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Mit Hilfe der digitalen Kommunikation sollen Gefahren deutlich verringert werden.
Mit Hilfe der digitalen Kommunikation sollen Gefahren deutlich verringert werden.
Mittwoch, 24. Mai 2017

Digitaler Schutzschild: Nie wieder Biker-Unfälle?

Von Holger Preiss

Das Unfallrisiko ist für Motorradfahrer um ein Vielfaches höher als für andere Verkehrsteilnehmer. Ein "digitaler Schutzschild" soll Autofahrer und Biker in Zukunft vernetzen und das Risiko um ein Vielfaches verringern.

Die Hinweise könnten zum Beispiel auf das Navi übertragen werden.
Die Hinweise könnten zum Beispiel auf das Navi übertragen werden.

Es ist kein Geheimnis, dass Motorradfahrer zu den am meisten gefährdeten Verkehrsteilnehmern gehören. Das mag zum einen mit Leichtsinn zu tun haben, geht aber auch zu einem Großteil auf die Unaufmerksamkeit von Autofahrern zurück. Doch wie dem auch sei, das Risiko, bei einem Unfall getötet zu werden, ist für Motorradfahrer 18-mal höher als für Pkw-Fahrer. Allein im vergangenen Jahr gab es allein in Deutschland 30.000 Motorradunfälle, von denen 600 tödlich endeten.

Eine der Hauptursachen: Biker werden an Kreuzungen und bei Überholmanövern häufig übersehen. Um dieses Risiko auf ein Minimum zu reduzieren, haben sich Bosch, Ducati, Autotalks und Coda Wireless zusammengeschlossen. Das Ergebnis der Forschung ist ein digitaler Schutzschild, der durch eine Motorrad-zu-Fahrzeug-Kommunikation aufgebaut wird. "Wir lassen Motorrad und Auto miteinander sprechen und schaffen damit das digitale Schutzschild für Motorradfahrer", erläutert Bosch-Geschäftsführer Dirk Hoheisel.

"Multi-hopping" macht's möglich

Motorradfahrer könnten die Hinweise über akustische Signale bekommen.
Motorradfahrer könnten die Hinweise über akustische Signale bekommen.

Grundvoraussetzung dafür, dass das System funktioniert, ist natürlich die umfängliche Vernetzung. Fahrzeuge im Umkreis von mehreren 100 Metern tauschen bis zu zehn Mal pro Sekunde Informationen zu Fahrzeugtyp, Geschwindigkeit, Position und Fahrtrichtung aus. Das heißt: Lange bevor ein Motorrad für Autofahrer und fahrzeugeigene Sensoren in Sicht kommt, wissen sie dank der Technologie: Achtung, ein Motorrad nähert sich. Das ermöglicht ein verbessertes, vorausschauendes Fahren. Eine typische Gefahrensituation entsteht zum Beispiel, wenn sich ein Motorrad einem Auto auf einer mehrspurigen Straße von hinten nähert, in den toten Winkel gerät oder zum Überholen die Fahrspur wechselt. Erkennt das System eine drohende Gefahrensituation, warnt es den Motorrad- und den Pkw-Fahrer optisch und akustisch. Damit erhält jeder Fahrer wichtige Informationen, die aktiv helfen, Unfälle zu vermeiden.

Der Datenaustausch zwischen Motorrad und Auto erfolgt auf Basis des am WLAN angelehnten Standards pWLAN, also dem für 2025 angekündigten Highspeed-Internet 5G. Das ermöglicht kurze Übertragungszeiten von nur wenigen Millisekunden zwischen Sender und Empfänger. Jeder beteiligte Verkehrsteilnehmer wäre dann in der Lage, für das Verkehrsgeschehen wichtige Informationen zu generieren und zu senden. Auch stehende Fahrzeuge würden dann Daten an die Umgebung aussenden. Um die Informationen zuverlässig weiterreichen zu können, müssen künftige Fahrzeuge das sogenannte "multi-hopping" zulassen, den Datentransfer von Fahrzeug zu Fahrzeug.

Noch ist dieses Prinzip aber Zukunftsmusik. Bis die Technik so weit ist, gelten weiterhin die gegenseitige Rücksichtnahme und vor allem eine aufmerksame Fahrweise von Bikern und Autofahrern als beste Sicherheitsmaßnahmen.

Quelle: n-tv.de

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