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IAA für Nutzfahrzeuge Transporter auf Wachstumskurs

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Alt und neu: Der Ford Transit kommt im nächsten Jahr in Feldversuchen als Elektrofahrzeug.

Transporter fahren weltweit auf Wachstumskurs, daran ändern auch kurzzeitige Wirtschaftsflauten wenig. In den aufstrebenden Märkten Asiens und Osteuropas dienen sie als erste erschwingliche Frachter, in Westeuropa feiern sie Erfolge als Alternative zu schweren Nutzfahrzeugen, die zunehmend härteren Umweltauflagen, Durchfahrbeschränkungen und Abgabelasten ausgesetzt werden. Auf der weltweit wichtigsten Branchenmesse, der 63. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover (23. bis 30. September) bestimmen daher alternative Antriebe und Spritspartechniken die Messestände fast aller Transporterhersteller. "Grüne" Elektroantriebe und "blaue" Abgasreinigungstechniken für Diesel stehen dabei im Mittelpunkt. Dazu kommt eine Vielzahl neuer Aufbauten und Branchenlösungen, die in Europa so gefragt sind, wie auf keinem anderen Kontinent. Dies ist auch ein wesentlicher Grund dafür, dass viele asiatische Transportermarken auf dem deutschen Markt gar nicht oder nur mit kleinem Programm antreten und so auch auf eine IAA-Teilnahme verzichten.

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Nissans NV200 ist das wichtigste Modell der Japaner auf dem deutschen Markt.

Anders allerdings Nissan. Die Japaner profitieren aus ihrer Allianz mit Renault sowie von ihren Produktionsanlagen in Spanien und präsentieren sich ungeachtet relativ bescheidener Verkaufszahlen auch hierzulande mit einem breiten Transporter- und Pickup-Angebot. Vor allem aber wollen sie auf der IAA eine der wenigen wirklichen Weltpremieren bei leichten Nutzfahrzeuge enthüllen: Nach der im Frühjahr erfolgten Erneuerung der Schwestermodelle Renault Master und Opel Movano soll nun auch der Nissan Interstar in der Frachterklasse mit bis zu 2,5 Tonnen Nutzlast in frischer Generation an den Start gehen. Nicht mehr als ein Blick in die Zukunft ist dagegen die IAA-Präsentation künftiger Elektro- und Hybridtechniken. Für Transporterkäufer wichtiger ist die Vorstellung weiterer Varianten des im letzten Jahr eingeführten Stadtlieferwagens NV200.

Aufgefrischter VW Caddy zeigt sich

Eine Kleintransporterpremiere steht auch beim Branchenprimus Volkswagen Nutzfahrzeuge im Mittelpunkt des Messestandes: In Hannover feiert der nach sieben Jahren gründlich überarbeitete Caddy sein Publikumsdebüt. Eine Front im Zeichen des neuen Markengesichts, ESP endlich als Standard, ein optionales Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe als Weltneuheit im Kastenwagensegment und sechs neue, durchweg sparsamere TSI- und TDI-Motoren kennzeichnen den frisch gemachten Arbeiter. Die Diesel-Sparvariante Bluemotion setzt mit 4,9-Litern Verbrauch und einem CO2-Ausstoß von 129 g/km sogar den Klassenbestwert. Diesen erreicht der größere T5-Transporter in neuer Bluemotion-Spezifikation nicht ganz, aber 6,8 Liter Verbrauch und 179 g CO2/km bedeuten für den 62 kW/84 PS leistenden TDI immerhin einen halben Liter Einsparung.

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Auch bei Iveco geht es elektrisch zu. Aber der Daily ist auch als mobiler Verkaufswagen zu sehen.

Die Bestsellerbaureihe von VW Nutzfahrzeuge soll damit ihren Höhenflug fortsetzen, immerhin erzielte der in seiner Grundkonstruktion nicht mehr taufrische T5 im ersten Halbjahr eine Absatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr um fast ein Viertel auf rund 72.000 Einheiten weltweit. Weiteren Zuwachs erhofft sich die in Hannover ansässige VW-Tochter von der neuen Pickup-Baureihe Amarok, für die bereits 32.000 Bestellungen vorliegen sollen und die auf der IAA in einer weiteren Version debütiert. Nur der Crafter – jetzt auch mit spritsparendem Start-Stopp-System im Handel – hinkt in den Absatzzahlen hinterher und kann nicht an die Erfolge des Schwestermodells Mercedes Sprinter anknüpfen.

