

So sind Portale wie PaulCamper, Erento und Campanda, Share-a-Camper sowie Yescapa entstanden, ein französisches Unternehmen, das sich selbst als größte europäische Community für das Wohnmobil-Sharing bezeichnet. Aber sind sie auch eine seriöse Alternative zu den großen Vermietern wie ADAC, McRent, die DRM (Deutsche Reisemobil-Vermietung) oder Rent-and-Travel? Was spricht für die Privat-Buchung, was dagegen?

Bei Camper-Apps alles an Bord

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Über Apps sind die Anbieter leicht zu erreichen und über die könnnen auch alle Formalitäten abgewickelt werden.

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"Bei der großen Vielzahl der Modelle lässt sich ein Preisunterschied nur schwer beziffern", erklärt Marc Dreckmeier vom deutschen Caravaning-Verband CIVD. "Aber im Schnitt sind die privaten Portale etwa bei einem mittelgroßen Teilintegriertenvielleicht 10 Euro günstiger pro Tag." Tatsächlich scheinen die angegebenen Tagesmieten, die sich für ein vergleichbares Modell in der Nebensaison zwischen 80 und 100 Euro bewegen, bisweilen sogar fast auf dem gleichen Niveau zu liegen. Bei den Camper-Apps ist allerdings meist eine komplette Campingausstattung von den Küchen-Utensilien, über TV und Infotainment bis zu Tisch und Stühlen für den Gebrauch im Freien mit an Bord, was bei den gewerblichen Vermietern extra bezahlt werden muss.

Da ADAC und Co. ihre Reisemobil-Flotte in der Regel nach ein bis zwei Jahren wieder erneuern, kann der Kunde auf ein weitgehend neues Fahrzeug ohne Macken in bestem Zustand vertrauen. Bei den privaten Plattformen sind die Fahrzeuge zum Teil deutlich älter. Das muss bei guter Pflege kein Nachteil sein, denn zum einen gelten die rollenden Eigenheime bekanntermaßen als langlebige Produkte und zum anderen kann sich das positiv in der Preisgestaltung niederschlagen.

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Einen solchen Oldtimer findet man bei herkömmlichen Camping-Anbieter eher nicht.

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Und was es sowieso nur bei den Privaten gibt: Wer gerne auch mal mit einem Oldtimer-Womo in den Urlaub fahren möchte, findet hier unter Umständen auch noch einen T2- oder T3-VW-Camper. Oder es bietet – wie bei Yescapa – ein Portugiese den legendären Wellblech-Transporter Citroën Typ HY, restauriert und als Wohnmobil ausgebaut, zum Tagespreis von 45 Euro an. Auch andere Eigenausbauten oder Expeditionsmodelle wie ein auf 7,5-Tonnen abgelasteter MAN-Lkw (Tagesmiete 125 Euro) oder gar ein Luxus-Motorhome auf Mercedes-Actros-Basis (709 Euro pro Tag) finden sich fast nur auf dem Privatmarkt.

Vollkasko in Vermietung eingeschlossen

"Den Zustand unserer rund 7600 angebotenen Fahrzeuge können wir natürlich nicht alle selbst überprüfen", sagt Levin Klocker von Yescapa, "aber Orientierung erhalten unsere Kunden durch unser Bewertungs-Feedback und das Zertifikat Best Owner, das wir ab einer bestimmten Anzahl Fünf-Sterne-Bewertungen vergeben." Die stärksten Argumente für eine Nutzung der privaten Vermietung sieht der Country-Manager für Deutschland ohnehin in der Community und dem persönlichen Kontakt. "Wenn der potenzielle Mieter eine Buchung vornehmen will, bringen wir ihn mit dem Vermieter in Kontakt", erläutert Klocker. So käme es schon vor der Schlüsselübergabe zu "persönlichen Gesprächen auf Augenhöhe. Der Vermieter gibt Tipps zum Umgang mit dem Wohnmobil und kann auf die Besonderheiten des eigenen Fahrzeugs hinweisen".

