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Der ADAC und der ungeliebte "Gelbe Engel" VW stampft Werbung ein

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VW-Chef Martin Winterkorn am 16. Januar mit der Auszeichnung in den Händen.

(Foto: dpa)

Bisher waren die Automobilkonzerne und der ADAC gute Partner, und wer bei dem Autoclub einen Preis gewann, druckte ihn anschließend in seine Anzeigen. So hatte es auch VW mit seinem "Gelben Engel" vor. Doch inzwischen ist der Preis nur noch eine Last.

Die Manipulationen beim ADAC-Preis "Gelber Engel" haben die Automobilkonzerne aufgeschreckt. Ein Sprecher des Volkswagen-Konzerns sagte verschiedenen Medien, VW wolle vor dem Hintergrund des Skandals anders als bisher üblich "nicht mit dem Gelben Engel für den VW-Golf werben". Entsprechende Anzeigenpläne wurden zurückgezogen.

Der VW Golf war am vergangenen Donnerstag vom ADAC in München mit dem "Gelben Engel" ausgezeichnet worden. Am Wochenende räumte der Automobilclub dann ein, dass bei der Leserwahl zum "Lieblingsauto" der Deutschen die Zahl der abgegebenen Stimmen geschönt worden war. Dies soll nach Angaben von ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair über mehrere Jahre geschehen sein.

Eher Anti-Werbung

Bisher war die jährliche Auszeichnungsveranstaltung ein wichtiger Termin im Jahreskalender, den sich kaum ein Automanager entgehen ließ. Die Auszeichnungen des ADAC galten auch als werbewirksames Verkaufsargument. In Wolfsburg werde derzeit sogar darüber gesprochen, den "Gelben Engel" zurückzugeben. "Wir müssen jetzt sehen, wie wir mit dem Preis umgehen", hieß es dazu von VW. Noch sei die Entscheidung offen. Vieles hänge davon ab, wie der ADAC den Fall intern aufkläre. Der Konzern hatte den Preis zum zweiten Male gewonnen. Der Forderung nach umfassender Aufklärung schlossen sich auch BMW und Daimler an, die den Preis in den vergangenen Jahren gewonnen hatten.

Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) verlangte umfassende Aufklärung. "Das ist dringend nötig, denn nur so kann die Glaubwürdigkeit des Verfahrens wiederhergestellt werden", sagte ein VDA-Sprecher der "Welt". Nach dem Eingeständnis der Manipulationen beim "Gelben Engel" sind auch andere Tests unter Verdacht geraten.

Zweifel am Raststättentest

Die Vereinigung Deutscher Autohöfe (VEDA) zweifelte inzwischen auch die Neutralität des ADAC beim Raststättentest an: Die Vereinigung bemängele "schon seit Jahren", dass der Raststättenvergleich "nicht neutral" sei, wodurch die Autohöfe benachteiligt würden, erklärte VEDA-Vorstand Alexander Ruscheinsky.

Der ADAC stehe in weitreichenden geschäftlichen Beziehungen mit dem Raststättenbetreiber Tank & Rast, und die Testkriterien, die beim ADAC zu der Schlagzeile "Raststätten besser als Autohöfe" geführt hätten, privilegierten "einseitig die Autobahn-Raststätten". Die Auswahl der Autohöfe für den Test sei hingegen "nicht repräsentativ", bemängelte Ruscheinsky. Eigenschaften, die im Test Punkte brächten, würden bei den Autohöfen "immer wieder nachweislich übersehen".

Skandal erreicht Politik

Inzwischen kommen auch aus der Politik Forderungen nach umfassender Aufklärung. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt forderte die ADAC-Führung auf, das verlorene Vertrauen von Mitgliedern und Öffentlichkeit zurückzugewinnen. Der "Bild"-Zeitung sagte der CDU-Politiker: "Es muss radikal aufgeklärt werden. Alle Vorgänge der Vergangenheit müssen offengelegt werden." Der ADAC solle sich künftig auf seine Kernkompetenz besinnen. "Der ADAC muss sich wieder mehr auf seinen ursprünglichen Auftrag konzentrieren, den Service der Mitglieder und die Interessenvertretung der deutschen Autofahrer: Mehr um den einzelnen Autofahrer kümmern, weniger Show und Glitzer - der ADAC ist doch nicht Hollywood!"

Die frühere Fraktionschefin der Grünen, Renate Künast, warf dem ADAC vor, nicht nur einen Betrug begangen zu haben. "Der Club hat auch eine irreführende Marktpolitik betrieben." Er müsse daher jetzt deutlich machen, wie er damit umgehen wolle. "Dazu habe ich noch nichts gehört", kritisierte Künast.

Der inzwischen zurückgetretene ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte zugegeben, bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen die Teilnehmerzahlen deutlich nach oben geschönt zu haben. Dies soll nach Angaben von ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair über mehrere Jahre geschehen sein. Der einstige Kommunikationschef habe die Abstimmung "in einer unglaublich dreisten Art und Weise" verändert und dafür "die alleinige und vollständige Verantwortung" übernommen. Die ganze Sache werde nun "intensivst" untersucht, unter anderem durch externe Berater. Auch die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa

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