Vito wird elektrisch

Als Sprinter LGT mit preiswertem Flüssiggasantrieb soll der europäische Marktführer in der Kastenwagenklasse von drei bis fünf Tonnen künftig noch mehr Schub gewinnen. Im Mittelpunkt des Mercedes-Benz-IAA-Stands steht aber die Einstiegsbaureihe Vito, bei der nach sechs Jahren Laufzeit eine Überarbeitung anstand. Rund 20 Prozent Verbrauchsersparnis sollen neue Dieselmotoren und Getriebe und ein sogenanntes Blue-Efficiency-Paket möglich machen. Weiterhin im Vito-Programm bleiben die einzigen V6-Motoren, die in diesem Transportersegment angeboten werden. Wichtiger für Handwerker und Stadtlieferanten: Der kleine Mercedes Transporter darf künftig bis zu 100 Kilogramm mehr laden und bietet eine der umfangreichsten Modellpaletten. Darunter auch der Vito E-Cell mit Elektroantrieb, der zunächst in Großstädten zu Feldversuchen startet, später aber fester Bestandteil des Nutzfahrzeugprogramms werden soll.

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Der Caddy von Volkswagen zeigt sich runderneuert auf der IAA in Hannover.

Mit dem Ford Transit Connect wird nächstes Jahr auch Ford sein erstes batteriebetriebenes Fahrzeug in Deutschland auf den Markt bringen. Wie bei Mercedes laufen die kleinen Kastenwagen zunächst in Feldversuchen, Premiere feiert die Deutschlandversion des elektrischen Transit Connect auf der IAA. Rekordverdächtig ist die Zahl der Spezialversionen für das Transporter-Urgestein Transit: Ford hat die Anzahl der Kooperationen mit Aufbauherstellern um 30 Prozent erhöht und bietet zur IAA weit über 1000 Transit-Versionen von 215 Umbaupartnern. Die ursprünglich für diesen Herbst geplante Einführung einer neuen Transit-Generation wurde allerdings um eine IAA und damit zwei Jahre verschoben. Dafür feiert der Kleintransporter seinen 45. Geburtstag und das Produktionsjubiläum von insgesamt sechs Millionen Einheiten mit dem Jubiläumssondermodell Transit 45+ und dem aufgefrischten Reisemobil Transit Nugget.

Mobiler Verkaufswagen von Iveco

Opel schickt die erst im Frühling überarbeiteten Transporterreihen Movano und Vivaro mit neuen Fahrgestellvarianten und Aufbauten auf die Messebühne. Nichts neues gibt es dagegen vom kleinen Citykurier Combo, der sich zu den Vorreitern beim CNG-Erdgasantrieb zählt. Eine Antriebsart, auf die trotz des weiterhin kleinen Tankstellennetzes auch Fiat Professional setzt. So werden Ducato, Doblò Cargo und Fiorino in Hannover mit weiter entwickelten bi-/und monovalenten Erdgasantrieben präsentiert. Ansonsten bestimmen neue Ausbauvarianten das Premierenprogramm der Italiener, so etwa ein Doblò Cargo als mobiler Verkaufswagen für Vergnano-Kaffee, bei dem eine Kaffeemaschine aus dem Laderaum gezogen werden kann. Iveco, zuständig für die größeren italienischen Transporter, zeigt den erst letztes Jahr erneuerten Daily in der Version Electric. Ob der batteriebetriebene Daily tatsächlich ein Erfolg wird, könnte auch von den immer zahlreicheren Einfahrtbeschränkungen italienischer Städte abhängen.

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Billigheimer: Den Logan von Dacia gibt es auch als Pickup.

(Foto: Dacia)

Unter Strom stehen auch die drei Franzosen: Renault gewährt mit dem Ende 2011 in den Verkauf kommenden Kangoo Rapid Z.E. einen Ausblick auf lokal emissionsfrei betriebene Lieferwagen, die sich abgesehen vom Batterieantrieb nicht von konventionellen Kleinlastern unterscheiden. Das gilt auch für den Citroen Berlingo First Electrique. Hier liefert der monegassische Elektroauto- und Sportwagenspezialist Venturi einen Antrieb, der 120 Kilometer Reichweite ermöglichen soll. Fast schon kurios allerdings, dass die Antriebstechnik von morgen in eine Berlingo-Karosserie von gestern verpackt wird und nicht in die aktuelle Generation des Stadtlasters. Anders bei Peugeot: Beim frisch lancierten Stromer iOn ersetzt Ausbauspezialist Sortimo die Passagiersitze durch Transportboxen und eine ebene Ladefläche - und schon soll aus dem Kleinst-Pkw ein moderner City-Laster werden. Inwieweit die anvisierten Apotheken- und Kurierdienste tatsächlich den relativ teuren Batterietriebler leasen, bleibt abzuwarten. Immerhin gibt es neben den kostspieligen elektrischen Reitern weiterhin bezahlbare Erfolgsmodelle wie die Preisbrecher Dacia Logan Van und Pickup aus dem Renault Konzern, den kleinen Citroen Nemo mit Euro-5-konformer neuer 55 kW/75 PS starker Dieselmotorisierung und weiteren Kastenwagenausbauten oder den baugleichen Peugeot Bipper mit entsprechenden Neuerungen. Dazu kommt für die anderen Transporter-Baureihen von PSA Peugeot Citroen eine Vielzahl an ergänzenden Branchenlösungen – von Kühleditionen bis Werkstatteinrichtungen.

Quelle: ntv.de

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