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Über die Plattform lassen sich auch mögliche Schadensfälle verwalten.

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Der Mietvertrag wird direkt zwischen dem Mieter und dem Vermieter geschlossen. Yescapa ist also lediglich die Vermittlungsplattform, die allerdings die persönlichen Daten der Vertragsparteien sowie alle per Kfz-Schein nachprüfbaren Daten des Wohnmobils kontrolliert sowie alle Bezahlungen und gegebenenfalls auch die Schadensfälle verwaltet. Das heißt, die Plattform regelt auch alle Versicherungs-Angelegenheiten. Eine Vollkaskomit teilweise wählbarer Selbstbeteiligung (bis zu 1500 Euro) ist in der Vermietung eingeschlossen. Versicherungspartner von Yescapa in Deutschland ist die Allianz.

Auch bei der Paul Camper GmbH, neben Yescapa als einzige mit einer eigenen APP am Start, beinhaltet der Mietpreis die Vollkasko-Absicherung durch den deutschen Versicherungskonzern. Dirk Fehse, der Gründer des Berliner Portals, war 2013 der erste, der in Deutschland das Wohnmobil-Sharing professionalisierte. Und heute bezeichnet er sein Unternehmen hierzulande als größtes privates Sharing-Portal für Campingfreunde. Allerdings beschränkt sich Fehse neben dem Heimatmarkt auf Österreich, Schweiz und die Niederlande.

Über die Grenzen hinaus

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Campanda vermietet auch Wohnmobile in Australien oder Neuseeland.

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Während Yescapa in sieben europäischen Ländern (Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Großbritannien, Italien) aktiv ist und Share-a-Camper, von internationalen Partnern abgesehen, sich ausschließlich auf Deutschland konzentriert, agiert Campanda mit über 26.000 Mietangeboten in 42 Ländern rund um den Globus, hat also auch die begehrten Reisemobil-Urlaubsländer Nordamerika, Australien und Neuseeland im Programm. Allerdings arbeitet dieses Portal auch mit einer Vielzahl kommerzieller Anbieter. Als "Ebay des Mietmarktes" hat sich zudem Erento positioniert, ein Online-Marktplatz, der zwar auch Wohnmobile von privat offeriert, aber so ziemlich alle Mietwünsche von Baumaschinen über Party-Equipment bis zu Dienstleistungen erfüllt.

Während Yescapa langfristig sich auch eine Ausweitung des Mietraums nach Übersee vorstellen kann, betont Paul-Camper-Firmengründer Fehse: "Es geht uns nicht um schnelles Wachstum, sondern um die Pflege einer Community Gleichgesinnter." In einer über zehn Jahre boomenden Branche hat sich das Wachstum freilich von selbst eingestellt. "Da der Anteil am Mietgeschäft mit einem guten Drittel der Zulassungen konstant geblieben ist", weiß CIVD-Sprecher Marc Dreckmeier, „dürften sowohl die gewerblichen Vermieter als auch die Sharing-Portale ähnliche Zugewinne im zweistelligen Prozentbereich verbucht haben.“ Tatsächlich hat Yescapa seit der Gründung 2012 bis Anfang 2020 über 630.000 Miettage – das sind 1726 Jahre Campingurlaub – verzeichnet; 260.000 Tage allein in 2019.

In besonderem Maße profitieren sicher der Vermieter von den Sharing-Portalen. Schließlich können sie mit einem selbst festgelegten Mietpreis nur hier ihr Fahrzeug zum Teilen anbieten und den teuren Kauf eines Reisemobils damit zu einem großen Teil refinanzieren. Und das wegen der obligatorischen Rundum-Versicherung auch weitgehend risikofrei. Paul-Camper-Chef Dirk Fehse meint sogar, dass sich je nach Fahrzeuggröße und Mietdauer Einnahmen bis zu 20.000 Euro im Jahr erzielen lassen. Freilich nicht in einem Corona-Jahr.

Quelle: ntv.de, Michael Lennartz, sp-x